Bilfinger-Hauptversammlung: Chaostage in Mannheim

Bilfinger-Hauptversammlung: Chaostage in Mannheim

, aktualisiert 11. Mai 2016, 13:19 Uhr
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Der Aufsichtsratschef von Bilfinger wurde mehrfach durch Zwischenrufe unterbrochen.

Quelle:Handelsblatt Online

Bei einer hitzigen Hauptversammlung mussten sich Vorstand und Aufsichtsrat von Bilfinger heftige Kritik anhören. Die Aktionäre vermissen eine klare Strategie, die das Unternehmen zurück auf Wachstumskurs bringt.

MannheimWie aufgeheizt die Stimmung bei der Hauptversammlung von Bilfinger am Mittwoch war, zeigte sich schon bei der Eröffnung der Veranstaltung von Aufsichtsratschef Eckhard Cordes. Er wurde mehrfach durch Zwischenrufe unterbrochen. Überraschend räumte Cordes ein, dass der vor vier Wochen zurückgetretenen Unternehmenschef Per Utnegaard Reisekosten falsch abgerechnet hat.

Er habe Dinge abgerechnet, die ihm nach den Bilfinger-Richtlinien nicht zustanden. Utnegaard habe jedoch alles zurückgezahlt, dem Unternehmen sei kein Schaden entstanden. Noch vor ein paar Wochen hatte Cordes erklärt, der Ex-Chef sei aus sehr persönlichen Gründen zurückgetreten.

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„Ja hat er denn nun beschissen oder nicht?“, fragte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, stellvertretend für viele Aktionäre. Oder habe Utnegaards Abgang an anderen Dingen gelegen? „Hatte er vielleicht andere Pläne als der Großaktionär?“ Damit spielte Tüngler auf den Investor Cevian an, der knapp 26 Prozent der Anteile hält.

Bisher habe ihn die Arbeit des Vorstandes nicht so richtig überzeugt: „Sechs Gewinnwarnungen, vier CEOs in zwei Jahren und jetzt auch noch zwei Aufsichtsräte, die sagen, das machen wir nicht mehr mit, so etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Tüngler weiter. Die Aktionäre erlebten Chaostage, nein Chaosjahre in Mannheim.

Tüngler bedankte sich bei den Aufsichtsräten Ring und Feldmann, die sich aus dem Aufsichtsrat zurückziehen wollen, weil sie offenbar die Strategie nicht mehr mittragen wollten. „Ich bin ihnen dankbar, weil sie gezeigt haben, dass es überhaupt eine Strategie gibt.“ Im Übrigen forderte Tüngler Aufsichtsratschef Cordes auf, einmal zu erklären, warum der künftige Konzernchef Thomas Blades der richtige Mann sei. Der sei doch fast ausschließlich im Öl- und Gasgeschäft tätig gewesen. Das lasse vielleicht darauf schließen, dass sich das Unternehmen auf das Industriegeschäft konzentrieren wolle. „Wir Aktionäre müssen wissen, wo wir künftig lang marschieren“, sagte Tüngler.

Der Redner Matthias Gäbler präsentierte sich als „frustrierter Kleinaktionär“. Er erklärte Eckhard Cordes für eine Fehlbesetzung, ebenso die neuen Kandidaten für den Aufsichtsrat Marion Helmes, Dorothee Deuring und Ralf Heck. Gäbler, der während seiner Rede immer wieder Lacher erzielte, schlug stattdessen vor, Marc Tüngler und ihn selbst in den Aufsichtsrat zu wählen.

Außerdem fragte er, was der Investor Cevian für eine Firma sei. Die habe ihren Sitz auf den Cayman-Inseln. Diesen Archipel könne er aber auf dem Globus nicht finden. Eckhard Cordes bedankte sich ausführlich bei seinem Kritiker Gäbler und kündigte an, diesem im Notfall einen größeren Globus schenken zu wollen, damit er die Caymans finden könne.


Erneuter Paukenschlag für den Krisenkonzern

Hauptredner auf Konzernseite war Finanzchef Axel Salzmann. Er versuchte, die Wogen zu glätten und verteidigte den Kurs der Fokussierung auf „Kernservices, Kernmärkte und Kernregionen“. Durch den Fokus auf Kernregionen habe der Konzern bereits heute die Zahl der Länder, in denen er tätig sei, halbiert. Beim geplanten Verkauf der Kraftwerkssparte würden die Angebote mit größter Sorgfalt geprüft.

Über einen Verkauf der Sparte für Gebäudedienstleistungen solle in den kommenden zwei, drei Wochen entschieden werden. Im Übrigen werde der Konzern auf Effizienz getrimmt und eine schlagkräftige Compliance-Abteilung aufgebaut. „2016 wird ein Übergangsjahr“, sagte Salzmann. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen Bilfinger wieder zurück auf einen nachhaltigen und langfristig profitablen Wachstumskurs führen.“

Am Mittwochmorgen hatte der Konzern die Zahlen fürs erste Quartal 2016 veröffentlicht. Demnach schreibt Bilfinger weiter rote Zahlen. Von Januar bis März belief sich der Verlust auf 76 Millionen Euro, nach 17 Millionen Euro im Vorjahr. Operativ erzielte Bilfinger einen kleinen Gewinn von 7 Millionen Euro. Die Leistung ging um 5 Prozent auf 1,348 Millionen Euro zurück. Der Auftragseingang – im Vorjahr von großen Serviceaufträgen im Geschäftsfeld Building and Facility geprägt – verringerte sich um 14 Prozent auf 1,404 Millionen Euro, während sich der Auftragsbestand um 3 Prozent auf 4,741 Millionen Euro erhöhte. Das bereinigte Ebita lag mit 7 Millionen in der Größenordnung des Vorjahres.

Am Dienstagabend hatte es in Mannheim wieder einen Paukenschlag gegeben: Nur einen Monat nachdem Per Utnegaard seinen Rückzug von der Konzernspitze bekanntgegeben hat, verlassen nun zwei Mitglieder des Aufsichtsrates das Unternehmen. Zum einen steht John Feldmann wegen unterschiedlicher Auffassungen im Aufsichtsrat zu Strategie und Positionierung von Bilfinger kurzfristig nicht mehr zur Verfügung. Zum anderen möchte Hans Peter Ring kurzfristig „aus persönlichen Gründen“ nicht mehr kandidieren. Ring soll ein Duzfreund von Aufsichtsratschef Eckhard Cordes sein.

Dass sich gleich zwei Mitglieder des Aufsichtsrates zurückziehen, wird in Unternehmenskreisen nicht gerade als Vertrauensbeweis für die Strategie des schwedischen Finanzinvestors Cevian gewertet. Cevian ist mit etwa 26 Prozent der größte Einzelaktionär. John Feldmann ist Vorstandschef der Kion Gruppe, einem Hersteller von Gabelstaplern. Hans Peter Ring war lange Jahre Finanzchef der Airbus Gruppe. Eckhard Cordes, der Chef des Aufsichtsrates, steht für eine Wiederwahl zur Verfügung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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