Börsengang: Uniper startet an schlechtem Dax-Tag

Börsengang: Uniper startet an schlechtem Dax-Tag

, aktualisiert 12. September 2016, 09:40 Uhr
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Die Anlage in Gelsenkirchen gehört zum Uniper-Kraftwerkpark.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Das neue Energieunternehmen Uniper, in das Eon die notleidenden Kohle- und Gaskraftwerke abgespalten hat, hat sein Debüt gegeben. Die Aktie steht vom Start weg aber unter Druck. Und die Eon-Aktie kollabiert.

DüsseldorfDer deutsche Aktienmarkt hat Zuwachs bekommen: Am Montag ist der Handel mit der Aktie von Uniper gestartet. Das Unternehmen umfasst die Kohle- und Gaskraftwerke, den Großhandel und die Gasproduktion des Eon-Konzerns. Die Mutter bringt mit dem Börsengang die Abspaltung der Sparte zum Abschluss.

Die neue Aktie ist mit einem Kurs von 10,015 Euro in den Handel gestartet. In den ersten Handelsminuten schwankte das Papier zwischen 10,00 und 10,29 Euro. Analysten hatten den Wert des Papiers auf elf bis 15 Euro taxiert. Die Eon-Aktie gab wegen der Abspaltung selbst um bis zu 13,8 Prozent auf 7,03 Euro nach. Der Dax liegt am Montagmorgen etwa 2,5 Prozent im Minus.

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Am Freitag hatte die Uniper SE die Börsenzulassung erhalten. Am Wochenende bekamen die Aktionäre von Eon die neue Aktie zugeteilt. Für jeweils zehn Eon-Anteile bekamen sie einen von Uniper. Der Energiekonzern trennte sich so von 53,35 Prozent der Aktien. Die restlichen Anteile will Eon mittelfristig auch verkaufen, muss sie aber aus steuerlichen Gründen mindestens bis 2018 halten.

Mit dem Börsendebüt von Uniper wird der Deutsche Aktien-Index (Dax) am Montag für einen Tag aus 31 Werten bestehen. Am Abend fällt der neue Titel aber aus dem Index und wird danach zunächst im Prime Standard gehandelt.

Deshalb rechnen Uniper-Chef Klaus Schäfer und Eon-Chef Johannes Teyssen in den ersten Tag auch mit gehörig Druck auf die Uniper-Aktie. An Eon sind viele Index orientierte Fonds beteiligt. Sie werden sich von der Uniper-Aktie, die sie wie alle anderen Aktionäre ins Depot gebucht bekommen hatten, trennen müssen. Uniper-Chef Klaus Schäfer hofft, dass sein Unternehmen bald in den MDax aufgenommen wird.

Der Börsengang war mit Spannung erwartet werden. Weil es ein „Spin-off“ ist, also ein aus einem Konzern herausgetrenntes Unternehmen, hatte es im Vorfeld eine große Unsicherheit über die ersten Kurse gegeben. Zudem geht Uniper in einer ausgesprochen schlechten Verfassung an die Börse.


Nettoverlust von 3,9 Milliarden Euro

Das Kohle- und Gaskraftwerke, die das Unternehmen übernommen hat, stehen seit 2011, als die Bundesregierung nach der Reaktorkatastrohe von Fukushima die Energiewende verschärft hatte, unter Druck. Weil Wind- und Solarenergie Vorrang im Netz haben, werden die konventionellen Kraftwerke aus dem Markt gedrängt.

Seit 2011 sind die Strompreise im Großhandel von mehr als 50 Euro je Megawattstunde auf aktuell gerade noch 25 Euro gefallen. Das neue Unternehmen, das Anfang des Jahres schon operativ an den Start gegangen war, hatte im ersten Halbjahr wegen Wertberichtigungen einen Nettoverlust von 3,9 Milliarden Euro verbucht.

Teyssen hatte Ende 2014 mit seinen Pläne für eine Aufspaltung des Energiekonzerns überrascht. Er bündelte in Uniper das Geschäft mit der alten Energiewelt gebündelt, die konventionellen Kraftwerke, den Großhandel und die Gasproduktion. Eon selbst konzentriert sich inzwischen auf das Geschäft mit der Energiewende, also die erneuerbaren Energien, Vertrieb und Netze.

Auch für Eon ist die Kursentwicklung von großem Interesse. Der Energiekonzern wird zum Ende des dritten Quartals, Ende September, den Buchwert der verbliebenen Uniper-Aktien an den Marktwert anpassen müssen. Da das 46,65-Prozent-Aktien-Paket derzeit noch mit 5,6 Milliarden Euro in den Büchern steht, ist schon jetzt klar, dass eine Milliarden schwere Abschreibung fällig ist.

Am Tag, an dem Uniper an die Börse geht, treibt auch RWE den Börsengang von der Ökostromtochter Innogy voran. „Die Vorbereitungen des Innogy-Börsengangs liegen sehr gut im Plan“, erläuterte RWE-Chef Peter Terium, der auf den Chefposten von Innogy wechseln wird, am Montag. Über eine Kapitalerhöhung sollen zunächst rund zehn Prozent neue Innogy-Aktien ausgegeben werden. Wie der Konzern jetzt bestätigte, ist aber zudem beabsichtigt, im gleichen Schritt weitere Aktien aus dem Portfolio der RWE AG zu platzieren. Die exakte Anzahl der Anteile, die hierbei veräußert werden, werde zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Der Gang an die Börse soll - wie geplant - im vierten Quartal 2016 abgeschlossen sein.

Die Erlöse aus der Kapitalerhöhung fließen den Angaben zufolge auf das Konto von Innogy. Die Gelder sollen überwiegend in wachstumsstarke Geschäftsfelder wie Erneuerbare Energien investiert werden, betonte Terium. Für die Jahre 2016 bis 2018 seien Investitionen von rund 6,5 Milliarden Euro in die Energiewende vorgesehen. Einnahmen aus dem Verkauf von Bestandsaktien sollen dagegen in die Kasse von RWE wandern.

Im Gegensatz zu Eon hat RWE das Ökostromgeschäft, die Stromnetze und der Vertrieb und der neuen Tochter gebündelt. Die konventionelle Stromerzeugung bleibt dagegen beim Mutterkonzern RWE.

Quelle:  Handelsblatt Online
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