Bilfinger-Chef Blades: Ein Weltenbummler für Mannheim

Bilfinger-Chef Blades: Ein Weltenbummler für Mannheim

, aktualisiert 03. Mai 2016, 12:47 Uhr
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Der Brite übernimmt das Ruder bei Bilfinger.

von Axel Höpner und Martin TofernQuelle:Handelsblatt Online

Linde-Vorstand Thomas Blades wird neuer Konzernchef beim krisengeschüttelten Bilfinger-Konzern. Der Brite kennt sich gut im Öl- und Gasgeschäft aus. Nun muss er in Mannheim radikale Veränderungen durchsetzen.

München/DüsseldorfAlso doch: Der Mannheimer Dienstleistungskonzern Bilfinger hat rasch einen Nachfolger für den Hals über Kopf ausgeschiedenen Vorstandschef Per Utnegaard gefunden. Der bisherige Linde-Vorstand Thomas Blades wird den Posten übernehmen. Der 59-jährige Brite ist bei Linde seit 2012 für das Amerikageschäft und darüber hinaus für Medizin- und Edelgase (wie Neon oder Xenon) zuständig.

Blades ist Experte für Öl und Erdgas und arbeitete zuvor bei Siemens, Halliburton und Schlumberger. Seine Erfahrungen kann Blades bei Bilfinger gut gebrauchen. Denn die Probleme der Ölkonzerne wegen des niedrigen Ölpreises sowie der Energiekonzerne wegen der Energiewende machen Bilfinger erheblich zu schaffen.

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Zentrales Thema ist für Blades das Risikomanagement. „Risiken einzuschätzen ist immer wichtig im Geschäft“, sagte er dem Handelsblatt. Auch er selbst geht mit dem Wechsel ins Risiko. Schließlich haben sich die Vorgänger bei Bilfinger nicht lange im Amt gehalten. Ob der Job bei Bilfinger die schwierigste Aufgabe in der deutschen Industrie ist? „Es ist wahrscheinlich in den Top Ten“, sagt eine Person aus Blades' Umfeld.

Bei Linde sind manche Vorstandskollegen erstaunt, dass er nun weiter aufsteigt. Der freundliche Brite, der exzellent deutsch spricht, ist nicht nur bei seinen Büronachbarn beliebt. Doch große Spuren hat er in der Konzernzentrale nicht hinterlassen – was vielleicht auch daran liegt, dass er so oft in den USA war.

Linde-Vorstandschef Wolfgang Büchele schätzt seinen scheidenden Kollegen. „Er hat einige Dinge toll gemacht.“ Als jüngstes Beispiel nennt er die Verlängerung des Vertrags für die weltgrößte Gas-Trennanlage in Mexiko Anfang des Jahres.  


Radikale Veränderungen stehen an

Bei Bilfinger geht es seit mindestens zwei Jahren drunter und drüber. Mit herben Verlusten im Kraftwerksgeschäft begann in Mannheim die Krise. Die Wende in der Energiepolitik sowie derbe Managementfehler ließen die Aufträge für Bau und Wartung von Kraftwerken massiv einbrechen. Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch musste nach mehreren Gewinnwarnungen im Sommer 2014 gehen. Erst wurde übergangsweise sein bereits verrenteter Vorgänger Herbert Bodner reaktiviert, dann im Juni 2015 der damalige Swissport-Chef Per Utnegaard installiert.

Der Norweger soll bei Bilfinger laut „Manager Magazin“ vor allem Chaos bewirkt haben. Neben Führungsversagen werden ihm dramatisch hohe Spesenabrechnungen vorgehalten, schreibt das Magazin. Außerdem soll er zu selten in Mannheim gewesen sein. Aufsichtsratschef Eckhard Cordes hatte gegenüber dem Handelsblatt erklärt, Utnegaard gehe aus persönlichen Gründen.

Der leidenschaftliche Hobbysportler Blades hat sich ordentlich etwas aufgeladen: Bilfinger steht möglichweise vor einer radikalen Verkleinerung. Denn inzwischen steht nicht das Kraftwerksgeschäft, sondern auch die Bau- und Immobiliensparte zum Verkauf. Angeblich ist der Konzern in engen Gesprächen mit dem Investor EQT. Ob die Sparte verkauft wird oder nicht, wird wohl schon in der kommenden Woche zur Hauptversammlung verkündet. Vorstandschef Blades muss dann dringend eine neue Strategie für den verbleidenden Rumpfkonzern entwerfen.

Für den Sport wird Blades künftig womöglich weniger Zeit bleiben. Im Urlaub geht er gern zum Kite-Surfen, seine Leidenschaft gilt aber vor allem dem Triathlon. Da Schlaf wegen des Jetlags ohnehin schwierig ist, ging er in den USA oft schon morgens um vier Uhr trainieren. Traditionell nimmt er am Triathlon in Hamburg teil.

Quelle:  Handelsblatt Online
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