Bewerbungen: Vorsicht, Niedlichkeitsfalle!

Bewerbungen: Vorsicht, Niedlichkeitsfalle!

, aktualisiert 13. Oktober 2016, 08:30 Uhr
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Nett und unterwürfig: Mit diesem Eindruck schwächen Kandidatinnen ihre Verhandlungsposition.

von Claudia ObmannQuelle:Handelsblatt Online

Oft sehen Frauen auf Bewerbungsfotos lieber naiv als kompetent aus. Damit untermauern sogar Spitzenmanagerinnen die Ungleichbehandlung im Job, statt sich dagegen zu wehren. So umgehen Sie die Niedlichkeitsfalle.

DüsseldorfBlick von unten nach oben, offene Haare, große Augen und ein breites Lächeln. Mit einem Bewerbungsfoto nach diesem Schema, denkt ein Großteil der Frauen auf Stellensuche, sichern sie sich die Aufmerksamkeit des Personalchefs. Das stimmt, aber von Vorteil ist es dennoch nicht. Denn, Bewerberinnen, die durch unbedarftes Posieren Klischees über das eigene Geschlecht untermauern, sabotieren gleichzeitig ihre persönlichen beruflichen Ziele: Wer sich mit seinem Porträt schon beim Öffnen der Unterlagen unterwürfig und bescheiden gibt, setzt beim Personaler oder Chef diesen Eindruck fest. Beim Vorstellungsgespräch führt das von vornherein zu einer schwächeren Verhandlungsposition im Vergleich zu einer Kandidatin, die sich selbstbewusst präsentiert.

Dass Frauen von klein auf daran gewöhnt sind, sich als „süßes Mädchen“ zu inszenieren, nennt der Fotograf Alexander Vejnovic die „Niedlichkeitsfalle“. In seinem Düsseldorfer Studio bietet er spezielle Shootings für Frauen an, die Kompetenz und Selbstbewusstsein mit ihrem Bewerbungsfoto ausstrahlen wollen.

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Beratung rund um Pose, Styling und Mimik ist das A&O für ein Porträt der starken Art. Denn, so sagt Vejnovic: „Den meisten Frauen ist nicht bewusst, wie sie im Foto das bescheidene, unbeholfene Mädchen mimen. Selbst Frauen in hohen Positionen gehen immer wieder den von Kindesbeinen eingeübten Verhaltensmustern auf den Leim und lächeln für Firmenaufnahmen mit nach unten geneigtem Kopf in die Kamera.“


Kein rosa Lipgloss vor der Kamera

Was sollten Bewerberinnen also beachten, wenn es um ihr Foto geht? Vejnovic misst einem selbstbewussten Blick in die Kamera besondere Bedeutung bei - auf Augenhöhe mit dem Betrachter, aber auf keinen Fall von unten oder mit geneigtem Kopf über einem nach vorne geneigtem Rumpf. Diese Haltung strahle gleichermaßen Unterwürfigkeit und Unsicherheit aus. Selbstsicher wirkt dagegen, wer ganz gerade und aufrecht steht und in die Kamera blickt. So wie man beispielsweise sein Gegenüber ansieht, mit dem man sich gerade geschäftlich unterhält. Das Lächeln sollte nicht breit sein, eine Andeutung reicht für einen gewinnenden Eindruck vollkommen aus.

Und das Styling, wenn nicht Schönheit, sondern Qualifikation vermittelt werden soll? „Dezent“ ist hier die Maßgabe, erklärt Alexander Vejnovic: „Mit Make-up soll die Frau gepflegt aussehen, aber nicht geschminkt. Kräftige Farben auf Augen oder Lippen betonen viel zu sehr die Weiblichkeit, also ist rosa Lipgloss zum Beispiel ein Tabu.“

Auch die Kleidung sollte nicht vom Ausdruck der Bewerberin ablenken, daher lieber ein schlichtes, helles Top unter einem Blazer als die bunte oder gerüschte Bluse. Wie wissenschaftliche Arbeiten gezeigt haben, ist weibliche Attraktivität beim Kampf um den Job sogar eher hinderlich, Männlichkeit hingegen Trumpf. Lange Haare empfiehlt der Profi daher zusammenzubinden oder über den Rücken fallen zu lassen. Schmuck wie Perlenketten oder auffällige Ohrringe weglassen, denn sie lenken ebenfalls wie tiefe oder geknöpfte Blusenausschnitte zu sehr vom Gesicht der Bewerberin ab.

Quelle:  Handelsblatt Online
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