Berufseinsteiger: Die unterforderte Generation Z

Berufseinsteiger: Die unterforderte Generation Z

, aktualisiert 07. Juli 2017, 08:50 Uhr
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Der Großteil der jungen Befragten hat beim ersten Job das Gefühl, dass für seine Aufgaben gar kein Studium nötig gewesen wäre.

von Lisa OenningQuelle:Handelsblatt Online

Jungen Akademikern ist es laut einer Studie bei ihrem ersten Job wichtig, dass der Chef sie entsprechend ihrer Qualifikation einsetzt. Doch dieser Wunsch wird selten erfüllt: Die Mehrheit fühlt sich überqualifiziert.

DüsseldorfErst drücken sie mehr als ein Jahrzehnt die Schulbank. Drei weitere Jahre investieren sie in einen Bachelor-Abschluss. In der Regel vergehen zwei weitere Jahre, bis sie ihren Master in der Tasche haben. Eine Zeit, in der viele junge Menschen sich eine Menge Wissen angeeignet haben – mit dem sie sich in ihrem ersten Job profilieren wollen. Doch die Realität ernüchtert viele: Anstatt dass der Chef sie entsprechend ihrer Fähigkeiten einsetzt, bekommen die Berufsneulinge Aufgaben, die sie unterfordern.

Das ist das Ergebnis der Studie „Gen Z rising“, für die die Unternehmensberatung Accenture mehr als 1.000 deutsche Absolventen der „Generation Z“ befragt und ihre Antworten mit ebenso vielen Vorjahres-Abgängern verglichen hat. Zur „Generation Z“ zählen die Geburtenjahrgänge zwischen 1980 und 1999. Laut Studie behaupteten zwei Drittel der Absolventen, die vor ein oder zwei Jahren ins Berufsleben eingestiegen sind, unterbeschäftigt zu sein. Unter den kürzlich Graduierten sind es fast 60 Prozent.

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Die Folge: Der erste Stelle ist nur eine Zwischenstation. Die Berufseinsteiger suchen sich einen neuen Job, denn die Erwartungen an den ersten Arbeitgeber sind groß: 96 Prozent der Befragten gab an, dass sie von ihrem ersten Chef erwarten, dass er sie entsprechend ihrer Qualifikationen einsetzt, etwas weniger Absolventen (84 Prozent) wünschen sich Trainings und Weiterbildungen.

Doch diese Wünschen bleiben oftmals unerfüllt. „Unternehmen müssen sich fragen, was sie verändern können, um jungen Talenten eine positive erste Erfahrung im Beruf zu bieten“, sagt Rouven Fuchs, Geschäftsführer im Bereich Talent & Organization bei Accenture.

Denn das Umdenken lohnt sich: Werden Absolventen nach ihren Qualifikationen und Fähigkeiten eingesetzt, ist die Wahrscheinlichkeit der Unternehmensberatung zufolge fünfmal größer, dass sie ihrem ersten Arbeitgeber fünf oder mehr Jahre treu bleiben – und Eingeständnisse machen. 77 Prozent der Befragten würden für ein Jobangebot umziehen, fast die Hälfte wäre bereit, am Wochenende oder abends zu arbeiten.


Absolventen bevorzugen Konzerne

Der Wunsch-Arbeitgeber der meisten Absolventen ist ein Großunternehmen: Ein Viertel möchte nach dem Abschluss für einen Konzern arbeiten, etwas weniger (23 Prozent) bevorzugen einen mittelständischen Betrieb, 15 Prozent können sich vorstellen, für ein Start-up zu arbeiten. Jeder Zehnte spielt mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen. Doch mit zunehmender Berufserfahrung ändern sich offenbar die Prioritäten.

Ein Drittel der Befragten früherer Jahrgänge würde gerne für einen Konzern arbeiten, nur sieben Prozent für ein Start-up. Der Grund für den Sinneswandel laut Rouven: Weiterbildungen und Karrierechancen werden wichtiger. „Große Unternehmen sollten in der Lage sein, mehr zu bieten als Mittelständler oder Start-ups, und diese Vorteile im Kampf um die besten Köpfe stärker in der Vordergrund rücken“, meint Fuchs.

Ole Mensching, Chef und Gründer der Headhunting-Agentur Careerteam, warnt allerdings davor, junge Talente mit Benefits wie Zusatzleistungen und Prämien zu überschütten. Unternehmen sollten seiner Meinung nach eine smarte Arbeitgebermarke entwickeln, um Top-Talente zu rekrutieren. Homeoffice komme beispielsweise nicht für jede Berufsgruppe in Frage und Zusatzleistungen sollten individualisiert eingesetzt werden. Denn: „Unternehmenswerte sind der Kern von allem, was ein Unternehmen ausmacht“, sagt er. „Sie beschreiben seine Identität – nach innen und nach außen.“ Diese Werte sollten die Verantwortlichen mit den Mitarbeitern definieren, um den Charakter des Unternehmens zu formen.

Das macht gerade bei der „Generation Z“ Sinn, die – im Gegensatz zu älteren Jahrgängen – mit sozialen Medien und E-Mails groß geworden ist. Nahe liegt da beispielsweise die Schlussfolgerung der Arbeitgeber, dass die Berufseinsteiger diese Kommunikationskanäle auch auf der Arbeit nutzen wollen. Doch das Gegenteil ist offenbar der Fall: Der größte Anteil der Befragten (30 Prozent) wünscht sich den persönlichen Kontakt mit Chef und Kollegen. Soziale Medien und E-Mails wollen nur halb so viele Berufsneulinge nutzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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