Bewusster Leben und Arbeiten: Tipps gegen den miesen Montags-Blues

Bewusster Leben und Arbeiten: Tipps gegen den miesen Montags-Blues

, aktualisiert 04. September 2017, 14:08 Uhr
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Es ist eine Entscheidung, ein Opfer oder ein Gestalter seines Lebens zu sein.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Montag fällt vielen Mitarbeitern besonders schwer. Dann ist da noch der miese Chef, der nur meckert. Doch es geht auch anders: Wer diese Tipps gegen Montags- und Alltagsblues beherzigt, startet besser in die Woche.

DüsseldorfDiese Sehnsucht nach mehr. Die Sehnsucht, hinter die Oberfläche zu gelangen. Die Sehnsucht, sich von den Fesseln zu befreien. Die Sehnsucht nach Freiheit, Sinn und Glück. Nicholas Pesch kann Ihnen sagen: Das, was Sie suchen, können Sie finden. Wie Ihnen das gelingt, hat er in diesem Gastbeitrag für unser Businessnetzwerk Leader.In aufgeschrieben. Pesch ist studierter Sozialwissenschaftler, Autor, Speaker und Coach und seit vielen Jahren als Berater für Personalentwicklung im deutschen und internationalen Umfeld tätig.

"Servus München!" plärrt es aus dem Radio im Taxi. Ich war nicht schnell genug, dem Fahrer zu sagen, dass er das Ding ausmachen soll. Es ist Montagmorgen. Auf geht’s in die neue Woche! Nur noch fünf Tage durchhalten und dann ist wieder: Wochenende!

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Wochenende und Urlaub sind die Lichtpunkte unserer Zeit. Unter der Woche dagegen ist Alltag. Und der hat für ganz viele Menschen einen schalen, bleiernen Beigeschmack. Für sie ist Alltag oft nur öde. Ihr Alltag ist geprägt von immer gleichen Abläufen, die sie, ohne darüber nachzudenken, automatisch erledigen.

Freude kommt nur auf, wenn sie vom vergangenen Wochenende oder dem nächsten Urlaub erzählen. Die Zeit bis dahin soll doch bitte so schnell wie möglich verstreichen.
Dabei ist Alltag der größte Teil unseres Lebens. Das Hier und Jetzt fällt daher auch meistens in den Alltag. Und wenn jemand von der meisten Zeit in seinem Leben nur hofft, dass sie zügig rumgeht, weil er sie als langweilig empfindet, kann ich nur sagen: Was für eine Verschwendung von Lebenszeit!

Was für ein fürchterliches Dasein ist das, wenn Sie sich von Urlaub zu Urlaub hangeln? Oder fünf Tage in der Woche irgendwie hinter sich bringen, um dann zwei Tage geniessen zu können? Das kann es doch nicht sein. Was machen Sie am Wochenende oder im Urlaub? Suchen Sie Erholung oder Lebensfreude? Körperliche Ertüchtigung? Geistestraining? Tiefgang? Schönheit? Was auch immer es ist: Es ist gut, dass Sie das suchen. Nur: Wieso suchen Sie es nur ausserhalb des Alltags?

Ich wette mit Ihnen, dass Sie das alles auch im Alltag finden: das Spannende, das Unbekannte, das Geheimnis, die Aufregungen – alles, was das Herz begehrt. Das bedeutet nicht einmal, dass Sie unentwegt sensationelle Erlebnisse in Ihr tägliches Leben einbauen sollen. Es geht vielmehr darum, dass Sie Ihren Alltag so bewusst wahrnehmen und gestalten, dass Sie ihn anders erleben.


Die Einstellung macht den Unterschied

Wenn Ihr Leben ein digitales Foto wäre, dann wurden Sie so auf die Funktion mehr "Brightness" = mehr Strahlen klicken. Nicht "Pimp up", sondern "Brighten up your every
day life". Dafür brauchen Sie nicht den Job hin zu schmeissen, die Familie zu verlassen oder Ihr Leben auf den Kopf zu stellen. Sie brauchen nicht nach Indien zu fliegen oder ins Retreat zu gehen. Alles, was für Sie zu tun ist, ist, dass Sie Ihren Alltag als das perfekte Übungsfeld für Ihren Geist nutzen.

Wie Ihnen das gelingt? Indem Sie die Dinge des täglichen Lebens mit der maximalen Bewusstheit machen. Wenn Sie Ihre alltäglichen Beschäftigungen wie E-Mails schreiben oder Wasche aufhängen mit hoher Präsenz erledigen, werden Sie in diesen scheinbar so öden Beschäftigungen etwas entdecken: Ruhe, Entspannung, Erfüllung.

Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie das Routineprogramm wie Pausenbrotschmieren, Steuererklärung machen, Putzen, Bürokram erledigen runterleiern und sich zu Tode langweilen – oder ob Sie genau die gleichen Dinge tun, nur bewusst. Ihre Einstellung dazu macht einen riesengrossen Unterschied!

Und wenn ich Leute sagen höre: "Ich muss mal wieder so einen Sport-Urlaub oder Wellness-Urlaub machen, um meinen Körper zu ertüchtigen oder zur Ruhe zu finden",
dann kann ich nur den Kopf schütteln. Das alles können Sie permanent in Ihrem Alltag machen. Sie können den Alltag so nutzen, dass Sie Inseln der Muse geniessen und
das Training für Ihren Körper unterbringen. Lebensfreude ist nichts, was Sie sich für die zwei Wochen auf Kreta aufsparen sollten. Lebensfreude gehört ins Hier und Jetzt des Alltags.

Das Lächeln wieder in den Alltag bringen? – Ja, das geht. Während eines meiner Seminare ist mir mal eine Teilnehmerin besonders aufgefallen. Astrid war nämlich nur am Meckern: über ihren Chef, über ihre Wohnung, über ihr Gewicht, über ihren öden Alltag. Alles schlecht. Das hat sich auch wahrend des gesamten Seminars nicht geändert.


Wie der Chef nicht mehr stört

Bis ich der Gruppe die "Three Circles of Influence" vorgestellt habe. Die besagen, dass sich das Leben in drei konzentrischen Kreisen abspielt: Im inneren Kreis kann ich entscheiden, im mittleren Kreis kann ich beeinflussen, an den Dingen im äusseren Kreis kann ich nichts andern. Menschen, die sich auf den äusseren Kreis fokussieren und sich ständig darüber beklagen – diese Menschen machen sich zum Opfer der äusseren Umstände. Menschen, die sich auf die zwei inneren Kreise konzentrieren, machen sich zum Gestalter.

Fazit: Es ist eine Entscheidung, ein Opfer oder ein Gestalter seines Lebens zu sein. Ab diesem Moment war Astrid stumm. Vier Monate später, anderer Workshop. Eine Teilnehmerin kommt mir irgendwie bekannt vor und ich frage vorsichtig: "Astrid?" Sie strahlt und nickt. Ich sage: "Du wirkst so verändert, so ausgeglichen. Hast du einen neuen Chef?"

Während sie antwortet, wird ihr Grinsen immer breiter: "No. Gleiche Wohnung. Gleicher Chef. Gleicher Alltag." Mit einem Augenzwinkern fugt sie hinzu: "Alles gleich im äusseren Kreis. Aber im inneren Kreis ist alles anders." "Und was genau ist anders?", frage ich nach. Sie antwortet: "Ich habe beschlossen, dass ich mich bei meiner Arbeit nur noch auf das konzentriere, was ich wirklich gestalten kann. Damit bin ich so beschäftigt, dass ich gar nicht mehr darauf achten kann, was mich an meinem Chef stört. Ich fokussiere mich darauf, eine Routineaufgabe nach der anderen ganz bewusst und mit einem Lächeln anzugehen. Und jeden Mittag gehört mir eine Viertelstunde ganz allein: entweder für einen Spaziergang draussen, für eine Yoga-Einheit oder einfach nur für einen langen Blick aus dem Fenster. Es ist, als erschaffe ich meinen Alltag neu. Jeden Tag. Und das ist wunderbar." She did it: She has brightened up her every day life.

Über den Autor

Pesch, Jahrgang 1966, ist Autor, Speaker und Coach. Seit vielen Jahren ist der studierte Sozialwissenschaftler als Berater für Personalentwicklung im deutschen und internationalen Umfeld tätig. Die Kombination seiner eigenen Erfahrungen als Führungskraft von mehr als 1.000 Mitarbeitern sowie seine langjährige Tätigkeit als Berater und Coach sind die Basis seiner Arbeit als Experte für Veränderungsprozesse und Persönlichkeitsentwicklung. Sein aktuelles Buch „Ich bin alles, nur nicht busy: 49 Impulse für ein bewusstes Leben und Arbeiten“ erschien am14. Juli im Verlag Herder.

Quelle:  Handelsblatt Online
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