Börsenjubiläum: Lufthansa-Aktie wird fünfzig

Börsenjubiläum: Lufthansa-Aktie wird fünfzig

, aktualisiert 14. April 2016, 17:09 Uhr
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So sah sie aus, die Lufthansa-Aktie aus dem Jahr 1966.

Quelle:Handelsblatt Online

Am 14. April 1966 konnten Anleger die Aktie der Fluglinie erstmals an der Börse handeln. Der Tag endete mit einem unglaublichen Plus von 192 Prozent. Zuletzt gehörte das Papier wieder zu den stärkeren Titeln im Dax.

DüsseldorfDie Deutsche Lufthansa AG feiert am Donnerstag ihr Börsenjubiläum. Die Aktie des Traditionsunternehmens wird seit nunmehr 50 Jahren an der Börse gehandelt. Das Papier wurde am 14. April 1966 zum Handel an den acht deutschen Wertpapierbörsen eingeführt. Damals noch ein Staatsunternehmen auf dem ersten Weg zur Teilprivatisierung, gehört die Kranichlinie heute zu den klassischen Titeln im Dax.

Der erste Börsentag erwies sich für die Lufthansa-Aktionäre als besonders erfolgreich: Der amtliche Börsenkurs wurde mit 2.920 DM festgestellt. Da die Aktie seinerzeit zu ihrem Nennwert von 1.000 DM begeben wurde, errechnete sich für den ersten Handelstag ein spektakulärer Kursgewinn von 192 Prozent.

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Der Börsengang fiel damals in eine Phase starken Unternehmenswachstums mit hohem Investitionsbedarf. Lufthansa zählte 1966 rund 3,7 Millionen Fluggäste, setzte 1,06 Milliarden DM um (umgerechnet 0,54 Milliarden Euro) und beschäftigte mehr als 17.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 transportierte der Lufthansa-Konzern 107,8 Millionen Fluggäste, erwirtschaftete einen Umsatz von 32,1 Milliarden Euro und zählte rund 120.000 Beschäftigte.

Bei dem Börsengang hatte die Bundesregierung im Rahmen einer größeren Kapitalerhöhung Aktien im Wert von 42 Millionen DM zum Verkauf angeboten. Dies entsprach gut zehn Prozent des Aktienkapitals in Höhe von 400 Millionen DM. Das Volumen der Zeichnungsaufträge aus dem In- und Ausland übertraf das Angebot um ein Vielfaches. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden Bewerbern jeweils nur maximal zwei Aktien zugeteilt.

Mit dem hohen Ausgabekurs von 1.000 DM zielte die Bundesregierung auf ein gehobenes Publikum ab. Lufthansa selbst sprach damals von einer „Volksaktie für den gehobenen Mittelstand“. Heute befinden sich die Anteilsscheine zu 100 Prozent in Streubesitz. Zum letzten Bilanzstichtag wurden 53,9 Prozent der Aktien von institutionellen Investoren gehalten, auf Privataktionäre entfielen 46,1 Prozent.

Die Lufthansa-Aktie ist seit Auflegung des DAX 30 im Jahr 1988 durchgehend Mitglied im Index der wichtigsten deutschen Börsenwerte. 1969 wurde erstmals eine Dividende ausgezahlt. Seitdem hat das Unternehmen 4,5 Milliarden Euro an seine Aktionäre ausgeschüttet, davon 2,9 Milliarden Euro seit dem Jahr 2000. Gänzlich in Privatbesitz ging die Lufthansa letztlich 1997 über.

Eine besondere Bedeutung, nicht nur auf dem Weg zur Börse, sondern auch in der Unternehmensgeschichte der Lufthansa im Allgemeinen, spielte ein anderes Traditionsunternehmen der Bundesrepublik – die Deutsche Bank. Bereits an der Gründung der ersten Deutschen Lufthansa 1926 war die Deutsche Bank durch ihr Vorstandsmitglied Emil Georg von Stauß maßgeblich beteiligt gewesen.

Damals entstand aus mehreren kleineren regionalen Fluglinien eine einzige nationale Fluggesellschaft. Stauß wurde erster Aufsichtsratsvorsitzender. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Alliierten die Kontrolle über die Luftfahrt und untersagten alle zivilen Flüge. Ein Flugbetrieb der Lufthansa fand nicht mehr statt. Das juristische Ende des Unternehmens folgte mit der Liquidation des Restvermögens 1951.

Der Neubeginn der zivilen Luftfahrt in Westdeutschland fand 1953 statt. Unter dem Namen „Aktiengesellschaft für Luftverkehrsbedarf“, abgekürzt Luftag, wurde ein neues Unternehmen gegründet, dessen Aktien vollständig in staatlichem Besitz waren. Bereits 1954 wurde der Name in Deutsche Lufthansa AG geändert. Im folgenden Jahr wurde der Flugbetrieb aufgenommen.

Aktie nach schwierigem Jahr zurück in der Spur

An der Spitze des Aufsichtsrats der neuen Lufthansa stand seit 1960 der Vorstandssprecher der Deutschen Bank Hermann J. Abs. Als seine Hauptaufgabe betrachtete er die finanzielle Konsolidierung des defizitären Staatsunternehmens. 1964 konnte erstmals in der Geschichte der alten und neuen Lufthansa ein Gewinn erwirtschaftet werden.

Um den Finanzbedarf zu decken, der durch die Umstellung auf Düsenflugzeuge erforderlich war, wurde 1965 eine Erhöhung des Aktienkapitals von 250 Millionen DM auf 400 Millionen DM beschlossen. Zugleich wurden private Zeichner aufgefordert, sich an der Kapitelerhöhung zu beteiligen. Der Staat verzichtete dazu auf Teile seines Bezugsrechts. Knapp 18 Prozent des Kapitals kamen dadurch in den Besitz von Privatanlegern, Versicherungen, Banken, Industrieunternehmen, Schifffahrtsgesellschaften und Reisebüros, die Aktien zum Nennwert von 1000 DM beziehen konnten.

Diese Teilprivatisierung wurde begleitet durch die Börseneinführung aller Lufthansa-Aktien, womit ein Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank beauftragt wurde. Ziel war, im Interesse der freien Aktionäre den unkontrollierten Markt in Aktien der Gesellschaft in die geregelten Bahnen der Börsen zu lenken. Zugleich diente die Börseneinführung erklärtermaßen auch der Förderung des Ansehens des deutschen Kapitalmarkts im Ausland. Am 14. April 1966 bezifferte sich der erste Kassakurs auf ein Plus von 292 Prozent. Für die ersten privaten Zeichner hatte sich das Investment gelohnt.

Doch auch aktuell sorgt die Lufthansa für Zuversicht. Nach einem schwierigen Jahr mit streikender Belegschaft und den Folgen des Germanwings-Absturzes zählt die Lufthansa-Aktie zuletzt zu den stärkeren Papieren im Dax. Schaut man sich die Performance seit genau einem Jahr an, ist die Fluglinie mit einem Kursplus von acht Prozent der drittbeste Wert in der Frankfurt Benchmark.

Und auch im bisher so schwierigen Jahr 2016 schlägt die Kranichlinie den Leitindex. Mit einem Verlust von 3,4 Prozent gehört das Papier zu den besseren im wichtigsten deutschen Börsenbarometer, gab der Dax insgesamt doch 6,5 Prozent nach. Die Linie profitiert vom gesunkenen Kerosinpreis, vor allem aber auch vom Chef Carsten Spohr, der das Unternehmen zurück in die Spur gebracht hat.

Quelle:  Handelsblatt Online
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