Battleground States: Die umkämpften Staaten von Amerika

Battleground States: Die umkämpften Staaten von Amerika

, aktualisiert 07. November 2016, 19:19 Uhr
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Aktuelle Umfragen sehen Clinton USA-weit in Führung.

Quelle:Handelsblatt Online

Am Tag vor der Wahl eilen Hillary Clinton und Donald Trump von Termin zu Termin. Im Fokus: die Battleground States. Wie ist dort die Lage? Und wie könnte der Weg zum Sieg für beide Kandidaten aussehen? Ein Überblick.

WashingtonNach dem Quasi-Freispruch für Hillary Clinton in der E-Mail-Affäre ist die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten mit neuem Schwung in den Vortag der Wahl gestartet. Am Montag plante Clinton noch einmal vier Wahlkampfauftritte in den Bundesstaaten, in denen sich in den Umfragen noch keine Mehrheit für sie oder ihren republikanischen Herausforderer Donald Trump gezeigt hat. Als Höhepunkt steht am Abend ein Auftritt in Philadelphia, Pennsylvania, an der Seite ihres Mannes Bill Clinton, Präsident Barack Obama, seiner Frau Michelle und Rockstars wie Bruce Springsteen und Jon Bon Jovi an.

Zudem ist Clintons Parteifreund Obama unterwegs, an diesem Montag steht unter anderem Michigan und New Hampshire auf dem Plan. Auch Trump ist in einem letzten Kraftakt unterwegs. Allein ab Sonntagnachmittag hielt der Unternehmer in Michigan, Pennsylvania und Virginia Wahlkampfreden. Darüber hinaus stehen Stopps in Florida und North Carolina an.

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Aktuelle Umfragen sehen Clinton USA-weit in Führung, das Portal Realclearpolitics etwa sieht die Demokratin im Schnitt mit zwei Punkten vorne. Die Wahrscheinlichkeit, dass Clinton gewinnt, schätzt der Statistik-Guru Nate Silver auf 65,5 Prozent ein, einen Trump-Sieg auf 34,5 Prozent.

Letztlich kommt es aber auf die Battleground States an. In einigen wenigen Staaten hatte sich wegen der negativen Schlagzeilen über Clinton das Gewicht zuletzt etwas zugunsten von Trump verschoben, seit dem Wochenende scheint jedoch Clinton wieder Schwung bekommen zu haben.

Die umkämpften Staaten stehen deshalb so im Fokus, weil die Amerikaner ihren Präsidenten nur indirekt wählen. Entscheidend ist am Ende nicht die absolute Stimmenzahl, sondern die Zahl der Wahlmänner, die stellvertretend den Präsidenten wählen. Der Kandidat, der am Wahltag einen Bundesstaat gewinnt, erhält alle Wahlmänner dieses Staates zugesprochen. Die Anzahl richtet sich nach der jeweiligen Bevölkerungszahl. Die meisten Wahlmännerstimmen – 55 – hat Kalifornien zu vergeben, das seit Jahrzehnten eine sichere Bank für die Demokraten ist. Dahinter folgt Texas, das traditionell republikanisch wählt, mit 38 Stimmen.

Die benötigte Mehrheit im Wahlmännergremium liegt bei 270. Clinton hat einen Tag vor der Abstimmung laut Realclearpolitics 203 Wahlmänner sicher, Trump 164. Insgesamt 171 Stimmen aus den Battleground States seien aber noch nicht zuzuordnen.

Somit entscheidet sich die US-Präsidentschaftswahl in wenigen Staaten, die in der Vergangenheit mal für die eine, mal für die andere Partei gestimmt haben. Die „New York Times“ hat insgesamt 1024 Pfade zum Sieg ermittelt: 693 für Hillary Clinton und 315 für Donald Trump. Beim Rest könnte es auf Unentschieden herauslaufen – unwahrscheinlich, aber möglich. In einem solchen Fall müsste der Kongress dann entscheiden.

Besonders wichtig sind dabei am Dienstag fünf Staaten: Florida, Pennsylvania, North Carolina, Colorado und New Hampshire. Wie könnten Clinton und Trump über Siege in diesen Staaten am Dienstag den Gesamtsieg holen? Hier die zwei meist diskutierten Modelle:

Clinton: Zentral für den Wahlausgang ist Florida. Gewinnt Clinton dort, reicht ihr ein Sieg in Pennsylvania PLUS in North Carolina ODER Virginia ODER Wisconsin ODER Colorado. Verliert Clinton in Florida, braucht sie Pennsylvania UND North Carolina UND Virginia UND Wisconsin, hätte aber auch noch andere Möglichkeiten.

Trump: Sein direktester Weg wären Siege in Florida, Pennsylvania, Ohio und North Carolina ODER Virginia. Gelingt das so nicht, wird es kompliziert. Dann kommen auch Wisconsin, Colorado und Iowa ins Spiel.


Florida, Pennsylvania, Colorado – wie sieht es in den Staaten aus?

Es folgt ein Überblick, wie sich die Lage in den Battleground States für die Kandidaten einen Tag vor der Wahl darstellt:

Florida
Der Bundesstaat hat 29 Wahlleute zu vergeben. Laut Umfrageschnitt bei Realclearpolitics liegt Clinton mit 47,4 Prozent knapp vor Trump (46,2 Prozent). In Florida sind die Entscheidungen oft besonders eng. Trump setzt stark auf Florida, ohne die vielen Wahlleute dort wird es für ihn sehr schwer. Wegen des hohen Latino-Anteils müsste er eigentlich im Hintertreffen liegen, denn seit seinen Ausfällen gegen mexikanische Einwanderer ist er bei denen extrem unbeliebt. Trumps Vorteil ist aber, dass in Florida eher konservative Latinos leben, viele davon ursprünglich aus Kuba. Sie scheinen für ihn besser erreichbar.

Pennsylvania

Viele Wahlforscher sagen, wer diesen Staat gewinnt, gewinnt die Wahl. Hier gibt es 20 Wahlmännerstimmen zu vergeben, Clinton liegt im Umfrageschnitt bei 46,3 Prozent, Trump 43,6. Pennsylvania liegt im so genannten Rust Belt, der früher stark von der Industrie geprägt war. Heute leidet der Staat unter dem Wegfall Tausender Jobs. Trump versucht, daraus für seinen Wahlkampf Kapital zu schlagen.

North Carolina

Hier zeigt sich besonders gut, ob die Strategien der beiden Wahlkampfteams aufgehen: Kann Trump die oft eher abstimmungsfaulen weißen Wähler der Arbeiterklasse motivieren? Im Jahr 2012 gewann der Republikaner Mitt Romney hier knapp vor Obama, und Trump hat ohne den Staat kaum eine Chance auf den Sieg. North Carolina hat 15 Wahlmännerstimmen zu vergeben, Clinton liegt hier laut Realclearpolitics mit 45,8 Prozent hinter Trump (47,3).

New Hampshire

Lange sah es so aus, als ob Clinton in New Hampshire (vier Wahlmänner) sicher siegt, doch die Umfragen sind enger geworden. Auch in dem Staat leben besonders viele weiße Wähler ohne College-Abschluss, Trumps stärkste Befürworter. Clinton kann aber laut Daten des TV-Senders CNN vor allem auf die Unterstützung von Frauen, gebildeten Schichten und Minderheiten zählen. Im Umfrage-Schnitt von Realclearpolitics liegt Clinton derzeit mit 41,8 Prozent hinter Trump (43,4). Eine Studie der University of New Hampshire sieht das genau umgekehrt: Demnach hat die Demokratin sogar einen Vorsprung von elf Prozentpunkten vor Trump.

Colorado

Rund um die Hauptstadt Denver hat Colorado in den vergangenen Jahren einen kleinen Boom erlebt. Viele gut gebildete und junge Menschen sind hierher gezogen, weshalb sich Clinton dieses Mal hier mehr Hoffnungen macht. Obama hat in Colorado jeweils knapp gewonnen, jetzt könnte es deutlicher werden. Clinton führt im Schnitt mit 43,3 Prozent vor Trump (40,4), neun Wahlleute sind zu holen.

Mittlerweile haben auch mehr als 41 Millionen Amerikaner frühzeitig abgestimmt. In wichtigen Bundesstaaten deutete sich eine hohe Beteiligung hispanischer Wähler an. Das ist ein Vorteil für Clinton: Diese Gruppe neigt dazu, eher die Demokraten zu wählen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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