Blackrock-Ausblick: Das Ende der Renditen

Blackrock-Ausblick: Das Ende der Renditen

, aktualisiert 05. April 2016, 15:54 Uhr
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Das waren noch Zeiten: Die Umlaufrendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt am 22. Januar 2016 bei 0,3 Prozent, wie ein Foto aus der damaligen Handelsblatt-Ausgabe zeigt. Nun beträgt die Rendite 0,09 Prozent.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock erwartet nur noch Mini-Renditen. Deshalb denkt der norwegische Staatsfonds bei seinen Investments bereits um. Welche Anlageklassen die Branchenriesen jetzt empfehlen.

Die zehnjährige Bundesanleihe nähert sich mit einer Rendite von nur noch 0,09 Prozent rasant ihrem Allzeit-Tief. Dieses hatte sie am 17. April 2015 im Tagesverlauf mit 0,05 Prozent markiert. Der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe ist damit seit Anfang des Jahres um mehr als fünf Prozent gestiegen.

Kommt nun bald der Fall ins Negative? Schließlich rentieren Bundesanleihen mit einer Laufzeit von bis zu neun Jahren bereits seit längerem im Minus-Bereich. Das bedeutet, dass Anleger, die diese Papiere jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, einen garantierten Verlust machen.

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Dabei sind die Neunjährigen nicht allein: Das weltweite Marktvolumen der Staatsanleihen, die negative Zinsen boten, wuchs im vergangenen Monat auf sieben Billionen US-Dollar. Noch im Dezember 2015 lag der Wert von Staatsanleihen mit negativer Rendite bei nur rund zwei Billionen US-Dollar. Im renommierten JP Morgan Global Goverment Bond Index haben diese Negativ-Anleihen bereits einen Anteil von 27 Prozent.

Und ein Ende dieser Entwicklung ist noch abzusehen. „Die Jagd nach Rendite wird immer härter“, schreibt Blackrock, der weltweit größte Vermögensverwalter, in seinem Ausblick auf das zweite Quartal 2016. „Erträge sind wichtig in einer Welt mit Niedrigzinsen und niedrigen Renditen. Nun wird es immer schwerer, die zu erzielen“, heißt es weiter. Rick Rieder, Chefanlagestratege für globale Anleihen, meint: „Negativzinsen bringen unseren Finanzmechanismus zurück in die Steinzeit“.

Der rasant steigende Anteil an Bonds mit Negativzinsen lässt auch den norwegischen Staatsfonds umdenken. Der mit einem Anlagevermögen in Höhe von 850 Milliarden Dollar weltweit größte Staatsfonds darf nun seinen Immobilienanteil von fünf auf sieben Prozent erhöhen. Dadurch kann der Fonds 17 Milliarden Dollar mehr in „Betongold“ investieren. Ursprünglich war sogar ein Immobilienanteil von zehn Prozent geplant.

Abgelehnt wurde von der norwegischen Regierung der Antrag, dass der Fonds in Infrastrukturprojekte investieren kann. Begründet wurde das Nein mit hohen regulatorischen Anforderungen und politischen Risiken.

Der „Statens pensjonsfond utland“ (Staatlicher Pensionsfonds Ausland), galt in der Vergangenheit als Beispiel für langfristige und strategisch geschickte Investments, erzielte aber 2015 zwei Quartale hintereinander Verluste in Milliardenhöhe.


Was Blackrock empfiehlt

Aufgrund des hohen Anteils an Bonds mit negativen Zinsen hält Blackrock Staatsanleihen für zu teuer, aber dennoch für nützlich. „US-Staatsanleihen spielen nach wie vor eine Rolle, um ein Portfolio diversifizieren“, heißt es in dem Ausblick. Für Anleiheninvestoren favorisiert der Vermögensverwalter aber europäische Bonds mit längerer Laufzeit aus den Peripherie-Ländern wie Spanien und Portugal, die einen Renditevorteil gegenüber deutschen Bonds bieten. „Uns gefallen langlaufende Bonds, die an die Inflation gekoppelt sind“, sagt Scott Thiel, Anlagestratege bei Blackrock für Anleihen.

Für Blackrock sind aber Aktien im Vergleich zu Staatsanleihen attraktiver, weil die Dividendenrendite über denen der Rendite von zehnjährigen Anleihen liegt. Die USA sei die einzige wichtige Anlageregion, in der die Anleihenrenditen mit den Dividendenrenditen der Aktien konkurrieren könnten.

Nigel Bolton, Chefanlagestratege für internationale Aktien, favorisiert vor allem europäische Aktien wegen der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Die lange bevorzugten japanischen Papiere stuft er nur noch als neutral ein. Weil der Yen mittlerweile stärker geworden ist und weil sich die Zweifel häufen, ob in Japan strukturelle Reformen eingeleitet werden.

„Wir sehen nicht, dass irgendwelche großen Aktienmärkte inklusive der US-Börsen überbewertet sind. Und wir betrachten die Aktien aus den Emerging Markets als günstig“, heißt es in der Studie. Vor allem sogenannte Value-Aktien seien günstig. Derzeit werden solche unterbewertete Wertpapiere im Vergleich zum breiten Markt mit einem Abschlag von 35 Prozent bewertet. In den vergangenen zehn Jahren betrug dieser Preisnachlass durchschnittlich lediglich 20 Prozent.

Dabei favorisiert der Vermögensverwalter Branchen mit attraktiver Dividendenrendite wie beispielsweise den Telekommunikations-Sektor. Gemieden werden sollten aber Finanzwerte. Denn diese müssen die Herausforderungen niedriger Zinsen meistern und sind von einer härteren Regulierung bedroht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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