Blockchain-Technologie: Wann kommt der Durchbruch?

Blockchain-Technologie: Wann kommt der Durchbruch?

, aktualisiert 25. März 2017, 11:24 Uhr
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Blockchain ist seit einigen Jahren in der Finanzbranche in aller Munde, bekanntestes Beispiel ist die Digitalwährung Bitcoin.

Quelle:Handelsblatt Online

„Blockchain“ ist in der von der Null-Zins-Politik gebeutelten Branche ein oft gehörtes Schlagwort. Roland Berger geht davon aus, dass die Software-Technologie in drei bis fünf Jahren durchstartet.

MünchenDer Finanzbranche steht voraussichtlich in wenigen Jahren die nächste Umwälzung bevor. Die Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass die Ende des vergangenen Jahrzehnts erfundene Blockchain-Technologie in drei bis fünf Jahren ihren Durchbruch erlebt.

Die Folge für die Finanzbranche könnten nach einer neuen Studie der Münchner Berater sowohl Milliardeneinsparungen als auch eine potenziell existenzbedrohende Herausforderung für manche Unternehmen sein. Andere Unternehmensberatungen gehen von ähnlichen Szenarien aus. Und wie schon bei anderen Internet-Technologien hinkt Europa der weltweiten Konkurrenz hinterher: „Es ist wichtig, dass Europa hier drei Gänge zulegt, ansonsten werden die Geschäftsmodelle aus Asien und Amerika den weltweiten Markt erobern“, sagte Co-Autor Sebastian Steger.

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Blockchain ist seit einigen Jahren in der Finanzbranche in aller Munde, bekanntestes Beispiel ist die Digitalwährung Bitcoin. Eine Blockchain ist eine große Datenbank, die nicht auf einem einzigen Server liegt, sondern dezentral auf viele Rechner verteilt ist – und jeder Teilnehmer hat im Prinzip die gleichen Zugriffsrechte.

Beispiel Bitcoin

Der zweite Punkt: Die Software kann mit automatischen Handlungsanweisungen gekoppelt werden, wie Steger sagt. „Die Verbindung dieser zwei Aspekte hat aus unserer Sicht ein Riesenpotenzial für die gesamte Wirtschaft“, meint der Berater. Das Schlagwort dafür heißt „smart contract“; ein via Internet geschlossener Vertrag, der sich bei Erfüllen der Vertragsbedingung selbst einlöst. „Viele Transaktionskosten können auf nahezu null reduziert werden, das wird schwierig für teure Intermediäre“, sagt Steger.

Die Blockchain-Technologie und „smarte“ Verträge haben einen analogen Vorgänger, den Bankwechsel: Der Aussteller notierte auf einer Urkunde die Zahlungsanweisung für den Empfänger. Der Wechsel berechtigte dann den Empfänger, die genannte Summe einzulösen.

Wie das Beispiel Bitcoin zeigt, lässt die Blockchain-Software nicht nur Datenübertragung zu, sondern auch die Schaffung einer digitalen Währung – die Technologie verfüge über das Potenzial, ökonomische Werte statt nur Informationen über ökonomische Werte via Internet zu übertragen, sagt Markus Tradt, IT-Ingenieur bei der Münchner Rück. Der weltgrößte Rückversicherer und andere große Unternehmen wie die Allianz haben kürzlich die unternehmensübergreifende Blockchain-Initiative B3i gestartet.

Das abstrakte Modell lässt sich am konkreten Beispiel leichter erklären: Wer online bezahlen will, braucht dafür ein Konto – bei einer Bank oder einem Online-Bezahldienst wie Paypal. In armen Ländern wird das Wirtschaftswachstum unter anderem dadurch gehemmt, dass es gar kein oder nur ein rudimentäres Finanzwesen gibt.

Mehr als Geldtransfers

Funktionierende Handynetze gibt es aber sogar in kriegs- und krisengeschüttelten Ländern wie Afghanistan und Somalia. Mit Blockchain-Apps ist es denkbar, Geld ohne Bank von Mensch zu Mensch zu schicken. Die Empfänger könnten den entsprechenden Betrag dann bei anderen autorisierten Teilnehmern eines Blockchain-Netzwerks in Bargeld eintauschen oder für Online-Einkäufe verwenden, schreiben die Berater in ihrer Studie.

Bezahldienste sind aber keineswegs die einzige denkbare Anwendung. „Mit Hilfe dieser Technologie lassen sich viel mehr Transaktionen abwickeln, nicht nur Geldtransfers“, sagt Steger. So ist am Finanzmarkt ist bisher eine Fülle von Zwischeninstanzen tätig – etwa Clearinghäuser, die Wertpapiergeschäfte für Käufer und Verkäufer abwickeln und dafür Gebühren verlangen. Würde sich Blockchain weitverbreiten, „könnten viel oder alle dieser Intermediäre eliminiert werden, ebenso wie die damit verbundenen Kosten und Zeitverzögerungen“, argumentiert die Studie. „Der Durchbruch der Blockchain wird allerdings nicht morgen kommen, aber in drei bis fünf Jahren“, sagt Steger.

Die Münchner Rück gehe davon aus, dass Blockchain „die Versicherungsindustrie durch eine gemeinsame, transparente Dokumentation vertragsrelevanter Informationen nachhaltig beeinflussen“ kann, wie IT-Ingenieur Tradt sagt. „Sie ermöglicht es uns, neue Produkte zu entwickeln, neue Risiken zu versichern und neue Märkte zu erschließen.“ Vorteile bringen soll die Blockchain-Technologie aber auch für die Kunden: „Auf Seiten der Konsumenten wird sich dies in kürzeren Bearbeitungszeiten, rascherer Schadensregulierung und günstigeren Prämien bemerkbar machen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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