Nicolas Berggruen hat gut lachen: Nach monatelangen Gefechten hat er Karstadt endlich kaufen können. Gerettet ist der marode Kaufhaus-Riese damit aber noch nicht. Bis heute hat Berggruen nicht im Detail erklärt, wie er das Unternehmen im Kampf gegen Shoppingcenter, Billiganbieter und den Erzrivalen Kaufhof positionieren will. Allenfalls Umrisse einer Strategie sind erkennbar.
So soll sich die Warenhauskette künftig stärker auf die Segmente Mode, Wohnzubehör und Sport konzentrieren. Zudem sollen alle Filialen modernisiert werden, wenn auch in bescheidenem Stil. Auf kostspielige Leuchtturmprojekte will Berggruen verzichten.
Immerhin hat Berggruen im Verkaufspoker geschickt agiert: Zuerst hat er die Gewerkschaft Verdi auf seine Seite gezogen, dann die Immobilienbesitzer gegeneinander ausgespielt und das Gegenangebot des italienischen Warenhausbetreibers Maurizio Borletti in den Wind geschlagen. Agiert Berggruens Mannschaft im Tagesgeschäft mit ähnlichem Geschick, stehen die Überlebenschancen für Karstadt gar nicht schlecht.
Texte: Henryk Hielscher; Foto: dpa