Blockchain-Technologie: Goldman Sachs schert aus

Blockchain-Technologie: Goldman Sachs schert aus

, aktualisiert 22. November 2016, 20:00 Uhr
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Beim Thema Blockchain entschließt sich die US-Bank zu einem Alleingang.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die US-Investmentbank Goldman Sachs gehört zu den Gründern von R3. Das Gemeinschaftsunternehmen entwickelt Konzepte zur Nutzung der Blockchain-Technologie. Doch jetzt zieht sich Goldman aus dem Projekt zurück.

New YorkIm Jahr 2014 gründete Goldman Sachs zusammen mit acht anderen Banken das Unternehmen R3 in New York. Die Idee war, gemeinsam Konzepte zur Nutzung der Blockchain, der Technik hinter der virtuellen Währung der Bitcoins, zu nutzen. Jetzt hat Goldman überraschend die Mitgliedschaft in diesem Konsortium verlassen, wie Finanzkreise bestätigten, nachdem zuerst das „Wall Street Journal“ darüber berichtet hatte.

Offenbar war Goldman die Zusammenarbeit zu kompliziert geworden. Hinzu kam, dass R3 zur Expansion frisches Geld von den Banken haben will. Weil der Kreis inzwischen auf 70 internationale Geldhäuser angewachsen war, hätte Goldman zwar Geld zahlen müssen, aber dafür letztlich kaum noch direkten Einfluss ausüben können, heißt es. Die Investmentbank will aber trotzdem weiter Konzepte entwickeln, die auf der Blockchain basieren.

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Letztlich ist es doch überraschend, dass Goldman bei dem Thema den Kreis der anderen großen Banken verlässt und sich zu einem Alleingang entschließt. Technik ist immer mehr zu einem Erfolgsfaktor der Banken geworden, aber auch zu einem Kostenfaktor. Deswegen haben sie sich entschlossen, stärker zusammenzuarbeiten, Software frei zu Verfügung zu stellen und damit auch gemeinsam von deren Weiterentwicklung zu profitieren. Vor dem Hintergrund wirkt der Abschied von Goldman wie ein Rückschritt in eine Zeit, wo jeder seine eigene Technik entwickelt und als Betriebsgeheimnis gehütet hat. Die Bank hat ihre Entscheidung nicht näher kommentiert.

R3 hat mit einigen Mitgliedern des Konsortiums bereits Pilotprojekte gestartet. Außerdem hat das Unternehmen ein Produkt mit dem Namen Corda entwickelt, das die Abwicklung komplizierter Transaktionen wie etwa Zins-Swaps erleichtern soll. Dabei spielen sogenannte Smart Contracts eine Rolle, mit denen rechtliche Verpflichtungen im Rahmen dieser Geschäfte automatisch von der Software erfüllt werden können.

Corda beruht auf einer geschlossenen Blockchain, an der nur ausgewählte Mitglieder teilnehmen können. Das steht im Gegensatz zu der öffentlichen Blockchain, auf der die Bitcoins beruhen, in die sich jeder mit seinem Computer einklinken kann.

Interessant ist vor allem die Frage, ob andere Banken dem Beispiel von Goldman folgen. Der Enthusiasmus rund um die Blockchain ist ohnehin etwas abgeflaut. Was noch vor kurzem als Wundermittel gepriesen wurde, wird heute eher als eine spezielle Software für spezielle Probleme angesehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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