Berentzen: Orangensaft statt Apfelkorn

Berentzen: Orangensaft statt Apfelkorn

, aktualisiert 24. März 2016, 13:44 Uhr
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Der Spirituosenhersteller hat einen Anbieter von Orangensaft-Pressen für Supermärkte und Gastronomen gekauft.

von Christoph KapalschinskiQuelle:Handelsblatt Online

Der Spirituosenhersteller Berentzen ist bekannt für seinen Apfelkorn. Doch der Konzern schwört dem Alkohol zunehmend ab und verordnet sich stattdessen eine Saftkur. Was hinter dem Geschäft mit Orangen steckt.

HamburgDas Wort „Apfelkorn-Firma“ hört Frank Schübel nicht gern. Für den Vorstandschef ist Berentzen längst nicht mehr nur ein Hersteller von Traditionsspirituosen mit zweifelhaftem Ruf, „sondern ein breit aufgestellter Getränkekonzern, der alle wichtigen Aspekte eines modernen Lebensstils abdeckt: von Spaß, über Genuss, bis hin zu einem Beitrag für eine gesunde und ausgewogene Ernährung“. So hat er es in den am Mittwoch veröffentlichen Geschäftsbericht geschrieben.

Die moderne Botschaft ist wichtig: Der Finanzinvestor Aurelius, 2008 bei Berentzen eingestiegen, will seine Anteile endlich loswerden. Dabei war die Sanierung nach dem damaligen Abschied der Gründerfamilie eine Geschichte mit einigen Wirrungen.

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Doch nun steigen Umsatz und Gewinn – wegen eines Zukaufs Ende 2014. Damals kaufte Schübel einen Anbieter von Orangensaft-Pressen für Supermärkte und Gastronomen. Mit Erfolg: Die guten Zuwachszahlen des Start-ups verwischen im Zahlenwerk, dass das Kerngeschäft noch immer nicht stabil läuft.

An der Oberfläche sieht es gut aus: Der Umsatz legte um 3,3 Prozent auf gut 158 Millionen Euro zu, der operative Gewinn (Ebit) um 47 Prozent auf 7,6 Millionen Euro. Doch der Blick in die Sparten zeigt: Die Gruppe besteht aus einem schwierigen Altgeschäft und einer dynamischen, viel kleineren zugekauften Tochter, die im Alleingang Umsatzplus und wohl auch den Gewinn sichert.

Der Alt-Konzern teilt sich in die Bereiche „Alkoholfreie Getränke“ – Mineralwasser, Lohnabfüllung und eigene Marken wie MioMio Mate – und Spirituosen. Bei den alkoholfreien Getränken litt Berentzen 2015 darunter, dass PepsiCo seinen Abfüllvertrag gekündigt hat und in Deutschland künftig exklusiv mit Radeberger zusammenarbeitet.

Zwar hat Berentzen mit Sinalco einen alternativen Partner gefunden, doch die technische Umstellung der Gastronomen auf die neue Marke dauerte länger als erwartet. Deshalb sank der Umsatz in dem Feld um mehr als 14 Prozent auf knapp 43 Millionen Euro.

Besser steht es um die Spirituosen, bei denen Schübel nach Amtsübernahme 2013 eine Strategiewende eingeleitet hat: Anders als sein Vorgänger setzt er nicht länger auf Premium-Spirituosen, sondern will die klassischen Apfelkorn-Konsumenten im mittleren Preisbereich erreichen.

Die einst großen Auslandspläne sind zurückgestellt – zumal das Geschäft mit Hotels in der Türkei gerade eingebrochen ist.

Statt teurer TV-Kampagnen setzt Berentzen mehr auf das Internet. Seitdem wachsen die eigenen Marken Berentzen und Puschkin-Wodka wieder, und zumindest im Inland arbeiten mehr Händler mit dem norddeutschen Konzern zusammen. Dennoch sank der Umsatz 2015 bei Spirituosen leicht.

Retter der Zahlen ist das zugekaufte Geschäft mit den Orangenpressen. Die im Herbst 2014 für 17,5 Millionen Euro zugekaufte Berentzen-Tochter Citrocasa liefert sowohl die Pressen als auch Orangen und Flaschen an Supermärkte und Gastronomen. „Citrocasa ist das Flaggschiff der Neuorientierung unseres Unternehmens“, sagte Schübel dem Handelsblatt. Fast 14 Millionen Umsatzplus bringt der Zukauf – und sorgt damit im Alleingang dafür, dass Schübel ein Umsatzwachstum ausweisen kann. Zudem dürfte allein das Orangen-Geschäft die Gruppe in der Gewinnzone gehalten haben. Berentzen weist den Gewinn nicht nach Sparten aus, aber die Ergebnisbeiträge.


Berentzen hübscht sich auf

Die Übersicht zeigt, dass ohne den Zukauf diese wichtige Kennzahl gefallen wäre. Zwar verdient der Spirituosen-Bereich besser, doch der Einbruch bei alkoholfreien Getränken frisst diesen Effekt wieder auf. Schon im Vorjahr hätte Berentzen bei leicht besserem Ergebnisbeitrag unter dem Strich einen Verlust ausweisen müssen, wenn nicht PepsiCo für die Vertragskündigung 5,5 Millionen Euro überwiesen hätte. Ohne Citrocasa wäre also wohl 2015 ein Verlust zu verzeichnen gewesen.

Schübel dagegen bestreitet, dass Citrocasa dem Aufhübschen von Berentzen zu einem Zeitpunkt dient, an dem sich Großaktionär Aurelius verabschiedet: „Wir tunen das Unternehmen nicht für eine Kapitalmarkt-Story.“ Das Kerngeschäft sei inzwischen wieder in Ordnung – trotz der Umsatzverluste. „Es würde nichts helfen, mit elf Prozent Umsatzanteil von Citrocasa 89 Prozent Probleme zu kaschieren.“ Dennoch gestand er ein: „Citrocasa hat eine stärkere Wachstumsdynamik als unser traditionelles Spirituosengeschäft. Zugleich geraten alkohol- und zuckerhaltige Getränke zunehmend unter gesellschaftlichen Druck.“

Die Aktionäre kann das kaum zufrieden stellen – auch wenn Analysten überwiegend den Kauf der günstigen Aktie empfehlen. Seitdem Aurelius im März 21,9 Prozent seiner Anteile verkauft hat und nun nur noch 29,2 Prozent an Berentzen hält, ist die Aktie im Keller.

Da hilft auch diese Auskunft von Aurelius wenig: „Mit dem Verkauf eines Anteils an der Berentzen-Gruppe AG wollen wir die Aktie des Unternehmens durch eine deutliche Erhöhung des Streubesitzes noch attraktiver für institutionelle Investoren machen“, sagte eine Sprecherin. Der Verkauf des jeweiligen Unternehmens nach erfolgreicher Neuausrichtung sei „der nächste logische Schritt“ gewesen.

Immerhin wecken etwa die Berenberg-Analysten Hoffnung: Die Probleme mit der Sinalco-Umstellung dürften gelöst sein, und auch der türkische Markt könne wohl nicht noch weiter einbrechen, schrieben sie im Februar.

Und: Das Geschäft mit Orangensaft wachse gut.

Quelle:  Handelsblatt Online
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