Bankgebühren : Die neue Solidarität bei der GLS Bank

Bankgebühren : Die neue Solidarität bei der GLS Bank

, aktualisiert 12. Dezember 2016, 19:53 Uhr
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Die große Mehrheit der Mitglieder der Ethikbank haben am Wochenende für einen neuen Grundbeitrag gestimmt. Das Konto kostet dadurch 60 Euro pro Jahr mehr.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die genossenschaftliche GLS Bank führt eine Art Solidarbeitrag in Höhe von 60 Euro im Jahr ein. Die Mitglieder der Ethikbank stimmten mehrheitlich für den neuen Grundbeitrag. Die Gebühr ist ein Novum in der deutschen Finanzbranche.

FrankfurtTrotz teils deutlicher Kritik einzelner Mitglieder kann die genossenschaftliche GLS Bank ab dem kommenden Jahr einen sogenannten Grundbeitrag verlangen. Jeder Privatkunde der Ethikbank muss dann fünf Euro im Monat zahlen – zuzüglich zur Kontoführungsgebühr von 3,80 Euro. Für junge Kunden fällt der neue „Soli“ mit einem Euro aber deutlich geringer aus.

Auf der außerordentlichen Generalversammlung am Wochenende stimmten fast 80 Prozent der Mitglieder für die Einführung des Grundbeitrags. Bankchef Thomas Jorberg zeigte sich angesichts des „großen Rückhalts“ erfreut.

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Insgesamt kamen rund 1.200 Mitglieder, die jeweils Anteile an der alternativen Bank halten, zu der Versammlung – was allerdings nur ein Bruchteil aller Mitglieder ist. Denn 45.000 der insgesamt 210.000 GLS-Kunden halten Anteile an dem Geldhaus.

Die Einführung eines Grundbeitrags ist ein Novum in der deutschen Bankenlandschaft. Die GLS Bank hatte bereits Anfang dieses Jahres angekündigt, dass sie an einem „Grundsolidarbeitrag“ für ihre Leistungen arbeitet, wie Jorberg damals sagte. Auf der Jahresversammlung im Juni hatte das Geldhaus dann nochmal für das neue Gebührenmodell geworben.

Der Bank geht es darum, mit Hilfe der Grundvergütung ihr Geschäftsmodell zu verteidigen. „Wir wollen uns frei machen von dem Druck, bestimmte Geschäfte zu machen, die wir nicht wollen“, so Jorberg zu Jahresbeginn. Das Geldhaus wolle zudem unabhängiger von den Finanzmärkten werden.

Die GLS Bank hat zudem im November die Gebühren für das Girokonto auf 3,80 Euro im Monat erhöht. Insgesamt kostet das Konto also künftig monatlich 8,80 Euro. Bei vielen anderen Geldhäusern ist das Girokonto ähnlich teuer.


Deutschlandweit werden Girokonten teurer

Die Ethikbank ist zuversichtlich, durch den Solidarbeitrag unterm Strich keine Kunden zu verschrecken. Die 1974 gegründete „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen und hat auch dieses Jahr per saldo Kunden gewonnen. Für die Bank sind Engagements in Rüstungs- oder Gentechnikunternehmen tabu. Stattdessen finanziert das Institut zum Beispiel Investitionen in erneuerbare Energien, nachhaltiges Wohnen oder soziale Projekte.

Mit höheren Preisen liegt die GLS Bank ohnehin voll im Trend. Deutschlandweit heben genossenschaftliche wie private Banken und Sparkassen die Gebühren derzeit an. Der Grund: Die Geldhäuser werden angesichts der niedrigen Zinsen künftig viel weniger mit Krediten und Einlagen verdienen. Aus diesem Geschäft stammen mehr als 70 Prozent ihrer Erträge.

So haben, zählt man die aus einer Landesbank hervorgegangene Berliner Sparkasse mit, acht der zehn größten Sparkassen dieses Jahr Gebührenerhöhungen angekündigt und weitgehend auch schon umgesetzt. Dazu kommt die Sparkasse Köln-Bonn, die bereits 2015 gehandelt hat.

Auch kostenlose Girokonten gibt es immer seltener. Die Postbank, die 1998 ein Gratiskonto eingeführt hatte und damit als Vorreiter in Deutschland galt, verabschiedet sich weitgehend von der Gratisvariante. Für das klassische Konto Giro plus verlangt sie seit November 3,90 Euro monatlich. Gratis bleibt es nur ab einem Geldeingang von 3.000 Euro, bislang liegt die Grenze bei 1.000 Euro pro Monat.

Andere Geldhäuser begrenzen Kostenlosangebote. Bei der Sparda-Bank Münster ist ab kommendem Jahr nur noch das Onlinekonto gratis. Andere Sparda-Banken bieten weiterhin normale Girokonten ohne Monatsgebühren an, haben aber teils einen Preis für die EC-Karte eingeführt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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