Banküberfälle: Immer mehr Geldautomaten werden gesprengt

Banküberfälle: Immer mehr Geldautomaten werden gesprengt

, aktualisiert 22. Juli 2016, 17:31 Uhr
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Immer wieder werden Geldautoamten gesprengt. Nordrhein-Westfalen ist dabei besonders betroffen, in diesem Jahr sogar noch mehr als 2015. Die Täter leiten ein Gasgemisch in die Automaten und bringe diese zur Explosion.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Serie gesprengter Geldautomaten reißt auch 2016 nicht ab. In Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der Fälle sogar. Die Polizei sucht verzweifelt nach den Tätern. Die Banken versuchen, sich vor den Attacken zu schützen.

FrankfurtZuletzt traf es den Kölner Stadtteil Gremberghoven. An einem Mittwoch Mitte Juli um 4 Uhr nachts sprengten Unbekannte einen Geldautomaten und konnten mit der Beute entkommen. Es war nicht der erste Überfall in dem Stadtteil. Während Deutschland im EM-Halbfinale gegen Frankreich spielte, schlugen die Täter gegen 22 Uhr bei einer Sparda-Bank zu.

Erste Zahlen deuteten darauf hin, dass es in diesem Jahr noch mehr Fälle von Bankautomatensprengungen gibt als 2015. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen registrierte seit Jahresbeginn bereits 80 Fälle, in denen die Täter einen Geldautomaten gesprengt oder dies versucht haben, sagte ein Sprecher auf Anfrage. 2015 waren es im gesamten Jahr nur 67 Sprengungen. Nordrhein-Westfalen, das bevölkerungsreichste Bundesland, ist besonders stark von den Überfällen betroffen.

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Etwa 200 normale Raubüberfälle auf Banken gibt es jedes Jahr in Deutschland. Die Gefahr, dabei geschnappt zu werden, ist groß – und die Beute mitunter gering. Anders sieht es bei den Sprengungen von Geldautomaten aus. Im Jahr 2015 jagten Banden in Deutschland mehr als 140 Geldautomaten in die Luft. Immer nachts waren vor allem entlegene, einzelnstehende Automaten oder Vorräume ländlicher Filialen das Ziel, deshalb sind vor allem Sparkassen und Volksbanken betroffen. Die Beute kann bis zu 100.000 Euro betragen. Und meisten können die Täter entkommen. In NRW kommen sie zum Beispiel oftmals aus den Niederlanden und machen sich über die Autobahn aus dem Staub.

Dabei ist es ein Wunder, dass bisher noch niemand verletzt wurde – Bankkunden, Nachtschwärmer oder jemand im Haus, in dem der Geldautomat untergebracht ist. Denn die Täter gehen mit großer Gewalt vor. Sie kleben die Geldautomaten luftdicht ab, leiten ein Gasgemisch hinein und lösen eine Explosion aus.

Die frei gesprengten Geldkassetten laden die Gangster ins Auto und rasen davon – oft mit 200 Stundenkilometern und deutlich darüber. Selbst Polizeihubschreiber halten da nicht mit.


Banken installieren Vernebelungsmaschinen

Die Banken versuchen sich zu schützen, indem sie die Geldautomaten zum Beispiel so umbauen, dass diese das Gasgemisch neutralisieren. Teils setzen die Kreditinstitute auch Vernebelungsmaschinen ein. Räume mit Geldautomaten werden dann sekundenschnell blickdicht eingehüllt. Die Täter müssen ihre Versuche abbrechen. Viele Geldhäuser reagieren auch, indem sie die Räume mit den Geldautomaten nachts abschließen. Dabei sitzen ihnen die Versicherer im Nacken, die im Schadenfall aufkommen müssen – und das nicht unbegrenzt wollen.

Die Behörden empfehlen zudem die so genannte Tinten-Lösung, bei der das Geld im Falle einer Sprengung durch Farbpatronen entwertet wird. Diese Lösung hat sich in den westlichen Nachbarländern bewährt – die Fallzahlen waren dank des Sicherungsmechanismus zurückgegangen. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) hatte im Spätherbst offen gefordert, –dass die hiesigen Banken das schnell nachholen“.

So haben die Täter vermutlich erst niederländische Banken ausgeraubt – und sind dann, als die Geldhäuser im Nachbarland nachrüsteten, nach Deutschland gewechselt. Neuerdings sind sie noch dreister: Sie rissen kürzlich einen ganzen Geldautomaten aus der Verankerung und flüchteten damit.

Quelle:  Handelsblatt Online
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