Bargeld ohne Zukunft?: Nachfrage nach großen Geldscheinen steigt

Bargeld ohne Zukunft?: Nachfrage nach großen Geldscheinen steigt

, aktualisiert 24. Februar 2016, 15:43 Uhr
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Die Nachfrage nach 1000-Franken-Noten hat deutlich zugenommen.

von Julian TrauthigQuelle:Handelsblatt Online

In der Schweiz und Japan ist der Umlauf großer Banknoten deutlich gestiegen. Viele Ökonomen und auch die Schweizer Notenbank sehen Negativzinsen als einen Grund dafür. Was heißt das für den umstrittenen 500-Euro-Schein?

FrankfurtDie Angst vor Negativzinsen auch für den normalen Sparer scheint zu einer deutlich höheren Nachfrage nach großen Geldscheinen zu führen. Sowohl in der Schweiz, die Ende 2014 die Einführung von Minuszinsen verkündete, als auch in Japan, das Anfang des Jahres Negativzinsen einführte, ist im vergangenen Jahr die Nachfrage nach den jeweils größten Banknoten deutlich gestiegen.

In der Schweiz stieg der Umlauf von 1000-Franken-Scheinen, eine der Banknoten der Welt mit dem höchsten Wert, auf 45,2 Milliarden Franken im Dezember 2015 von 40,5 Milliarden im Vorjahresmonats. Seit der Verkündung der Minuszinsen ging der Umlauf um mehr als 17 Prozent nach oben, wie Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von Montag zeigen. Eine Sprecherin der SNB sagte dem „Wall Street Journal“, dass der Anstieg der Nachfrage „zu einem gewissen Grad wegen der Negativzinsen“ gestiegen sei.

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In Japan stieg die Nachfrage sogar schon vor der Verkündung der Negativzinsen. Im vergangenen Jahr ging die Anzahl an 10.000-Yen-Noten um 6,2 Prozent nach oben, der größte Sprung innerhalb eines Jahres seit 2002.

„Die Negativzins-Politik wird wahrscheinlich die Präferenz der japanischen Haushalte nach mehr Cash noch intensivieren“, sagte Hideo Kumano, Volkswirt am Dai-ichi Life Research Institute der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Trend zu mehr Bargeld spiegele die Sorge um die Verfassung der Wirtschaft wider. „Das ist keine gute Entwicklung.“

Der Bargeldumlauf in der Euro-Zone steigt ebenfalls seit Jahren. So deutliche Sprünge wie in der Schweiz oder Japan sind beim 500-Euro-Schein jedoch bislang nicht aus den Daten der Europäischen Zentralbank abzulesen. Die Nachfrage nach 50-Euro-Scheinen oder 100ern zog beispielsweise deutlich stärker an.


Auch die Deutschen sorgen sich vor Minuszinsen

Die Entwicklung in der Schweiz und Japan sehen Ökonomen als schlechtes Zeichen für die Geldpolitik der jeweiligen Länder. Das eigentliche Ziel der Negativzinsen, den Konsum anzukurbeln, könnte dadurch verfehlt werden und die wirtschaftliche Erholung ausbleiben.

Wie groß die Sorge in der Bevölkerung zu sein scheint, verdeutlicht auch die Tatsache, dass beispielsweise in der Schweiz kaum mit 1000-Franken-Scheinen gezahlt werden kann, die Menschen aber trotzdem darin ihr Geld halten. „Viele Geschäfte nehmen das Geld nicht an, weil sie Angst davor haben, dass es sich um Falschgeld handelt“, sagte Arnaud Masset, Marktanalyst bei der Swissquote Bank, dem „Wall Street Journal“.

Auch die Deutschen sorgen sich vor Negativzinsen. Eine Umfrage der ING-Bank hatte zuletzt ergeben, dass 80 Prozent der Deutschen ihr Geld bei Negativzinsen vom Konto nehmen würden. Wie auch in der Schweiz und in Japan würden sie es der Umfrage zufolge vor allem zu Hause oder in anderen Anlageformen sparen und es nicht für mehr Konsum ausgeben. Immer mehr Banken in Deutschland schließen es mittlerweile nicht mehr aus, auch Negativzinsen einzuführen, manche haben es bereits getan, wenn auch noch nicht für Privatanleger.

Zahlreiche Zentralbanken haben bereits Negativzinsen eingeführt oder denken darüber nach. Neben der SNB, der EZB und der Bank of Japan haben auch Zentralbanken in den skandinavischen Ländern Schweden und Dänemark zu solchen geldpolitischen Maßnahmen gegriffen. Auch die Chefin der der amerikanischen Federal Reserve, Janet Yellen, sagte Anfang des Monats, dass sie sich auch in den Vereinigten Staaten Negativzinsen vorstellen könne. Bisher sind noch in keinem der Länder alle Einlagen der Sparer betroffen. Meistens gibt es eine Mindestgrenze an Vermögen, die erreicht werden muss, bevor die Negativzinsen greifen.

Die höhere Nachfrage nach Bargeld kommt parallel zu einer Debatte über dessen Abschaffung, zumindest von Teilen. Die Europäische Zentralbank will den 500-Euro-Schein abschaffen, weil er im Verdacht steht, von Kriminellen genutzt zu werden. Zudem steht eine Obergrenze für Bargeldzahlungen von 5000 Euro zur Diskussion. Bisher ist die EZB trotz großen Widerstands nicht von ihren Plänen zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins abgerückt, im Gegenteil. Die Zentralbank hat das Ende der Banknote bereits offiziell eingeleitet, wie kürzlich bekannt wurde.

Die Schweizerische Nationalbank hingegen sieht keinen Grund für die Abschaffung des 1000-Franken-Scheins, auch wenn er deutlich mehr Wert ist als die 500-Euro-Note. Sie sehe keinen Zusammenhang zwischen einem hohen Wert einer Banknote und den Anstrengungen zur Bekämpfung von Kriminalität, erklärte eine Sprecherin in der vergangenen Woche.

Mit Material von Bloomberg.

Quelle:  Handelsblatt Online
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