Börse Frankfurt: Dax legt drei Prozent zu

Börse Frankfurt: Dax legt drei Prozent zu

, aktualisiert 11. März 2016, 12:36 Uhr
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Der Brexit bringt die Bären.

von Ilias StampoulisQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem sehr hitzigen Donnerstag, der ganz im Zeichen der EZB-Geldflut stand, kühlen sich heute die Gemüter ab. Die Anleger kehren zurück aufs Parkett und lassen den Dax die gestrigen Verluste mehr als egalisieren.

Frankfurt/DüsseldorfDie Anleger sind zum Wochenausklang massenhaft auf das Parkett zurückgekehrt. Dem Anschein nach hielten sie den gestrigen Ausverkauf für überzogen: Nachdem Mario Draghi und der EZB-Rat mit gleich mehreren Maßnahmen grünes Licht für eine beispiellose Geldschwemme gegeben hatten, preschte der Dax bis ganz knapp vor die 10.000-Punkte-Marke, ehe er völlig einbrach und ganze 500 Punkte verlor.

Genau diese Punkte holten sich der deutsche Leitindex am Freitag früh zurück. Zuletzt notierte das wichtigste Börsenbarometer der Bundesrepublik am Mittag drei Prozent fester und mit 9783 Punkten höher als am Mittwoch. Konjunkturdaten aus der ersten Reihe stehen heute keine an. So können sich die europäischen Börsen ganz der Abarbeitung des gestrigen Handels widmen, der ein wahrlich wilder Ritt war.

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Für die gestrige überraschende Kehrtwende samt Absturz waren zwei Gründe maßgeblich. Zum einen hatte EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz nach der Verkündigung der Maßnahmen, die das Kursfeuerwerk kurz vorher entfacht hatten, betont, dass es nun keine Gründe mehr gebe, die Zinsen noch weiter zu senken. Damit sorgte er für große Ernüchterung auf den Märkten und der Rausch klang abrupt ab. Was übrig blieb, war die große Frage nach dem weiteren Weg. Denn die geldpolitischen Mittel der Euro-Währungshüter im Kampf für eine Zwei-Prozent-Inflation und eine brummende Konjunktur wirken ausgeschöpft. Das weitere Handelsgeschehen hängt maßgeblich davon ab, ob die Anleger Mario Draghi weiterhin vertrauen.

Zum anderen hatten in den USA starke Arbeitsmarktdaten die Börsianer überrascht. Damit wird eine mögliche Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve auf der nächsten Sitzung des zuständigen Offenmarktauschusses weiter wahrscheinlicher, was vor noch einem Monat angesichts heftiger Finanzmarktturbulenzen nahezu als ausgeschlossen galt, hörte man sich auf dem Parkett um. So schnell wendet sich das Blatt; und damit aber auch die Sorge, dass der nächste Schritt in der im Dezember eingeschlagenen US-Zinswende die Konjunktur gefährden könnte.

Dass die meisten Akteure nun auf die nächste Erhöhung der Leitzinsen in den Vereinigten Staaten spekulieren, offenbarte ein Blick auf den Devisenmarkt. Dort legte der Euro am Donnerstag die historisch stärkste Trendwende innerhalb eines Tages hin und gewann gegenüber dem Dollar ganze anderthalb Prozent – und das obwohl kurz vorher Mario Draghi nicht nur eine massive Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe und eine Erhöhung des Strafzinses, dem negativen Einlagenzins für Geschäftsbanken, verkündete hatte, sondern auch die faktische Abschaffung des Leitzinses ausrief und eine gigantische neue Vierjahreskreditlinie für Geldinstitute bereitstellte. Auch hier schien sich der Markt am Freitag wieder abzukühlen. Zuletzt notierte der Euro 0,6 Prozent leichter bei 1,1107 Dollar.

Durch die Bank weg beruhigten sich die Handelsplätze in Europa zum Wochenende hin und machten die herben Vortagsverluste bis zum Vormittag nahezu vollständig wett. Der Leitindex der Währungsunion, der Euro-Stoxx-50, rückte 2,3 Prozent vor auf 3.039 Punkte. Auch die zweite Frankfurter Reihe legte meldete sich zurück. Der MDax notierte 1,9 Prozent höher bei 19.522 Zählern, der TecDax gewann 1,6 Prozent zu auf 1591 Stellen.


Öl-Bericht der IEA hilft den Kursen

Auch die Vorgaben zeigten sich geprägt vom Nachklang der EZB-Entscheidung. In New York verlor der Dow-Jones-Index mit 16.995 Punkten minimal, der breite S&P trat mit 1989 Stellen auf der Stelle, die Konkurrenzbörse Nasdaq büßte 0,2 Prozent ein. Die Wall Street musste dabei auf stabile Ölpreise verzichten, die ihr in den vergangenen Tagen im Handel den Rücken freigehalten hatten. In Tokio rückten Nikkei und Co. moderat vor.

Heute erholte sich der wichtigste Rohstoff der Weltwirtschaft. Ein Fass WTI kostete im Aprilkontrakt 38,60 Dollar und damit zwei Prozent mehr, ein Barrel Brent verteuerte sich um 1,6 Prozent auf nun 40,68 Dollar. Hoch gingen die Preise, weil ein am Freitag veröffentlichter Bericht der Internationalen Energie Agentur IEA einen mittelfristigen Boden in der Ölförderung erreicht sieht.

Unter den Einzelwerten im Dax standen heute die Finanzwerte im Mittelpunkt des Interesses: Sowohl die Geldhäuser Deutsche Bank und Commerzbank, als auch der Versicherer Allianz mitsamt Investmenttochter Pimco legten ihre Ergebnisse vor. Die beiden Institut fanden sich nach Vorlage auch prompt an der Spitze des Dax wieder mit Aufschlägen von über fünf Prozent. Zudem präsentierte VW-Tochter Porsche gute Zahlen. Die Stammaktien der Wolfsburger Mutter rückten vier Prozent vor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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