Berkshire Hathaway: Buffett, der Zauber-Held der Aktionäre

Berkshire Hathaway: Buffett, der Zauber-Held der Aktionäre

, aktualisiert 01. Mai 2016, 17:30 Uhr
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Warren Buffett beteiligt sich am Rande der Hauptversammlung gerne an einem Wettbewerb, in dem Zeitungen auf ein Ziel geworfen werden.

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Es ist die 51. Hauptversammlung, zu der der legendäre Investor nach Omaha geladen hat. Das einstige Textilunternehmen Berkshire Hathaway ist unter Warren Buffett zum Woodstock für Kapitalisten aufgestiegen.

OmahaEs war eine ungewöhnliche Art der Anerkennung: „Das hier ist unser Hogwards und Warren, Sie sind unser Dumbledore“, schwärmt der Aktionär in einer Anspielung auf die Zauberschule aus dem Bestseller „Harry Potter“ und deren mächtigen Schulleiter.

Doch die Botschaft kommt nur halb an. „Ich habe Harry Potter nicht gelesen, aber ich nehme das mal als Kompliment“, grinst Warren Buffett. Der Saal tobt. Der Berkshire-Chef ist so gut gelaunt wie eh und je.

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Es ist die 51. Hauptversammlung, zu der der legendäre Investor an den Konzernsitz nach Omaha geladen hat. Das einstige Textilunternehmen Berkshire Hathaway ist unter Warren Buffett zum fünftgrößten börsennotierten Konzern der USA aufgestiegen.

Buffett und sein Geschäftspartner und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender Charlie Munger beantworten stundenlang die Fragen der Aktionäre, spielen sich die Bälle zu, teilen Seitenhiebe aus, nehmen sich selbst auf den Arm.

Es ist keine gewöhnliche Hauptversammlung. Das jährliche Berkshire-Treffen gleicht eher einem Festival, deshalb trägt es auch den Spitznamen „Woodstock für Kapitalisten.“ Gut 35.000 Anteilseigner aus der ganzen Welt sind an den Konzernsitz nach Omaha gereist – etwas weniger als im vergangenen Jahr, denn zum ersten Mal wird die Hauptversammlung via Live-Stream in die ganze Welt übertragen und wird sogar simultan ins Chinesische übersetzt.

Buffett (85) und Munger (92) werden wie Rockstars gefeiert. Kein Wunder. Viele Aktionäre sind mit Berkshire reich geworden und kommen jedes Jahr nach Omaha, um ihr Idol zu sehen. Wer vor 51 Jahren 1000 Dollar bei Berkshire angelegt hätte, rechnet die Lokalzeitung Omaha World Herald vor, der hätte heute daraus satte 15,3 Millionen Dollar gemacht. Die Zeitung gehört ebenfalls zu Buffetts Imperium, denn der Milliardär ist bekennender Print-Fan.

Buffett ist nicht nur Vorstandschef. Er ist vor allem moralische Instanz. Von Hedgefonds hält er nicht viel. Vermögensverwalter seien generell überbezahlt. Um seinem Argument noch mehr Nachdruck zu verleihen, ist er bereits vor Jahren eine Wette mit dem New Yorker Hedgefonds Protégé Partners eingegangen.

Über zehn Jahre vergleichen beide Parteien, ob eine Gruppe aus fünf Fonds besser abschneidet als ein Investment in den breit gefassten Aktienindex S&P 500. In der 2008 gestarteten Wette liegt Buffett bislang klar vorn, wie er am Samstag seinen Aktionären erklärte. Seit 2008 liegt Buffetts hypothetisches Investment in den S&P 65,7 Prozent im Plus. Die Hedgefonds konnten nur 21,9 Prozent zulegen.


Clinton oder Trump? Buffett ist es egal

Das Bonussystem der Wall Street, das sich zu oft an kurzfristigen Gewinnen orientiere, lehnen Buffett und Munger ebenfalls ab. „Das ist so, als wenn Sie ihre Kinder ständig belohnen würden, wenn sie sich schlecht benehmen“, sagt Munger. „Dann käme das Haus nicht mehr zur Ruhe.“

Auch den krisengeschüttelten Pharmakonzern Valeant watschen Buffett und Munger ab. „In meinen Augen war das Geschäftsmodel von Valeant extrem fehlerhaft“, sagt Buffett. Der Pharmakonzern hat in der Vergangenheit Pharmafirmen aufgekauft, um dann die Preise der Medikamente zu erhöhen, und war dafür unter erheblichen politischen Druck geraten. Hinzu kam ein Skandal um Fehler in der Bilanz.

Munger, der sich bereits in den vergangenen Wochen kritisch zu Valeant geäußert und einen Streit mit Valeant-Investor Bill Ackman angezettelt hatte, legte noch einen drauf. „Valeant war ein Abwasserrohr und die, die es geschaffen haben, verdienen die Schmach, die sie bekommen haben.“

Was Berkshires Geschäft angeht, gibt sich Buffett gewohnt optimistisch. „Egal ob Hillary Clinton oder Donald Trump Präsident werden, ich denke, Berkshire wird es weiter gut gehen“, stellte er klar. Dabei ist er bekennender Clinton-Unterstützer.

Doch nicht überall bei Berkshire läuft es rund. Das Rückversicherungsgeschäft schwächelt, ebenso wie das Eisenbahngeschäft. Der operative Gewinn, Buffetts bevorzugte Kennzahl, ist im ersten Quartal um zwölf Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar zurückgegangen, wie aus den vorläufigen Quartalszahlen hervorgeht, die Berkshire am Samstag ebenfalls vorgelegt hat.

Die Einnahmen stiegen dagegen um acht Prozent auf 5,6 Milliarden Dollar. Berkshire hält neben großen Aktieninvestments in Firmen wie Coca-Cola, Wells Fargo und American Express auch rund 80 mittelständische Unternehmen sowie große Energie- und Chemiesparten.

Von Amtsmüdigkeit ist bei Buffett, der im Sommer 86 wird, noch keine Spur. „Ich sitze hier, esse, was mir schmeckt, ich tue das, was ich von Herzen gern tue und ich arbeite mit Leuten zusammen, die ich sehr schätze“, sagt Buffett. „Besser kann es gar nicht werden.“ An Rente, das hat er längst klargestellt, ist noch lange nicht zu denen. Er sucht lieber weiter nach großen Deals.

Quelle:  Handelsblatt Online
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