Banker-Boni: Die fetten Jahre sind vorbei

Banker-Boni: Die fetten Jahre sind vorbei

, aktualisiert 04. Januar 2016, 18:53 Uhr
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Banker sollen in jedem Fall zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie zu große Risiken eingegangen sind.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Londoner Investmentbanker erwarten deutlich niedrigere Boni als ihre Kollegen in der Private-Equity-Welt. Das könnte dazu führen, dass Investmentbanker die Branche wechseln.

LondonEin guter Weg zum Glück führt über realitätsnahes Erwartungsmanagement, pflegen Psychologen gerne zu sagen. Vor dem Hintergrund dürfte dem Glück der Londoner Investmentbanker eigentlich nicht viel im Wege stehen. Eine Reihe großer Banken hat bereits vor einigen Wochen gewarnt, dass die gesamten Bonitöpfe für das abgelaufene Jahr nicht so üppig ausfallen würden wie gewohnt.

In einer Umfrage des Personalvermittlers Astbury Marsden haben daher weniger Beschäftigte in der Londoner Finanzbranche als noch ein Jahr zuvor angegeben, dass sie überhaupt eine Prämie erwarten.

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Sie haben zwar ihre Erwartungen heruntergeschraubt, laut Astbury Marsden sind dennoch Enttäuschungen programmiert. Denn einerseits lägen selbst die niedrigeren Erwartungen noch über dem, was Banken an Boni zu zahlen bereit seien, sagt Astbury-Marsden-Experte Adam Jackson Anfang der Woche bei der Veröffentlichung der Umfrageergebnisse.

Und was den Bankmitarbeitern ebenfalls die Laune verderben dürfte, sei der große Abstand zwischen den Prämien in ihrer Branche und den Sonderzahlungen, die in der Private-Equity-Welt erwartet würden.

Der Umfrage des Personalvermittlers zufolge fallen diese etwa vier Mal so hoch aus. Demnach rechnen Private-Equity-Manager im Schnitt mit einem Bonus von gut 104.000 Pfund (umgerechnet 140.000 Euro), während Investmentbanker gerade mal auf rund 24.500 Pfund (33.000 Euro) hoffen. Dazwischen liegen Vermögensverwalter und Beschäftige im Privatkundengeschäft. Sie erwarten einen Bonus von knapp 60.000 Pfund.

Es sind gleich zwei Entwicklungen, die die Entwicklung der Banker-Boni treffen: die von der Europäischen Union vorgeschriebene Begrenzung der Prämien auf maximal das Doppelte des Festgehalts sowie die geschäftlichen Probleme der Banken. Die gesamte Branche kämpft mit höheren Eigenkapitalanforderungen der Aufsichtsbehörden, das macht ihre Geschäfte teilweise unprofitabel. Einige Banken, darunter die Deutsche Bank, haben daher ein Sparprogramm auf den Weg gebracht und wollen Tausende von Mitarbeitern entlassen.

Unternehmen in der Private-Equity-Branche müssen dagegen keinen Bonusdeckel beachten. Jackson von Astbury Marsden sagt daher voraus, dass ein Teil der enttäuschten Investmentbanker sich möglicherweise nach einem neuen Job umsehen und eine Position bei einer Beteiligungsgesellschaft angesichts der höheren Boni dort in Betracht ziehen könnte.

Dass Investmentbanker nicht mehr in dem Maße Rekordverdienste kassieren wie das noch vor Ausbruch der Finanzkrise der Fall war und sich Gehaltsstrukturen grundsätzlich verschieben, das zeichnet sich bereits seit einiger Zeit ab. So hat die Denkfabrik New Financial Anfang vergangenen Jahres vorhergesagt, dass schon bald die Gesamtvergütung, also Boni und Festgehalt zusammengenommen, in der Vermögensverwaltung höher ausfallen dürfte als im Investmentbanking.

Denn die durchschnittlichen Einnahmepakete im Investmentbanking seien seit 2006 um etwa ein Viertel gesunken, während sie in der Vermögensverwaltung parallel dazu um mehr als 20 Prozent gestiegen seien.

 

Quellle:  Handelsblatt Online
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