Berenberg Bank und Panama Papers: Eine Frage der Glaubwürdigkeit

Berenberg Bank und Panama Papers: Eine Frage der Glaubwürdigkeit

, aktualisiert 05. April 2016, 14:44 Uhr
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Der Chef der Berenberg Bank steht kurz vor der Ernennung zum Präsidenten des Bundesverbands deutscher Banken (BdB).

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Die Hamburger Berenberg Bank ist in den Sog der Panama-Affäre geraten. Am Montag soll der Chef des Traditionshauses Präsident des privaten Bankenverbandes werden. Das sorgt bei einigen Kollegen für „Zähneknirschen“.

FrankfurtSehr viel edler geht es nicht in der deutschen Bankenlandschaft und sehr viel erfolgreicher auch nicht. Mit dem Gründungsjahr 1590 gehört die Hamburger Berenberg Bank zu den ältesten Geldhäusern der Welt. Aber die Bank mit Hauptsitz an der Binnenalster lebt nicht nur von ihrer Tradition. 

Im vergangenen Jahr konnte  der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter Hans-Walter Peters eine Verdreifachung des Gewinns und eine Eigenkapitalrendite von sage und schreibe 67 Prozent melden. Da bleibt auch Raum für etwas extravagantere Gesten: Zu ihrem 425. Geburtstag ließ die Bank den britischen Superstar Robbie Williams aufspielen.

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Doch jetzt hat Berenberg ein Problem. Denn der Name des Traditionshauses taucht an prominenter Stelle in den sogenannten Panama Papers auf, die seit Tagen die Medien beherrschen. Auch das Hamburger Geldhaus hat über eine schweizerische Tochter Konten für Offshore-Gesellschaften geführt. Das ist aber nicht nur für Berenberg peinlich sondern für die gesamte Branche, denn am kommenden Montag soll Peters das Amt des Präsidenten des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) übernehmen.

Die Folgen der Panama-Affäre für Berenberg seien „überhaupt kein Thema“ im Verband, betont BDB-Kommunikationschefin Iris Bethge. Einigen einflussreichen Mitgliedern der privaten Bankenlobby treiben die jüngsten Schlagzeilen dennoch die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn bereits der scheidende Präsident, Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, konnte sein Amt nicht unbelastet ausfüllen, weil er sich vor einem Münchner Gericht in der Kirchaffäre wegen Prozessbetrug verantworten muss. „Jetzt tritt auch der neue Verbandschef mit einer Hypothek an, das ist alles andere als ideal“, heißt es aus einem Geldhaus. Und das ist in einer Zeit, in der die Banken wegen der immer härteren Anforderungen der Regulierer besonders auf einen guten Draht zur Politik angewiesen sind.

Nach Informationen des internationalen Recherchekollektivs, das die Panama-Papiere ausgewertet hat, soll eine Schweizer Tochter der Berenberg Bank mindestens 76 Konten für Offshore-Firmen bereitgestellt haben. Zu den Klienten zählten demnach US-Millionäre, ein ehemaliger kanadischer Profiboxer, russische Geschäftsleute, aber auch mehrere Deutsche. Töchter der Berenberg Bank sollen zudem mindestens 13 Briefkastenfirmen an Kunden weitervermittelt haben.

Die Bank hält ihr Engagement für legal. Der hinter einem Konto stehende wirtschaftlich Berechtigte sei „immer bekannt, wirtschaftlich Berechtigte und Bevollmächtigte werden täglich in speziellen Compliance-Datenbanken auf negative Einträge hin überprüft, und Zahlungen unterliegen einem permanenten Monitoring“, rechtfertigt sich das Institut.


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„Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, sondern muss geahndet werden“, so kommentiert Michael Kemmer, Geschäftsführer des Bankenverbands, die Panama-Affäre. Kemmer sagt aber auch, dass Offshore-Konten nicht in jedem Fall illegal sein müssen (Hier lesen Sie mehr zu den guten Gründen für Offshore-Firmen). „Briefkastenfirmen mögen anrüchig sein, doch sie sind weder verboten noch prinzipiell illegitim.“

Das sehen zwar auch andere deutsche Banker so, dennoch sorgt die Amtseinführung des Berenberg-Chefs bei einigen Instituten für Bedenken. „Natürlich wird sich nichts daran ändern, dass Herr Peters am Montag das Amt des Präsidenten übernimmt, aber wir sehen das doch mit einem gewissen Zähneknirschen“, sagt ein Banker. Die Probleme rund um die Panama-Papiere würden wieder einmal zeigen, dass der BdB eigentlich einen hauptamtlichen Präsidenten brauche. Denn der könne unbelastet von den Problemen einzelner Institute agieren. „Ansonsten drohen wir immer wieder in die Glaubwürdigkeitsfalle zu laufen“, meint der Banker.

Die Recherchen zu den Briefkasten-Gesellschaften basieren auf einem Datenleck bei der panamaischen Wirtschaftskanzlei Mossack Fonseca. Ob die damit bekanntgewordenen Geschäftstätigkeiten unrechtmäßig sind, ist bislang unklar. Laut „Süddeutscher Zeitung“ haben mindestens 28 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei genutzt. Insgesamt hätten allein die deutschen Banken bei dem Offshore-Dienstleister mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder diese für ihre Kunden verwaltet.

Den heimischen Banken drohen wegen ihrer Geschäfte mit Briefkastenfirmen in Steueroasen im schlimmsten Fall auch rechtliche Konsequenzen: „Niemand wird sich dem nationalen Recht und auch den deutschen Fahndungsbehörden dauerhaft entziehen können“, sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Dienstag in Berlin. „Wer sich da etwas zuschulden hat kommen lassen, der wird sich vor einem deutschen Gericht verantworten müssen.“

Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin soll nach Informationen aus Finanzkreisen einzelnen Banken bereits Fragen zu ihren Offshore-Geschäften gestellt haben. Weitere Untersuchungen seien möglich. Eine Behördensprecherin hielt sich zu dem Thema aber bedeckt.

Die Staatsanwaltschaft München I kündigte an, die Verwicklungen der Bayerischen Landesbank (BayernLB) in die Geschäfte zu prüfen. Es gehe darum herauszufinden, ob verfolgbare Straftaten vorliegen, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Erst wenn dem so sein sollte, würden Ermittlungen eingeleitet. Anzeigen seien nach den Berichten über die „Panama Papers“ bislang keine eingegangen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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