Shoot the Freak!
12.08.2009 von Andreas Henry 7 Kommentare 0 Trackbacks- Artikel senden
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Spätpubertäre Möchte-Gern-Rambos, die in Abenteuerlandschaften mit Farbkugeln aufeinander schießen – das gibt es auch in Deutschland: Gotcha! Doch im New Yorker Vergnügungspark Coney Island wird die Ballerei zur für den Schützen völlig ungefährlichen Kirmesattraktion.
„Jedes Los gewinnt!“ Das ist einer der Lockrufe, mit denen bei uns die Besucher auf Jahrmärkten zum Geldausgeben animiert werden. „Shoot someone – and get away with it.“ Schieß auf jemanden und komm damit davon – mit diesem lautstark verkündeten Versprechen versucht der Ausrufer auf dem Boardwalk, der Uferpromenade des New Yorker Vergnügungsparks Coney Island, die Aufmerksamkeit auf eine besondere Attraktion zu lenken.
35 Schuss für zehn Dollar mit einer Paintball-Gun, einem dieser Gewehre, die mit Hochdruck Farbkugeln verfeuern, so viel kostet das Vergnügen, für das in großen Buchstaben über einer Baulücke der Uferpromenade zwischen Hot-Dog-Buden und Läden mit Strandbedarf geworben wird: „Shoot the Freak“. Die Schützen stehen auf einer Balustrade und blicken herab in eine Ruinenlandschaft, die von Farbkleksen übersät ist. Auf den seitlichen Ziegelsteinwänden haben sich Graffiti-Künstler ausgetobt. So stellt man sich einen verlassenen Hinterhof irgendwo in der Bronx vor, auf dem sich Drogendealer für ihre Geschäfte treffen. „Live human Targets“ - Lebende menschliche Ziele - steht in großen Buchstaben auf der orangefarbenen Wand, die das Schussfeld nach hinten begrenzt.
„Schieß auf jemanden, der nicht zurück schießt“ ruft der übergewichtige Mann im blauen T-Shirt und mit einem Head-Set, der ein deutlich besseres Ziel abgeben würde als der junge Spargeltarzan mit nacktem durchtrainiertem Oberkörper, der schließlich die Arena betritt. „Was habt ihr erwartet? Mickey-Mouse? Dann seid ihr im falschen Bundesstaat, dies ist New York!“ Die Stimme des Dicken überschlägt sich fast. Eine schwarzhaarige Frau und ein Glatzkopf, die sich das weiße Magazin der kurzläufigen Luftgewehre mit den gut einen Zentimeter Durchmesser dicken Farbkugeln haben füllen lassen, ballern von der Balustrade herab gleichzeitig auf ihr wehrloses Opfer los. Die Farbkugeln zischen, platzen mit einem lauten Plop auf dem ovalen Holzbrett, das der Freak wie einen Schild schützend vor seinen Oberkörper hält.
„Ziel auf den Kopf,“ zischt der Mann seiner Partnerin zu. Der Freak trägt eine Schutzmaske wie sie Moto-Cross-Fahrer benutzen, die ebenfalls von blauen und roten Farbspritzern bedeckt ist. Doch statt den Kopf anzuvisieren, entscheidet sich die Schützin für eine Attacke auf den Unterleib, wo empfindliche Teile durch ein dick gepolstertes Suspensorium geschützt sind. Der Freak revanchiert sich für einen Volltreffer, indem er provozierend die Hüften vor und zurück bewegt, was die Schützin zu weiteren Treffversuchen und die zahlreichen Zuschauer zu lautem Gejohle animiert.
Das spezielle Verhältnis der Amerikaner zu Waffen und zu Schießübungen aller Art ist ausreichend bekannt. Der neue Präsident traut sich an fast alles, legt sich sogar mit der Wall Street und der mächtigen Gesundheitslobby an. Doch alle Bestrebungen, den Waffenbesitz in den USA einzuschränken, kämen einem politischen Selbstmord gleich. Die Wahl des Demokraten Barack Obama, von dem Waffennarren zurecht erwarten, er würde den Besitz von Revolvern, Pistolen und automatischen Präzisionsgewehren erschweren, wenn er denn könnte wie er wollte, wirkte in den vergangenen Monaten trotz der Wirtschaftskrise wie ein Konjunkturprogramm für die Schusswaffenindustrie. In einigen Südstaaten soll jetzt das offene Tragen von Handfeuerwaffen sogar in Bars erlaubt werden. Es gibt zudem ernst gemeinte Vorschläge, das Tragen von Waffen in Schulen und auf Universitätsgeländen zu erlauben, weil nur so Amokläufer schnell und wirksam gestoppt werden könnten.
Nur ganz knapp scheiterte vor wenigen Wochen im US-Senat eine Gesetzesinitiative, die es einem Waffenbesitzer mit einer gültigen Lizenz aus einem waffenfreundlichen Bundesstaat erlaubt hätte, seine Waffen auch in Bundesstaaten mit restriktiveren Vorschriften verdeckt zu tragen – etwa in New York. „Der Kongress scheint zu denken, Beschränkungen für Waffenbesitz sei etwas für Weicheier“, kommentierte „The Washington Post“. Kein Wunder, dass es auf der Uferpromenade von Coney Island niemand für merkwürdig oder gar abartig hält, auf ein menschliches Ziel zu schießen. Ob es nicht ziemlich weh tue, wenn er denn doch mal an einer weniger geschützten Stelle getroffen wird, fragt jemand den jungen Russen, der den Freak gibt. Der zieht während einer Feuerpause oben auf der Balustrade stehend an einer Zigarette, grinst zurück und zeigt auf seinen Mund, wo die Zähne von Ober- und Unterkiefer durch Metallteile und Gummis zusammen gehalten werden. „Das hier, das tut weh“, nuschelt er so gut es geht. Er habe einen Kieferbruch, von einer Schlägerei, drüben im Russenviertel von Brighton Beach. Der Freak von Coney Island ist wirklich ein Freak!
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Möchte-Gern-Rambos, die in Abenteuerlandschaften mit Farbkugeln aufeinander schießen – ... Kirmesattraktion. 12.08.2009 von Andreas Henry Kirmesattraktion? Das sind Terrorcamps wo potenzielle ... alles anzeigen
wie niedlich, diese Deutschen. Regen sich über Nichtigkeiten auf, wie harmlose Gotcha-Spiele und erklären "Datenschutz", der oft auch Täterschutz bedeutet ... alles anzeigen
Gegen harmlose Gotcha-Spiele hat niemand was. Das hat sogar was von Sport und "Waffengleichheit". Aber auf jemand Wehrloses zu ballern, ... alles anzeigen
So geil !! Bin im nächsten Flieger nach New York !! :-)))) alles anzeigen
die spinnen die amis, wie so oft. gut das es so was nicht bei uns gibt und der sport noch ... alles anzeigen
@RRR du bist ein Freak. Stell dich bitte mit rein.... alleine die Aussage Das sind Terrorcamps... Wahnsinn. Macht nur weiter hier in ... alles anzeigen
Der Artikel ist zwar interessant, hat aber rein gar nichts mit dem in Deutschland praktizierten Paintball zu tun. Wer sich ... alles anzeigen