Berlin wirbt in London: „Vielleicht prüfen Sie schon einen Umzug ins Herz Europas“

Berlin wirbt in London: „Vielleicht prüfen Sie schon einen Umzug ins Herz Europas“

, aktualisiert 05. August 2016, 17:16 Uhr
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Viele Londoner Firmen fragen sich, ob sich nach dem Brexit-Votum umziehen. Auch Berlin und Frankfurt buhlen um die Unternehmen.

von Elisabeth Atzler und Silke KerstingQuelle:Handelsblatt Online

Die deutsche Hauptstadt möchte britische Start-ups locken. Die Wirtschaftssenatorin verschickt dazu hunderte Briefe – einige Firmen haben schon reagiert. Auch Frankfurt trommelt für sich und hofft auf Brexit-Abwanderer.

Frankfurt, BerlinEnde Juni haben Briten Ende Juni für einen Austritt aus der EU gestimmt. Seitdem wird immer wieder die Frage gestellt: Welche Unternehmen verlassen Großbritannien nach dem Brexit-Votum? Das Buhlen besonders um Banken, aber auch Start-ups hat längst begonnen. Auch Berlin hofft darauf, dass sich junge Firmen in der deutschen Hauptstadt ansiedeln – und schickt Briefe an hunderte Unternehmen.

So hat Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) in den vergangenen Wochen Briefe an die Start-up-Szene, an Wagniskapitalgeber und an internationale Unternehmen geschrieben, die ihren Hauptsitz in London haben. Sie will auf das „wirtschaftlich dynamische“, offene und internationale Berlin aufmerksam machen.

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„Vermutlich prüfen Sie bereits die Möglichkeit für Ihr Unternehmen, an einen Standort mitten im Herzen Europas umzuziehen“, heißt es in dem Brief, den ein Empfänger auf dem Kurznachrichtendienst Twitter zeigt. Yzer wirbt darin auch mit den Wissenschaftsinstituten und den Universitäten Berlins sowie den kurzen Wegen zu staatlichen Institutionen in der Hauptstadt. In Berlin tummeln sich bereits viele Start-ups, darunter auch etliche junge Finanztechnologiefirmen, kurz Fintechs. Da London die europäische Finanzmetropole ist, sitzen auch dort viele Fintechs.

In Yzers Büro heißt es, nach und nach komme Feedback auf den Brief, die Resonanz sei überwiegend positiv. Es würden erste Gespräche geführt, in denen man beispielsweise über Förderbedingungen oder mögliche Standorte rede. Zudem will die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung am 14. September ein Auslandsbüro in London eröffnen – das zweite Büro im Ausland nach Istanbul. Damit will man noch besser in der Lage sein, den Standort Berlin präsentieren zu können.


Frankfurt hofft auf 10.000 neue Jobs und mehr

Genau darauf ist auch Frankfurt aus. Auch die Marketinggesellschaft Frankfurt Rhein Main will bald einen Mitarbeiter nach London schicken. Und sie plant für den Herbst eine Tour nach London, um dort direkt mit Unternehmen zu sprechen. Kommende Woche bereits reist der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir in die britische Hauptstadt, auch um dort Fintechs zu treffen.

Frankfurt könnte der große Profiteur werden, wenn der Brexit vollzogen wird. Mehr als 10.000 neue Jobs - manche Schätzungen reichen sogar bis zu 20.000 - könnten in der deutschen Finanzmetropole entstehen. Denn viele Londoner Finanzhäuser dürften Arbeitsplätze in andere Städte verlagern, weil ein Sitz außerhalb eines EU-Staats künftig von Nachteil sein kann. Dublin, Luxemburg, Paris und Frankfurt gelten als mögliche Ziele.

Was den Londoner Banken vor allem schaden dürfte, ist der Verlust der sogenannten Passport-Rechte. Bisher gilt: Wenn ein Institut in Großbritannien eine Banklizenz hat, kann es in allen anderen EU-Mitgliedstaaten ohne weitere Prüfungen Firmen an die Börse bringen, bei der Ausgabe von Anleihen beraten oder Zertifikate verkaufen. Das macht London für US-Banken so reizvoll und hat dazu beigetragen, dass die britische Hauptstadt zu einer der führenden Finanzmetropolen aufstieg. Jetzt müssen vor allem die US-Geldhäuser Alternativen suchen und sich in einem anderen EU-Land eine Banklizenz besorgen.

Trommeln müssen Berlin und Frankfurt, weil die Konkurrenz längst auch dabei ist, für sich zu werben. In Frankreich hat das Staatspräsident Francois Holland persönlich schon in die Hände genommen. Er stellte gar Steuererleichterungen in Aussicht.

Dabei gilt es für Frankfurt besonders an seiner Wahrnehmung arbeiten. Die Stadt hat ein Imageproblem. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group unter internationalen Topbankern. Sie zweifeln daran, dass in Frankfurt genug Englisch gesprochen und dass es ausreichend attraktiven Wohnraum gibt. In der Tat ist eine typische Frage für britische Firmen mit Interesse an einem Umzug, ob in Frankfurt denn auch Englisch gesprochen werde, wie eine Sprecherin der Marketinggesellschaft sagt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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