Börsenausblick: Öl und Firmenberichte beschäftigen Anleger

Börsenausblick: Öl und Firmenberichte beschäftigen Anleger

, aktualisiert 16. April 2016, 16:23 Uhr
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Ölpumpe auf einem Ölfeld im Golfstaat Bahrain im Sonnenuntergang: Der Golfanrainer Katar ist am Sonntag Gastgeber des wichtigen Opec-Treffens.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

Trotz einer Schwäche am Freitag legten die führenden europäischen Aktienindizes die beste Woche seit Monaten hin. Nun könnte es wieder ungemütlicher für Investoren werden. Zwei große Themen dürften die Anleger umtreiben.

FrankfurtZwei große Themen dürften Anleger in der kommenden Woche umtreiben: Das Treffen der Ölproduzenten in Katar am Sonntag und die Saison der Quartalberichte der Unternehmen. Beides hätte das Potenzial, um die Aktienmärkte gehörig durcheinander zu wirbeln, meinen Analysten und Strategen.   

Am Sonntag schauen Anleger höchst gespannt auf die katarische Hauptstadt Doha. Dort werden die wichtigen erdölproduzierenden Länder des Ölkartells Opec und Russlands versuchen, sich auf eine Begrenzung der Fördermenge zu einigen. Ecuadors Ölminister Carlos Pareia hat bereits versucht, die ölproduzierende Gemeinde auf einen gemeinsamen Kurs einzuschwören. Das Treffen in Doha sei elementar für die Entwicklung des Rohölpreises in der nahen Zukunft, sagte Pareia.  „Wir hoffen, eine Übereinkunft zu erreichen, die hilft einen Markt zu kontrollieren, der aktuell extrem niedrige Preisniveaus markiert.“ Letzteres sei für niemanden gut, nicht für große Ölproduzenten, auch nicht für die Kleinen.

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Eine Einigung der Ölförderer gilt indes als unwahrscheinlich. So schließen etwa die Analysten der Helaba kurzfristig ein erneutes Nachgeben der Preise nicht aus, denn es gebe immer noch hohe Überkapazitäten am Ölmarkt. Zudem gehe der jüngste Anstieg zu großen Teilen auf das Konto von Spekulanten. Am Freitag sank der Ölpreis bereits deutlich. Der Preis für ein 159-Liter-Fass der Nordsee-Ölsorte Brent gab um gut zwei Prozent nach auf 41,54 Dollar.

Trotz einer Schwäche am Freitag legten die führenden europäischen Aktienindizes die beste Woche seit Monaten hin. Nun könnte es wieder ungemütlicher für Investoren werden.  

Die Entwicklung der Ölpreise beeinflusst die Aktienmärkte schon seit längerem in besonders auffälligem Maß. Der Preis für das „schwarze Gold“ gilt als Signal für die Einschätzung der Weltkonjunktur. Steigende Ölnotierungen hatten zuletzt die Börsen gestützt, wurde dahinter doch eine Erholung der globalen Konjunktur mit einer steigenden Ölnachfrage gesehen. Dagegen trübte ein sinkender Ölpreis die Stimmung auf dem Parkett ein. Anleger schlossen auf eine anhaltende konjunkturelle Schwäche.  

Für Bewegung am Aktienmarkt sollten zudem anstehenden Quartalsberichte der Unternehmen sorgen. Vor allem in den USA nimmt die Berichtssaison Fahrt auf. Anleger hätten sich zuletzt wieder etwas aus der Deckung gewagt, konstatiert Analyst Markus Reinwand von der Helaba. Nun komme es darauf an, dass die Kurserholung durch eine Verbesserung der Unternehmensgewinne untermauert werde, kommentiert er.

Eher pessimistisch zeigen sich die Analysten der WGZ Bank, was die jüngste Entwicklung der Firmenzahlen angeht: „In den USA ist mit einer Fortsetzung der fallenden Umsätze und Erträge zu rechnen“, meinen die Aktienspezialisten. „Zu stark sind die negativen Auswirkungen des relativ festen US-Dollar und des Investitionseinbruchs in der Erdöl- und Erdgasbranche.“

Zur Vorsicht mahnen auch Händler: Weil Aktien kurzfristig etwas überkauft seien, wäre es sicher angebracht, wenn die Märkte erst einmal eine Atempause einlegten und in eine Konsolidierungsphase einschwenkten¸ meint Markus Huber vom Wertpapierhaus City of London Markets. Dies wäre nur allzu gesund und notwendig, um den Weg zu höheren Kurse in recht naher Zukunft zu ebnen.


Zahlreiche große US-Konzerne berichten über ihr Geschäft

In dieser Woche steht jedenfalls eine Flut an Unternehmenszahlen aus US-Konzernen verschiedenster Branchen an. Gleich am Montag gewähren mit IBM und Pepsico zwei Branchenriesen Einblick in ihre Bücher. Es folgt alles, was Rang und Namen hat, unter anderem Goldman Sachs, Intel, Johnson & Johnson, American Express, Coca-Cola, Amazon, Microsoft, Verizon, Visa, General Electric, Honeywell, McDonalds. Auch europäische Unternehmen starten in die Quartalssaison mit ABB, SAP und Sartorius am Mittwoch, es folgen unter anderem Daimler und Novartis.

Wichtige Hinweise zur Konjunktur liefern könnte am Dienstag die monatliche Umfrage des Mannheimer ZEW-Instituts unter mehreren Hundert Finanzexperten über ihre Erwartungen zur Wirtschaftsentwicklung. Auf der Sitzung der europäischen Zentralbank am Donnerstag rechnen Experten dagegen nicht mit überraschenden Entscheidungen.  

Am Freitag wirkte der Aktienhandel zwar etwas müde an den Börsen. Rund um den Globus gaben die Aktienkurse meist nach. Im Vorfeld des wichtigen Treffens der Ölproduzenten in Doha hielten sich Anleger eher zurück, meinten Händler. Doch gehörte die vergangene Woche an den Börsen zur besten seit Monaten.      

So sank der deutsche Standardwerteindex Dax am Freitag um 0,42 Prozent auf 10 051 Punkte. Dennoch fuhr der Leitindex mit plus 4,5 Prozent seinen höchsten Wochengewinn seit zwei Monaten und hielt sich klar über der psychologisch wichtigen Schwelle von 10.000 Punkten. Sein Eurozonen-Pendant Euro Stoxx 50 stieg über die Woche mit 4,9 Prozent sogar stark wie zuletzt vor einem halben Jahr auf 3054 Zähler. Dem führenden US-Index Dow Jones blieb zum Handelsschluss ein Wochenplus von 1,8 Prozent bei 17897 Punkten.  

Auf die Stimmung in Europa drückten am Freitag vor allem Autowerte. Volkswagen rutschten mit einem Minus von 2,4 Prozent ans Dax-Ende, nachdem die Wolfsburger einen Absatzrückgang wegen der Abgaskrise einräumen mussten. Der französische Zulieferer Faurecia, der auch Werke in Deutschland betreibt, verschreckte seine Anleger mit einem Umsatzrückgang. Barclays und SocGen äußerten sich nach den Faurecia-Zahlen vorsichtig. In den Abwärtsstrudel gerieten Daimler, BMW und Continental. In den USA standen Aktien der Citigroup im Fokus. Bei der US-Bank schrumpfte zwar der Quartalsgewinn wegen schwächerer Handelsumsätze und Kosten für den Konzernumbau um 27 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Dennoch lag das Institut damit über den niedrig gesteckten Erwartungen der Analysten. Die Citigoup-Aktie legte an der Wall Street zunächst zu, später schmolz das Plus zusammen. Zuvor hatten bereits JP Morgan, Bank of America und Wells Fargo für Erleichterung bei Anlegern gesorgt, weil deren Quartalszahlen besser ausfielen als befürchtet.

Zu den Favoriten im Dax gehörten am Freitag Thyssenkrupp mit einem Plus von 0,5 Prozent. Firmenchef Heinrich Hiesinger gab Fusionsfantasien in der Stahlbranche neue Nahrung. Er bezeichnete Zusammenschlüsse als richtigen Schritt im Kampf gegen den weltweiten Preisdruck. Dem „Handelsblatt“ zufolge spricht der Konzern teilweise bereits länger mit dem indischen Konkurrenten Tata Steel, Salzgitter und Arcelor-Mittal.

Zudem fielen einige europäische Unternehmen mit guten Zahlen auf. Die Aktien des französischen Supermarktbetreibers Carrefour kletterten nach Q1-Zahlen über den Erwartungen knapp vier Prozent. Auch die Titel des schwedischen Bekleidungsriesen Hennes & Mauritz legten nach Absatzzahlen für März um knapp ein Prozent zu. Zudem hatte H&M-Großaktionär Stefan Persson seinen Anteil durch Käufe von 3,7 Millionen Aktien zuletzt weiter ausgebaut, wie aus einer Pflichtmitteilung an die schwedische Börsenaufsicht hervorgeht.

Die Aktien des britischen Hedgefonds-Anbieters Man Group kletterten in London nach Zahlen um gut sieben Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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