Bausparkassen: Der Fluch der Niedrigzinsen

Bausparkassen: Der Fluch der Niedrigzinsen

, aktualisiert 28. April 2017, 18:08 Uhr
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Die gesamte Branche der Bausparkassen ringt mit den Niedrigzinsen. Um gegenzusteuern, sparen sie nun selbst.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Niedrigzinsen lasten auf den Bausparkassen. Die Kunden rufen ihre Darlehen nicht ab, das Neugeschäft lahmt. Die Branche steht auf der Kostenbremse. Die Landesbausparkasse Hessen-Thüringen baut deshalb Stellen ab.

Frankfurt Die gesamte Finanzbranche ringt mit den Minizinsen in der Euro-Zone und den Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Besonders schwer trifft das die Bausparkassen. Ihr Geschäftsmodell ist in Gefahr: Die Kunden sparen bei der Bausparkasse, um in der Zukunft einen günstigen Kredit für den Wohnungskauf oder Hausbau zu bekommen. Doch gegenwärtig sind die Immobilienkredite von Banken noch billiger.

Deshalb sinkt die Zahl der neuen Verträge – und viele Kunden rufen ihre Bauspardarlehen nicht ab und sparen weiter. Das ist auch ein Problem für die Bausparkassen, weil sie Sparern vor einigen Jahren relativ hohe Zinsen zugesagt. Am Kapitalmarkt lassen sich solche Renditen derzeit kaum mehr erwirtschaften. Zugleich schließen die Häuser viel weniger neue Verträge ab als in den Vorjahren.

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Die Folge: Die Gewinne der Branche brechen ein. Die Unternehmen treten selbst auf die Kostenbremse. Das gilt auch für die Landesbausparkasse (LBS) Hessen-Thüringen. Sie verdiente im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Euro und damit gerade noch halb so viel wie 2015, als der Jahresüberschuss 2,7 Millionen Euro betrug.

Der Rückgang war auch deshalb so stark, weil die LBS Reserven für künftig schwierige Zeiten bildete, wie LBS-Chef Marc Stober sagte. Solche Vorsorge können Bausparkassen ähnlich wie Banken aufbauen.

Wie die Geldhäuser wollen auch Bausparkassen ihre Aufwendungen drücken. Die LBS Hessen-Thüringen will bis 2021 ihre Kosten um sieben Millionen Euro jährlich senken. Zuletzt betrug der Verwaltungsaufwand knapp 40 Millionen Euro. Sie kündigte an, bis dahin knapp ein Viertel der Stellen abzubauen. Zurzeit beschäftigt die LBS Hessen-Thüringen, die zur Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) gehört, 235 Mitarbeiter, bis 2021 soll die Zahl auf 180 sinken – über die normale Fluktuation und Vorruhestandsregelungen, so Stober.

Parallel dazu will die LBS den Standort Kassel aufgeben und nur noch in Erfurt und Offenbach präsent sein. Zudem plant sie, Teile der Vertragsverwaltung an die weitaus größere LBS West auszulagern. Dazu würden allerdings noch Gespräche mit dem Personalrat laufen, sagte Stober.

Im vergangenen Jahr war in der Helaba überlegt worden, die LBS aus der Bank herauszulösen, was bei den Sparkassen genau verfolgt wurde, weil der Schritt als möglicher Auftakt für Fusionen unter Landesbausparkassen galt. Bisher gibt es noch acht eigenständige Landesbausparkassen.

Die LBS Hessen-Thüringen sei auch deshalb nicht ausgegliedert worden, weil sie sonst neue Funktionen hätte aufbauen müssen, sagte Klaus-Jörg Mulfinger, im Helaba-Vorstand für die LBS zuständig. „Wenn es doch irgendwann zu Fusionen kommt, müsste man die wieder abbauen.“

Zurzeit gibt es laut Mulfinger aber keine Gespräche über mögliche Zusammenschlüsse. „Jedes Haus muss erst seine Hausaufgaben machen“, sagte er. Die LBS Hessen-Thüringen zählt zu den kleineren Landesbausparkassen, ihre Pendants West, Südwest und Bayern sind weitaus größer.


Kommunen als neue Kunden entdeckt

Nicht nur Landesbausparkassen verzeichnen weniger Neugeschäft. Auch die privaten Bausparkassen schlossen 2016 deutlich weniger Verträge ab. Und im Ergebnis der genossenschaftlichen Schwäbisch Hall, mit einem Anteil von 30 Prozent Marktführer, zeigen sich ebenfalls deutliche Schleifspuren. Ihr Gewinn rutschte 2016 ab: Sie verdiente vor Steuern 158 Millionen Euro, ein Rückgang um mehr als die Hälfte gegenüber dem Vorjahr. Auch Schwäbisch Hall spart: Das Unternehmen senkte die Kosten um 15 Prozent und baute 200 Stellen ab. Es beschäftigt noch 7.000 Mitarbeiter.

Die Bausparkassen versuchen nun, ihre Verträge verstärkt als Sicherheit für künftig günstige Kredite zu verkaufen – wenn womöglich der Marktzins nicht mehr so niedrig ist wie heute. „Finanzierungstarife“ nennt die Branche dieses Modell. Dafür allerdings müssen die Kunden in Kauf nehmen, dass der Sparzins minimal ist, meist 0,1 Prozent.

Die LBS Hessen-Thüringen hat indes eine neue Kundengruppe für sich entdeckt: die Kommunen. Auch Städte und Gemeinden könnten Bausparverträge abschließen und mit den Darlehen beispielsweise Kindergärten oder den kommunalen Wohnungsbau finanzieren.

Mit 15 Kommunen hat die LBS im vergangenen Jahr entsprechende Verträge abgeschlossen, mit etlichen weiteren ist sie im Gespräch. Dabei geht es teils um enorme Bausparsummen von bis zu 50 Millionen Euro. Viele Kämmerer seien überrascht, dass auch sie einen Bausparvertrag abschließen könnten, sagte Stober.

Andere Bausparkassen, etwa Schwäbisch Hall und Wüstenrot, sind seit langem in diesem Geschäft aktiv, allerdings nur in kleinem Stil, und sie haben es auch zuletzt nicht verstärkt. Die LBS Bayern registrierte einen deutlichen Zuwachs solcher Verträge, die 2016 ein Volumen von 117 Millionen Euro erreichten. Gemessen am Gesamtgeschäft sind das aber nicht einmal zwei Prozent.

Für die Kommunen sind Bausparverträge auch deshalb charmant, weil sie ihre Mittel immerhin zu einem Zins von 0,1 Prozent anlegen können. Wenn sie überschüssiges Geld kurzfristig auf Konten bei Banken und Sparkassen überweisen, müssen sie inzwischen sehr häufig einen Minuszins von 0,4 Prozent darauf zahlen. Die Europäische Zentralbank berechnet Geschäftsbanken ihrerseits einen Strafzins in dieser Höhe, wenn diese kurzfristig Liquidität bei ihr parken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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