Bitcoin-Technik Blockchain: IT-Innovation soll Derivategeschäft verbilligen

Bitcoin-Technik Blockchain: IT-Innovation soll Derivategeschäft verbilligen

, aktualisiert 24. Januar 2017, 12:28 Uhr
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IT-Innovationen könnten die Finanzwelt komplett umkrempeln.

Quelle:Handelsblatt Online

Die US-Finanzbranche stellt ihr Derivategeschäft auf eine neue Technik um: Blockchain. Diese hat die virtuelle Bitcoin-Währung möglich gemacht. Die Investmentbanken könnten mithilfe der Technik womöglich Milliarden einsparen.

New YorkErst kommt das Schlagwort, verbunden mit viel Phantasie. Dann kommt die Ernüchterung. Und dann, wenn die Aufregung sich gelegt hat, werden die ersten wirklich großen Projekte umgesetzte. Dieses Muster, das typisch ist für technische Innovationen, zeigt sich auch bei der sogenannten Blockchain-Technik.

Sie steht hinter der virtuellen Währung Bitcoin. Bitcoins werden in digitalen Datenbanken praktisch „aus dem Nichts“ erschaffen. Die Blockchain-Technik sorgt dafür, dass die Datenbank nicht im Nachhinein manipuliert werden kann. So wird der Wert eines vorangehenden Datensatzes auch nach Veränderung im nachfolgenden Datensatz gesichert. Dabei werden die Informationen ohne Zwischenschaltung einer zentralen Instanz jedem Teilnehmer in identischer Form und weitgehend fälschungssicher zur Verfügung gestellt.

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Zwar wurde die Blockchain-Technik ursprünglich als frei verfügbare Software-Basis für die elektronische Bitcoin-Währung entwickelt. Sie ist aber für jede Art Konto- und Buchführung geeignet. Nach einer Phase der Testläufe und Nischenprojekte wird in den USA jetzt die Abwicklung von Termingeschäften, Derivaten, auf diese Technik übertragen – mit einem jährlichen Buchungsvolumen von elf Billionen Dollar. Das kommt einem Durchbruch der Blockchain-Technik gleich.

Dafür ist ein in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannter Riese verantwortlich: die Depositary Trust & Clearing Corporation (DTCC) in New York. Die Gesellschaft besorgt im Wesentlichen die Abwicklung des amerikanischen Wertpapiergeschäfts und bewältigt ein Volumen von jährlich rund 1,6 Billiarden Dollar. Die US-Finanzbranche ist ihr Kunde – zugleich ihr Eigentümer.

Ziel des neuen DTCC-Projekts ist eine Vereinfachung der Abläufe für alle Beteiligten. Das soll zu deutliche Kostensenkungen im Derivatehandel führen, für die DTCC allerdings keine Schätzung abgibt. Die Unternehmensberatung Accenture hat eine Kalkulation veröffentlicht, wie acht untersuchte Investmentbanken ihre Kosten mithilfe von Blockchain senken könnten. Demnach könnten die Geldhäuser Kosten von derzeit 30 Milliarden Dollar um acht Milliarden Dollar verringern. Einsparmöglichkeiten durch die neue Technik sieht Accenture unter anderem bei der Bereitstellung von Finanzinformationen und der Compliance, der Überwachung von geschäftlichen Vorgängen.


Macht die Bitcoin-Technik Banken überflüssig?

Ginge es nach den harten Bitcoin-Fans, dann wäre die Wertpapier-Handelsgesellschaft DTCC bald ganz überflüssig, ebenso wie ein großer Teil der Banken. Nach der Vorstellung der Enthusiasten sollte künftig jeder Bürger im Internet ohne lästige Zwischeninstanzen Wertpapiergeschäfte tätigen können – mithilfe der Bitcoin-Innovationen. Doch ganz so einfach ist der Ersatz echter Banken und Börsen durch virtuelle Blockchain-Technik nicht.

Die US-amerikanische DTCC hat die neue Technik daher gleich als Chance begriffen: Statt sich Sorgen über ihre eigene Abschaffung zu machen, will sie die Technik für das eigene Geschäft nutzen.

DTCC startet ihr neues Projekt zusammen mit dem IT-Riesen IBM, dem Start-up Axoni und R3, einem Konsortium großer, internationaler Banken, das die Entwicklung von Blockchain-Anwendungen zum Ziel hat.

Axoni stellt den technischen Kern der neuen Plattform zur Verfügung. In den ersten Monaten des Jahres 2018 soll das Management des neuen Systems wiederum an das Konsortium Hyperledger übergehen. Dieses entwickelt Blockchain-Projekte auf der Basis von Linux, also mit frei verfügbarer, kollektiv weiter entwickelter Software. An der Firma Hyperledger ist unter anderem die Deutsche Börse beteiligt, für die die Abwicklung von Wertpapiergeschäften eine wichtige Ertragsquelle darstellt.

Präsidentin des Hyperledger-Konsortiums ist die Bankmanagerin Blythe Masters. Sie wurde als Managerin der US-Großbank JP Morgan bekannt. Als Chefin der neuen Firma Digital Asset Holdings hat sie sich nun ebenfalls der Blockchain-Technik verschrieben.


Neue Strukturen für die Finanzwelt

Das Projekt der Wertpapier-Handelsgesellschaft DTCC, die neue Technik für's eigene Geschäft zu nutzen, zeigt für die heutige Finanzwelt typische Strukturen: Alte Unternehmen aus Finanzbranche und IT sowie junge Start-ups arbeiten – personell und über Konsortien verzahnt – eng zusammen.

Das geht nicht immer reibungslos. So hat sich Goldman Sachs vom beteiligten Konsortium R3 verabschiedet. Die Investmentbank hatte dort nach eigener Einschätzung offenbar zu wenig Einfluss.

Insgesamt hat das neue, komplizierte Miteinander aber die Konfrontation von alten Riesen und neuen Fintech-Unternehmen abgelöst, die bis vor rund zwei Jahren noch typisch für die Branche war. Gerade hat sich etwa ein „Global Blockchain Business Council“ in Davos gebildet, um die Zusammenarbeit alter und neuer Player zu verbessern.

Der Abstimmungsprozess unter den Teilnehmern erfolgt bei der offenen Blockchain, an die jeder mit seinem Computer andocken kann, über ein aufwendiges Verfahren, das so genannte Mining, das große Mengen an Energie verschlingt. In der Finanzbranche stehen jetzt aber geschlossene Blockchains im Vordergrund, die extra für ein bestimmtes Projekt programmiert werden und nur einem bestimmten Teilnehmerkreis zur Verfügung stehen. In dem Fall, der auch auf das Projekt von DTCC zutrifft, ist der Abstimmungsprozess weniger aufwendig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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