Börsen-Ausblick: Die Todesspirale

Börsen-Ausblick: Die Todesspirale

, aktualisiert 06. Februar 2016, 12:05 Uhr
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Geht es an den Aktienbörsen weiter bergab?

von Ingo NaratQuelle:Handelsblatt Online

Anleger sind im Angst-Modus. Sie fürchten eine globale Rezession und Deflation. Aktien stehen auf den Verkaufslisten. Doch es gibt Titel, bei denen die ganz Mutigen schon zugreifen.

Frankfurt am MainDie Tagesnachricht passte gut ins Bild. Am Freitag wurde die Zahl der neu geschaffenen Stellen in den USA veröffentlicht. Analysten hatten mehr erwartet als die gemeldeten 151.000. Das war enttäuschend.

Entscheidend war weniger die einzelne Zahl. Es war etwas anderes: Die Skeptiker fühlten sich bestätigt. In den vergangenen Wochen haben die Sorgen vor einer globalen Rezession zugenommen. Der Gedanke: Ein steigender Dollar, fallende Rohstoffpreise, ein schwacher Welthandel, Turbulenzen in den Schwellenländern könnten die Ökonomien belasten.

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Die Analysten der Bank Citi haben für diese sich gegenseitig verstärkende Abwärtsdrift einen Begriff geprägt. Sie sprechen von einer „Todesspirale“. Daran habe zwar niemand Interesse. Auch würden weder die Dollarstärke anhalten noch der Ölpreis weiter stark verfallen. Doch die Citi-Experten schränken ein: „Es steht viel auf dem Spiel, vielleicht mehr als jemals zuvor seit Ende des Zweiten Weltkriegs.“

Vor allem die Notenbanken kämpfen seit geraumer Zeit gegen die deflationären Tendenzen. Dazu passt die jüngste und überraschende Zinssenkung der Bank von Japan. Sie hatte einen negativen Leitzins gesetzt, wie zuvor auch die EZB. Die Citi-Analysten glauben, dass andere Länder den Beispielen folgen werden. Sie stellen eine Frage und beantworten sie gleich: „Welche Länder könnten auf die Liste kommen? Fast jedes.“

Die Notenbanken wollen mit solchen Maßnahmen die erwähnte Todesspirale verhindern. Ein Vertreter des Institute of International Finance, einer globalen Vereinigung von Finanzinstituten, hat jetzt indirekt gewarnt. Chefökonom Charles Collyns erklärte: „Es gibt weiterhin ein echtes Problem der Nachfrageschwäche und blindem Vertrauen in die Geldpolitik, die die Nachfrageschwäche und deflationären Kräfte bekämpfen will.“


Aktien bleiben im Abwärtsmodus

Collyns spricht damit eine große Gefahr für die Finanzmärkte an. Bisher glauben die Anleger noch, dass die Notenbanken im Notfall die Finanzmärkte stützen werden und können. Doch wegen der Konjunktursorgen sind die Aktienkurse weltweit bereits stark gefallen, haben die Anleger Zuflucht in sicheren Anleihen gesucht.

In der abgelaufenen Woche bilanzieren die wichtigen Aktienmärkte Verluste von mehreren Prozent. Auch der Dax bleibt angeschlagen. Mehrmals konnte er den Abwärtsdrift seit August vergangenen Jahres gerade noch über 9300 Punkten stoppen. Doch am Freitag reichte die Kraft nicht mehr. Er schloss auf 9286 Punkten. „Der Index verabschiedet sich auf sehr gefährlichem Terrain ins Wochenende“, schlussfolgert Andreas Paciorek, Analyst vom Online-Broker CMC Markets angesichts der angespannten Lage an den internationalen Märkten.

Derzeit will sich kaum eine Bank, will sich auch kein bekannter Vermögensverwalter einem Negativszenario verschreiben. Sie halten fast durchweg an ihren positiven Ausblicken fest. „Das wirtschaftliche Umfeld ist für Aktien günstig“, urteilen beispielsweise die Analysten des großen Fondshauses Fidelity. „Die Anlegerstimmung ist auf einem Niveau, das an Panik grenzt“, heißt es. Die Fonds haben ihre Aktienquote sogar erhöht.

Besonders mutig ist Paul Doyle, Leiter europäische Aktien bei Columbia Threadneedle. Er erkennt Chancen in zwei Branchen, die am stärksten gelitten haben. „Autos sind wegen der Chinasorgen und des VW-Skandals fast so billig bewertet wie noch nie“, urteilt er. Auch europäische Bankaktien, die seit der heißen Phase der Finanzkrise 2008 extrem gelitten haben, mag der Fondsmann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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