Bloomberg und Ackman: Milliardäre unter sich

Bloomberg und Ackman: Milliardäre unter sich

, aktualisiert 12. Februar 2016, 03:14 Uhr
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Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ist bisher nicht als Kandidat für den Präsidentenposten in den USA angetreten. Unterstützung dafür bekommt er dennoch.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Der US-Vorwahlkampf hat so recht keinen Kandidaten, der der Geschäftswelt gefallen könnte. Hedgefonds-Manager Bill Ackman legt sich für Michael Bloomberg als US-Präsident ins Zeug. Ob er ihm damit einen Gefallen tut?

New YorkEr hat es schon einmal getan: Im vergangenen Oktober bezeichnete Bill Ackman Michael Bloomberg als idealen Kandidaten für das Weiße Haus. Jetzt legt er nach mit einem langen Gastbeitrag in der „Financial Times“.

Seine These: „Amerika brennt“. Und der geeignete Feuerwehrmann ist seiner Meinung nach Michael Bloomberg, Gründer des gleichnamigen Konzerns. Ackman beschreibt mit überschäumender Bewunderung, wie der steinreiche Unternehmer New York nach vorne gebracht hat, nachdem er 2002 Bürgermeister der Stadt wurde.

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„Die Stadt hat gebrannt – buchstäblich“, schreibt Ackman. „Unsere Wirtschaft war zusammen gebrochen und die öffentlichen Finanzen waren ruiniert.“ Bloomberg schuf in den folgenden Jahren Zehntausende Jobs, verwandelte das Milliardendefizit der Stadt in einen Überschuss und machte New York zu einer der sichersten Städte der Welt, fährt Ackman fort.

Es kommt nicht häufig vor, dass Hedgefonds-Manager sich mit derartigen Lobeshymnen in die Politik einmischen. Sonst mischt sich Ackman eher in die Geschäfte von Unternehmen ein, mit Vorliebe in der Pharmabranche, und erzielt daraus mitunter Milliardengewinne – im vergangenen Jahr lief es freilich nicht so gut, und sein Hedgefonds landete in den roten Zahlen.

Ackman hat nicht Unrecht mit seinem Lob. Bloomberg war nicht bei allen New Yorkern beliebt, nicht alle Verdienste, die man ihm zuschreibt, hat er alleine erreicht. Aber wer einen einigermaßen klaren Blick hat, wird ihm Respekt zollen für seine Leistung. Und wenn die Alternative im Weißen Haus Leute wie Ted Cruz oder Donald Trump wären – nun, da fiel die Wahl nicht schwer.

Ackman schreibt, dass bei einem unklaren Wahlausgang das Repräsentantenhaus den Präsidenten aus den drei Kandidaten mit den meisten Stimmen wählen kann, und er glaubt, es würde Bloomberg den Alternativen Cruz, Trump, Clinton oder Sanders auf jeden Fall vorziehen.

Der Vorstoß ist ungewöhnlich. Zunächst einmal hat Bloomberg sich noch gar nicht entschieden, ob er als Unabhängiger antreten will. Er wartet wohl ab, welche Kandidaten sich bei den beiden großen Parteien durchsetzen. Und ob noch mehr Lobeshymnen von anderer Seite kommen.

Die Frage ist: Tut Ackman Bloomberg mit seinem Lob einen Gefallen? Hier setzt sich ein Milliardär für den anderen ein, und Milliardäre stehen nicht an der Spitze der Beliebtheitsskala in Amerika. Wenn Donald Trump Hedgefonds-Manager als Leute bezeichnet, die nur Papier hin und her schieben und damit einen Haufen Geld verdienen, dürfte er selbst bei Leuten Zustimmung ernten, die ihn ansonsten nicht ausstehen können.


Ist die US-Geschäftswelt zu zurückhaltend?

Ackmans Vorstoß wirft ein Licht auf die verfahrene politische Situation in den USA, gerade aus Sicht der Geschäftswelt. Traditionell sollte man meinen, dass Banker und andere Unternehmen sich eher bei den Konservativen, also bei der Partei der Republikaner, zu Hause fühlen. Aber die Kandidaten, die dort vorne liegen, müssen jedem Geschäftsmann ein Greuel sein.

Trump verspricht das Land mehr oder minder nach außen abzuschirmen, gegen Handel, aber auch gegen Immigranten. Cruz möchte den Goldstandard einführen und gehört zur Riege derjenigen der Republikaner, die die US-Notenbank am liebsten ans Gängelband der Politik in Washington legen wollen – die bekanntermaßen vor allem dadurch von sich reden macht, dass sie nicht funktioniert.

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums sieht es aber gerade für die Finanzbranche auch nicht so rosig aus. Bernie Sanders agitiert gezielt gegen die Wall Street und hat sich besonders Goldman Sachs vorgenommen. Hillary Clinton fühlt sich gedrängt, ebenfalls gegen die großen Banken zu agitieren. Bei ihr haben die Banker allenfalls die Hoffnung, dass sie es nicht ganz so ernst meint, schließlich nimmt sie ja auch gerne das Geld der Wall Street entgegen.

Ackmans Vorstoß, ob nun hilfreich oder nicht, ragt aber auch deswegen heraus, weil die Geschäftswelt in den USA ansonsten sehr zurückhaltend ist. Manchmal vielleicht zu zurückhaltend. Wenn Kandidaten sich gegenseitig darin übertrumpfen, wie sie gegen Immigranten vorgehen wollen, wäre es doch angebracht, wenn Unternehmen, die auf diese Menschen angewiesen sind, mal wirklich den Mund aufmachen, statt nur aussichtslose Kandidaten wie Jeb Bush zu unterstützen – der hat in vielen wirtschaftlichen Fragen ganz vernünftige Ansichten.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat sich mit gutem Recht öffentlich zur Wehr gesetzt, als Sanders ihn penetrant persönlich angriff. Aber warum sagen Unternehmer nicht laut und deutlich, was sie von den permanenten Angriffen der Republikaner auf die Fed halten? Möchte wirklich jemand, dass die US-Notenbank noch mehr unter den Einfluss einer Politik-Szene gerät, die vor allem mit sich selber beschäftigt ist?

So besehen hat Ackman das Richtige getan, vielleicht sogar für den richtigen Kandidaten. Aber bessere wäre es, andere Unternehmer würden auch mal Flagge zeigen – besonders jene, deren Geschäfte in der Öffentlichkeit mehr Glaubwürdigkeit haben und für Wähler verständlicher sind.

Quelle:  Handelsblatt Online
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