Bawag: Österreicher kaufen Stuttgarter Privatbank

Bawag: Österreicher kaufen Stuttgarter Privatbank

, aktualisiert 24. Mai 2017, 17:54 Uhr
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Die österreichische Bank steigt in den deutschen Markt ein.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Stuttgarter Südwestbank wird von der Bawag übernommen. Österreichs viertgrößte Bank steht damit vor dem Einstieg auf dem deutschen Markt. Das kleine Geldinstitut soll jedoch nicht die letzte Übernahme bleiben.

Zürich/FrankfurtDie österreichische Bank Bawag P.S.K. steht mit der Übernahme der Stuttgarter Südwestbank vor dem Sprung auf den deutschen Markt. Bawag-Vorstandschef Anas Abuzaakouk bestätigte am Mittwoch Gespräche mit den Eigentümern der Südwestbank, den Unternehmer-Zwillingen Andreas und Thomas Strüngmann, die 2004 bei der Regionalbank eingestiegen waren. Die Bawag PSK ist seit Jahren auf der Suche nach Zukäufen im deutschsprachigen Raum. Sie gehört dem US-Finanzinvestor Cerberus. „Deutschland ist ein sehr, sehr attraktiver Markt für uns“, sagte Abuzaakouk der Nachrichtenagentur Reuters. Die Südwestbank soll nicht die letzte Übernahme in Deutschland bleiben. „Wir sehen uns einige Möglichkeiten an, die die Südwestbank ergänzen würden.“

Die Südwestbank gehört mit 28 Filialen, 100.000 Kunden, 650 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 7,4 Milliarden Euro zu den kleineren deutschen Banken. Im vergangenen Jahr kam sie auf ein Betriebsergebnis von 79 Millionen Euro vor Steuern. Die Strüngmanns, die Gründer des Pharmaherstellers Hexal und seit dessen Verkauf an Sandoz Milliardäre, hatten die ehemalige Genossenschaftsbank für rund 100 Millionen Euro von der DZ Bank gekauft. Für sie war es der erste Ausflug in die Finanzbranche. Vor drei Jahren hatten sie der Südwestbank eine 400 Millionen Euro schwere Kapitalspritze verpasst. Der Weiterverkauf an die Bawag soll bis Ende des Jahres unter Dach und Fach sein. Zum Kaufpreis wurde zunächst Stillschweigen vereinbart.

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Die Bawag ist mit mehr als 2,2 Millionen Kunden und einer Bilanzsumme von 40 Milliarden Euro Österreichs viertgrößte Bank. Cerberus hat sie auf Rendite getrimmt und in den vergangenen 18 Monaten bereits fünf Zukäufe getätigt. Auch in Deutschland hatte die Bawag Ausschau gehalten. Sogar eine Übernahme der Postbank hatte sie ins Auge gefasst, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Finanzkreise. Zuletzt hatte sie Interesse an der Oldenburgischen Landesbank angemeldet, hat dort aber offenbar gegen den US-Finanzinvestor Apollo den Kürzeren gezogen.

Zudem bereitet sich die Bank offenbar auf einen Börsengang vor: Bei der Erstnotiz könnten die Österreicher mit bis zu fünf Milliarden Euro bewertet werden, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen am Mittwoch zu Reuters. Mehrheitseigentümer Cerberus plane, möglicherweise schon im Juni Banken mit den Vorbereitungen für einen potenziellen Börsengang nach der Sommerpause zu beauftragen. Eine schnelle Emission sei aber nicht die einzige Option. Die Bawag wollte sich nicht dazu äußern. Bei Cerberus war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Cerberus hält 52 Prozent an der Bawag, ihr Co-Investor GoldenTree Asset Management 40 Prozent. Die Beteiligungsfirma hat laut Insidern in den vergangenen Wochen mit Investmentbanken Pläne für einen Ausstieg bei der österreichischen Bank durchgespielt. Eine Möglichkeit wäre, dass Cerberus sich im Rahmen des Börsengangs von Bawag-Aktien für 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro trenne. Damit würde das Institut mit vier bis fünf Milliarden Euro bewertet. In der Mitte dieser Spanne entspräche das dem Eineinhalbfachen des Buchwerts. Abuzaakouk sagte dazu nur, Finanzinvestoren versuchten ihre Beteiligungen irgendwann immer zu Geld zu machen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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