Bargeld-Debatte: EZB-Ratsmitglied verteidigt 500-Euro-Schein

Bargeld-Debatte: EZB-Ratsmitglied verteidigt 500-Euro-Schein

, aktualisiert 05. Februar 2016, 11:13 Uhr
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Für EZB-Ratsmitglied Mersch sind langjährige Beschwerden von Polizei- und Finanzbehörden nicht genug, um den 500-Euro-Schein zu verbieten.

Quelle:Handelsblatt Online

Der 500-Euro-Schein hat den Ruf, „Mafia-Geld” zu sein. Zu Recht? EZB-Ratsmitglied Yves Mersch ist sich nicht sicher. Um den Schein verbieten zu lassen, bräuchte man konkretere Beweise für kriminelle Verbindungen.

Frankfurt/DüsseldorfBeliebt und begehrt soll der 500-Euro-Schein sein – vor allem bei Kriminellen. Nun beschäftigt sich auch Europas oberste Geldbehörde, die Europäische Zentralbank (EZB), mit dem Schein. Notenbank-Chef Mario Draghi bestätigte vor dem Europaparlament am Mittwoch dieser Woche, dass sich die EZB seit einiger Zeit mit den Banknoten mit hohem Nennwert befasse.

Allerdings sieht es so aus, als könnte die endgültige Entscheidung noch auf sich warten lassen. Denn nicht alle Notenbanker sind vom Ruf der lila Banknoten als „Mafia-Geld” überzeugt. „Sowohl Polizisten als auch Politiker der G-20-Staaten haben ihre eigene Meinung zu diesem Thema”, sagte EZB-Ratsmitglied Yves Mersch am Freitag in Zürich. „Ich würde es allerdings begrüßen, wenn die Europäische Zentralbank tatsächlich handfeste Beweise zugespielt bekäme.”

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Dabei glauben Finanzbeamte einiger EU-Staaten durchaus, genug Beweise für die kriminellen Machenschaften mit den 500-Euro-Scheinen zu haben. Laut einem Bericht der europäischen Polizeibehörde Europol machen 500-Euro-Scheine etwa ein Drittel des Banknotenumlaufs aus, obwohl sie normalerweise kaum für Zahlungen im Alltag verwendet werden. Für Kriminelle sind die Banknoten besonders verlockend. Die Fünfhunderter machen es ihnen leicht, riesige Summen schnell und spurlos verschwinden zu lassen.

Die Bank of England-Koryphäe, Charles Goodhart, bezeichnete die Praktik Krimineller, mit den 500-Euro-Banknoten zu bezahlen als „schamlos”. Großbritannien hat schließlich auch die Konsequenzen gezogen. Seit 2010 dürfen die Banken und Wechselstuben des Vereinten Königreichs die lila Scheine nicht an ihre Kunden bringen.

Das Drängen von Polizei- und Finanzbeamten blieb bei den obersten Entscheidern der Geldpolitik allerdings lange ungehört. Bis jetzt. „Es war immer das Gleiche”, sagt Mersch. „Sie brachten immer wieder Behauptungen vor, die wir allerding gerne mit handfesten Beweisen bestätigt gehabt hätten. Nur so können wir handeln. ”

Draghi ignoriert die Bedenken seiner Kollegen offenbar nicht. „Wir wollen Änderungen vornehmen, aber in geordneter Weise“, sagte er vor dem Europaparlament in Straßburg. Es gehe darum, „wie man eine Entscheidung am besten umsetzen und kommunizieren könne.“ Die Zentralbank habe sich bereits „seit einiger Zeit” mit dem Thema beschäftigt. Die technischen Arbeiten seien vorgenommen, um die Nutzung der 500-Euro-Scheine genauer zu untersuchen, so Draghi. Ganz sicher wolle man aber nicht durch die geltende Geldpolitik Kriminellen in die Karten spielen.

Dabei könnte es durchaus sein, dass die Abschaffung der hoch notierten Banknoten der Zentralbank selbst zugute käme. Denn Draghi trifft seine Aussagen zu einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank ohnehin überlegt, ob sie ihre bereits expansive Geldpolitik weiter lockern sollte. Goodhart hat schon im September angedeutet, dass die Abschaffung der Scheine dazu beitragen könnte, die Zinsen im europäischen Raum minimal zu senken. Der Grund: Wenn die Banken gezwungen sind, kleinere Banknoten zu benutzen, würden die Kosten für deren Lagerung sie schließlich dazu bewegen, ihren Kunden Kreditkonditionen zu niedrigeren Zinsen zu gewähren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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