BAT-Deutschland-Chef: „So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“

BAT-Deutschland-Chef: „So etwas habe ich in 20 Jahren noch nicht erlebt“

, aktualisiert 20. Mai 2016, 17:26 Uhr
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Ralf Wittenberg: „Wir vermarkten nicht an Nichtraucher und Jugendliche.“

von Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

Ralf Wittenberg hat sich vergeblich gegen Schockbilder auf Zigarettenschachteln gewehrt. Seit heute sind sie Pflicht. Nun wettert der Tabakmanager gegen ein Werbeverbot.

Der Deutschland-Chef des Zigarettenkonzerns British American Tobacco, Ralf Wittenberg, empfängt in seinem Büro mit Blick auf die Hamburger Außenalster zum Interview. Er selbst pafft eine E-Zigarette – ohne Nikotin.

Herr Wittenberg, das Bundeskabinett hat Ende April beschlossen, Werbung für Tabak – bis auf Kinowerbung vor Filmen mit Altersfreigabe ab 18 Jahren – ab dem Jahr 2020 zu verbieten.
Diesen Gesetzesentwurf halten wir für unangemessen, unverhältnismäßig und nicht zielführend. Das Gesetz wird mit dem Jugendschutz begründet. Wir haben aber in Deutschland europaweit die geringste Quote von Raucher unter 18 Jahren: 7,8 Prozent. Das bisschen Werbung, das heute noch erlaubt ist, spricht Jugendliche nicht an.

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Warum sind Sie gegen Werbeverbote, wenn Sie sowieso niemanden zum Rauchen verleiten wollen?
Ich will ja aktive Raucher, die die Risiken kennen, von meinen Marken überzeugen. Wir vermarkten nicht an Nichtraucher und Jugendliche. Mit meiner Zielgruppe muss ich kommunizieren dürfen – wie jedes andere legale Unternehmen auch. Verfassungsmäßige Rechte werden durch Werbeverbote unbillig eingeschränkt.

In allen anderen EU-Ländern gibt es diese Werbeverbote schon. Dort scheint es keine verfassungsrechtlichen Probleme zu geben.
Jedes Land hat seine eigene Verfassung. Das Eigentum und die Berufsfreiheit sind verfassungsrechtlich verbürgte Grundrechte. Die Marke ist geistiges Eigentum und ist von dem Grundrecht auf Eigentum in Art. 14 GG geschützt.

PremiumRauchen Was bringen Schockbilder auf Zigarettenpackungen?

Auch in Deutschland prangen auf Zigarettenschachteln künftig Fotos von Raucherlungen oder faulen Zähnen. Die Bilder wirken – bei Nichtrauchern.

Zigarettenpackung mit Schockbildern - was bringt das? Quelle: dpa

Das klingt, als wollten Sie den Rechtsweg einschlagen.
Der Rechtsweg ist für uns immer nur die ultima Ratio und kein Weg, den wir leichtfertig gehen. Derzeit appellieren wir an den Gesetzgeber, hier Vernunft und Augenmaß walten zu lassen. Bei diesem Gesetzesentwurf handelt sich um keine vernünftige Regulierung. Ein großes Problem ist nämlich auch, dass die Regulierung die tabakfreie eZigarette gleichstellt mit Tabak – auch dann, wenn sie nicht einmal Nikotin enthält. Dabei sagt Public Health England, dass E-Zigaretten etwa 95 Prozent weniger gesundheitsschädlich als Tabak sind. Es findet ja keine Verbrennung statt, bei der typischerweise die gefährlichen Partikel freigesetzt werden würden.

Was unternehmen Sie gegen das Werbeverbot?
Wir bestehen darauf, dass wir im Gesetzgebungsverfahren angehört werden. Wir werden auch dafür kämpfen, dass das so nicht umgesetzt wird. Wir stehen dabei nicht allein, denn ich sage Ihnen: Bei Tabak wird es nicht bleiben. Andere kritisierte Industrien werden die nächsten sein.

Wie kommen Sie darauf?
Vertreter der Politik haben bereits ausgerufen, dass Zucker der neue Tabak sei und in der Bundestagsdebatte Ende Februar über das neue Tabakerzeugnisgesetz wurde offen gefordert, dass man sich mit ähnlichen regulatorischen Schritten nun dem Alkohol zuwenden müsse. Uns überrascht, mit welcher Dringlichkeit das Gesetz durchgesetzt werden soll. Das gleicht einem Taschenspielertrick: Die EU-Richtlinie zu Schockbildern auf den Verpackungen wird, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, weitgehend eins zu eins umgesetzt – und die Verschärfungen kommen nun in einem weiteren Gesetz, während die Tinte des ersten noch nicht trocken ist. Und es soll unbedingt noch vor der Sommerpause in den Gesetzgebungsprozess. Das ist schon interessant.

Weniger Kippen, mehr Steuern: Versteuerte Zigaretten pro Jahr und Tabaksteuer-Einnahmen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Weniger Kippen, mehr Steuern: Versteuerte Zigaretten pro Jahr und Tabaksteuer-Einnahmen. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Haben Sie einen Plan B, falls sie die Werbeverbote nicht verhindern können?
Wir kennen die Situation ja aus den anderen europäischen Ländern. Natürlich gibt es Wege, mit unseren Verbrauchern zu kommunizieren – aber es ist wesentlich aufwendiger. Denn über Außenwerbung kann man recht schnell Markenbekanntheit erzeugen.

Wie erreicht man die Leute ohne Plakatwerbung?
Im Laden direkt. Das geht etwa über Produkterklärungen im Raucher-Shop – auch wenn wir wohl keine Gratisproben mehr ausgeben können, selbst an Raucher, die ein Produkt kaufen. Wir können erwachsene Raucher auch direkt anschreiben, wenn wir sie in einer Datenbank haben. Es wird länger dauern, neue Produkte in den Markt zu bringen – aber es geht.

Facebook können Sie nicht nutzen?
Es ist schwierig, in sozialen Medien festzustellen, wie alt jemand ist. Jugendschutz ist uns wichtig, deshalb kommunizieren wir mit unseren Zigarettenmarken nur mit erwachsenen Rauchern, die eine Altersverifizierung durchlaufen haben.

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