Barclays, Credit Suisse und Morgan Stanley: Wieso Hedgefonds-Händler zu Banken zurückkehren

Barclays, Credit Suisse und Morgan Stanley: Wieso Hedgefonds-Händler zu Banken zurückkehren

, aktualisiert 03. Juli 2017, 21:14 Uhr
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Die britische Bank hat sich die Dienste des ehemaligen Hedgefondsmanager Chris Leonard gesichert.

Quelle:Handelsblatt Online

Lange ächzten die Banken unter den Folgen der Finanzkrise, während die Hedgefonds boomten. Doch langsam kehren die Händler zurück, die einst die Seiten wechselten. Das liegt unter anderem an Donald Trump.

New YorkDie britische Bank Barclays stellte im Juni Chris Leonard ein. Eine Personalentscheidung, die aufhorchen ließ: Leonard arbeitete vor einem Jahrzehnt für JP Morgan, gründete aber danach zwei Hedgefonds. Jetzt soll er Barclays' US-Zinshandelsgeschäft auf die Sprünge helfen.

Von einem Hedgefonds zu einer Bank zu wechseln, dass wäre viele Jahre nicht als Karrieresprung durchgegangen. Mittlerweile scheint es ein normaler Schritt geworden zu sein: Ende vergangenen Jahres verließen die Ex-Banker Roberto Hoornweg und Chris Rivelli, beide von Brevan Howard Asset Management, den Londoner Hedgefonds und kamen zu Banken zurück. Denn Banken in New York und London sind ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise wieder zu interessanten Arbeitgebern geworden – und könnten bald noch interessanter werden: Wenn US-Präsident Trump die regulatorische Belastung zurückschraubt, dürfen sie wieder mehr Eigenhandel betreiben. Und es gibt noch einen Punkt: Viele Makro-Hedgefonds verdienen einfach kein Geld mehr.

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„Im Schlussquartal oder im ersten Jahresviertel 2018 wird es mehr Personen geben, die von Hedgefonds zu Banken wechseln, um die bankeigenen Mittel zu steuern“, prognostiziert Jason Kennedy, Chief Executive Officer der Kennedy Group in London, die Banken und Hedgefonds bei Neueinstellungen berät. „Die Banken werden wieder attraktiver, was den Arbeitsplatz und das Gehalt angeht.“

Das liegt an der Erwartung, dass Donald Trump gut für Banker sein wird. In einem am 12. Juni veröffentlichten Bericht forderte das US-Finanzministerium die Bundesbehörden dazu auf, etliche Vorschriften zu überarbeiten, über die sich die Wall Street in den sieben Jahren seit Verabschiedung des Dodd-Frank-Gesetzes immer wieder beschwert hat. Darin wurde unter anderem gefordert, die jährlichen Stresstests – mit denen die Widerstandsfähigkeit der Banken im Falle eines Wirtschaftsabschwungs geprüft wird – abzumildern, ein paar Handelsregeln zu lockern und die Befugnisse der Aufsicht zu beschneiden, die das Verbraucherfinanzgeschäft kontrolliert.

Unterdessen „wurde die Messlatte für die Hedgefonds-Welt im Laufe des vergangenen Jahres dramatisch erhöht“, so Kennedy. Hedgefonds stehen nach Jahren unterdurchschnittlicher Entwicklung und Aufruhr unter den Investoren zunehmend unter Druck, ihr traditionelles Modell einer Managementgebühr von zwei Prozent und einer Gewinnbeteiligung von 20 Prozent fallenzulassen.

Das aber schränkt ihre Fähigkeit ein, Talente einzustellen – und zu halten. Moore Capital Management von Louis Bacon, Tudor Investment, Och-Ziff Capital Management, Canyon Capital Advisors und Brevan Howard gehören zu den Vermögensverwaltern, die ihre Gebühren 2016 gesenkt haben. Im vergangenen Jahr wurden mehr Hedgefonds geschlossen als aufgelegt, und der Trend setzte sich Daten von Hedge Fund Research zufolge im ersten Quartal 2017 fort. „Es überrascht nicht, dass sich die Händler nach sicheren Häfen umschauen, und wenn die Banken mehr Handlungsspielraum haben, könnte ein Wechsel sinnvoll sein“, sagt John Purcell vom Führungskräfte-Headhunter Purcell & Co. in London.


Warum Anleger mit ihren Erträgen unzufrieden sind

Die Aussteiger von Brevan Howard, dessen Flaggschiff-Hedgefonds in den ersten fünf Monaten des Jahres fast vier Prozent verloren hat, kamen bei verschiedenen Banken unter. Rivelli, der die Deutschen Bank 2015 für den Fonds verlassen hatte, ging im Februar 2017 in das Handelsteam für Devisenoptionen bei HSBC, der Partner bei dem Vermögensverwalter von Milliardär Alan Howard gewesen war, wechselte im Januar zu Standard Chartered; früher hatte er den Festverzinslichenhandel bei Morgan Stanley und UBS geführt.

Tim Sharp kehrte bereits vorher wieder auf die Verkaufsseite zurück. Banken haben seiner Aussage nach nun attraktive Nischenhandelsgeschäfte und viele Häuser ihre Schrumpfkur fast schon hinter sich. Er ging im Juli 2015 zur Credit Suisse, nach einem Jahr bei der von Michael Platt geführten BlueCrest Capital Management. Am Ende des Jahres kündigte der Hedgefonds, der einst zu den größten Europas gezählt hatte, die Absicht an, etwa sieben Milliarden Dollar der verwalteten acht Milliarden Dollar an die Kunden zurückzugeben. „Es ist sehr schwierig für Makro-Fonds“, sagt Sharp in einem Interview mit dem Nachrichtendienst Bloomberg. „Die Zentralbankpolitiken haben die Volatilität zunichte gemacht und die Chancen verringert. Und außerdem überleben nur die Besten.“

Im Jahr 2008 sah das alles noch anders aus: Banken ächzten unter der Finanzkrise und mussten gemäß der Volcker-Regel ihren Eigenhandel abwickeln oder auslagern, was viele Sell-Side-Händler auf die Buy-Side wechseln ließ. Die Hedgefonds boomten und verzeichneten 2009 mit fast 20 Prozent Ertrag ihre beste Jahresentwicklung seit 1999, wie der HFRI Fund Weighted Composite Index zeigt. 2010 kamen sie auf 10,3 Prozent Plus.

Makro-Strategien mit Wetten auf Währungen und Zinsen haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 13,8 Milliarden Dollar Anlagegelder angelockt, so viel wie keine andere von Evestment beobachtete Handelsstrategie. Doch die Anleger sind mit ihren Erträgen unzufrieden. Makro-Hedgefonds haben bis Ende Mai dieses Jahres durchschnittlich 1,4 Prozent Ertrag generiert, womit sie hinter dem von breiteren Hedgefonds erwirtschafteten Zuwachs von 3,3 Prozent zurückblieben, wie von Eurekahedge zusammengestellte Daten zeigen.

Und einigen der bekanntesten Makro-Händler erging es noch schlechter. Caxton Associates von Andrew Law hat von Januar bis Mai acht Prozent eingebüßt und den Kunden angekündigt, die Leistungs- und Managementgebühren zu verringern. Der Hedgefonds Rubicon Global Fund von Paul Brewer verlor nach fehlgeschlagenen Devisenwetten dieses Jahr rund 27 Prozent, wie Bloomberg im Juni aus unterrichteten Kreisen erfuhr.

„Makro hat als generelle Strategie zuletzt eine ausgedehnte Phase schwacher Erträge erfahren, was zu einer Reihe von Abwicklungen bei großen Häusern geführt hat“, sagt Nicolas Roth, Co-Leiter Alternative Anlagen bei Reyl & Cie in Genf. „Einige Makro-Händler kehren wieder auf die Sell-Side zurück, vielleicht in der Hoffnung, dass eine Rücknahme von Dodd-Frank dem Eigenhandel wieder die Tür öffnet.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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