Börsen-Ausblick: Der Dax am Scheideweg

Börsen-Ausblick: Der Dax am Scheideweg

, aktualisiert 23. Januar 2016, 11:43 Uhr
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Turbulente Zeiten: Das Börsenjahr startet volatil.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Zum Wochenschluss das Happy End: Am Freitag ging der Dax mit deutlichen Gewinnen aus dem Handel. Doch Experten sind skeptisch. Schon in der nächsten Woche könnte es wieder bergab gehen.

Ex und Hopp lautet derzeit die Devise de Anleger. Beim Dax folgen Tagen mit schweren Verlusten Tagen mit Gewinnen – und umgekehrt. In diesem volatilen Marktumfeld sorgt die EZB vergangenen Woche für eine positive Wende. Die Aussicht auf noch mehr Liquidität trieb den Dax Donnerstags und Freitags ins Plus. Am letzten Handelstag der Woche ging es gut zwei Prozent hoch. Seit Jahresbeginn steht allerdings immer noch ein Minus von mehr als neun Prozent zu Buche.

Doch sind die Kursgewinne der vergangenen Tagen bereits eine Trendwende? Oder nur eine sogenannte Bärenmarktrally, eine Zwischenerholung im laufenden Abwärtstrend? Die meisten Experten sind sicher, dass es bald wieder abwärts geht.

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„Anleger dürfen nicht vergessen, wohin der übergeordnete Trend zeigt“, meinen die Börsenexperten Franz-Georg Wenner und Andreas Büchler, die mit mathematischen Methoden arbeiten. Und diese Richtung zeigt klar abwärts. Nach ihrer Meinung hat die laufende Erholung ein maximales Potential bis zu 10.100 Punkten. „Wir rechnen aus heutiger Sicht mit einem Umschwung zurück nach Süden bereits kurz vor diesem Areal“, meinen die beiden.

Ähnlich sehen das die Analysten der Helaba in ihrem Wochenausblick: Für sie war die derzeit laufende Erholung insgesamt überfällig. Dennoch bleibe das deutsche Börsenbarometer strukturell angeschlagen. Dieses werde auch die Tatsache untermauert, dass 86 Prozent der 30 Dax-Werte unterhalb der 200-Tagelinie notieren. Diese Linie bildet den Durchschnitt der Kurse der vergangenen 200 Handelstage ab und ist für Investoren eine wichtige Kennziffer.

Anleger fürchten sich vor allem von einem nachhaltigen Bärenmarkt, der auch bisher stabile, defensive Werte betrifft – weil Investoren verkaufen, weil sie Liquidität benötigen. Zu den entscheidenden Faktoren der aktuellen Börsenschwäche zählt der rasante Preisverfall bei den Rohstoffen. „Diese Schwäche sollten Anleger etwas differenzierter betrachten“, meint Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank.

Der Börsenprofi erinnert an die Jahre 2008 und 2011.Da wurden Ölpreise von mehr als 140 beziehungsweise 120 Dollar pro Barrel als dramatische Gefahr für eine einbrechende Weltkonjunktur dargestellt, da der „Schmierstoff“ für Wirtschaftswachstum in den Industrieländern zu teuer wurde.

„Warum soll das umgekehrte Szenario so fatal für die Weltwirtschaft sein, nur weil die Rohstoffländer unter Kaufkraftverlust leiden?“, fragt sich Halver. Zumal die gleichen Ölexperten die damals 200 Dollar für unausweichlich hielten, verkaufen nun Vision von zehn US-Dollar pro Barrel.


Die Termine der Woche

Für ihn kommen in der Diskussion die positiven Aspekte der Rohstoffschwäche zu kurz. Denn billige Vorprodukte würden die Gewinnmargen der Unternehmen und die Kaufkraft der Konsumenten in den Industrieländern gewaltig erhöhen – was einem Sonderkonjunkturprogramm ähnle.

Eines scheint zumindest klar: Die neue Handelswoche dürfte der vorangegangenen an Spannung und Hektik in nichts nachstehen. Der Fokus der Anleger wird sich Händlern zufolge auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed und erneut auf die heftigen Kursschwankungen am Ölmarkt richten. „Auch die Entwicklung in China und die anziehende US-Berichtssaison sollten die Börsen bewegen“, sagt Andreas Lipkow, Marktstratege beim Berliner Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. So stehen unter anderem Zahlen von Apple, Boeing und Johnson & Johnson an.

Erneut dürften die Anleger nach Washington blicken, wo die US-Notenbanker am Dienstag und Mittwoch zusammen kommen. „Nachdem die Europäische Zentralbank die Tür für weitere Maßnahmen im März aufgestoßen hat, richtet sich der Fokus des Marktes nun auf die Fed“, sagt Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. „Wie besorgt sind die US-Währungshüter angesichts der aktuellen Turbulenzen an den Märkten, angesichts der fallende Ölpreise, der Kapitalflucht in China oder der allgemeinen Schwäche der Schwellenländer?“

Der Ölpreisverfall, den viele Anleger als Zeichen für eine angeschlagene Weltwirtschaft sehen, wird sich nach Ansicht der Commerzbank-Experten fortsetzen. Sollten sich Medienberichte über eine Rekordförderung im Irak bestätigen, dürfte dies den Preis zusätzlich belasten. Die Aussicht auf ein weiter anschwellendes Überangebot hat den Rohstoff in den vergangenen beiden Wochen um rund 17 Prozent gedrückt.

Bei den Unternehmen steht wieder einmal die Deutsche Bank im Mittelpunkt. Am Donnerstag präsentiert der neue Chef John Cryan Details der tiefroten Jahresbilanz. Fragen gibt es noch genug: Wo brechen die Erträge im Konzern am stärksten ein? Steuert die Bank mit Kostensenkungen dagegen? Wird 2016 ein weiteres Verlustjahr, weil ein Ende der Belastungen etwa durch Rechtsstreitigkeiten nicht absehbar ist? Ist ein Börsengang der Postbank in diesem Jahr noch realistisch? Und wann beginnen nun die konkreten Gespräche zum Jobabbau in Deutschland?

Derweil kann Siemens -Chef Joe Kaeser auf der anstehenden Hauptversammlung am Dienstag bei vielen Aktionären mit Milde rechnen. Nach den zahlreichen Turbulenzen der vergangenen Jahre, nach Korruptionsaffären, Vorstandsrochaden und massenhaftem Stellenabbau sehnen sich viele Anteilseigner nach Ruhe.

Bei den Konjunkturdaten aus Deutschland sticht am Montag der Ifo-Index hervor, der die Investitionslaune der Unternehmen widerspiegelt. Am Freitag stehen die Verbraucherpreise für die Eurozone an.

Mit Material von Reuters.

Quellle:  Handelsblatt Online
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