Boom der Fertighäuser: Das Eigenheim aus der Fabrik

Boom der Fertighäuser: Das Eigenheim aus der Fabrik

, aktualisiert 02. April 2016, 09:54 Uhr
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Hausbauer in Deutschland haben viele Vorurteile gegen Fertighäuser.

(Foto: PR)

von Martin TofernQuelle:Handelsblatt Online

Noch immer gibt es viele Vorurteile gegen Fertighäuser. Doch das Eigenheim aus der Fabrik wird auch hierzulande immer beliebter. Ein Besuch beim Marktführer, der in seinen Anfängen eine ungeliebte Beteiligung der Metro war.

DüsseldorfNoch immer haben potenzielle Hausbauer in Deutschland viele Vorurteile gegen Fertighäuser. „Die können keine Wärme speichern“, „die halten doch bestimmt nicht lange“ oder „die sind doch hässlich“ sind häufig vorgebrachte Argumente gegen die praktischen Fertighäuser. Das mag vielleicht früher gestimmt haben, heute sieht man es den Bauwerken nicht mehr an, dass sie in einer Fabrik vormontiert worden sind. Und das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider. 2015 konnte die Holzfertigbauweise ihren Marktanteil in Deutschland bei den Ein- und Zweifamilienhäusern auf 17 Prozent steigern, wie der Bundesverband Deutscher Fertigbau mitteilt. Der Fertigbauanteil liege damit so hoch wie noch nie zuvor.

Marktführer  Deutsche Fertighaus Holding AG im Hunsrück will von der guten Konjunktur profitieren und seine Produktionszahlen deutlich ausbauen. „In diesem Jahr wollen wir die Produktion von 2100 auf mehr als 3000 Häuser steigern“, erklärt Thomas Sapper, Vorstandsvorsitzender der Holding. „Das ist ein gewaltiger Sprung und eine große Kraftanstrengung. Zugleich sind wir aber sehr froh darüber, noch mehr Familien den Traum vom eigenen Haus erfüllen zu können“, so Sapper weiter. Der Umsatz des Unternehmens soll von 352 Millionen Euro im Jahr 2015 um etwa 20 Prozent auf 420 Millionen Euro steigen. Das gilt auch für die Zahl der Mitarbeiter: Derzeit Arbeiten 710 Mitarbeiter im Unternehmen, in den kommenden Monaten sollen noch 100 weitere in Montage, Produktion und Verwaltung hinzukommen. Das Geschäft läuft gut, das Unternehmen steht wirtschaftlich gut da und ist unabhängig. „Wir haben kein Fremdkapital in der Firma, außer das von der KfWEs wäre ja auch fahrlässig, wenn wir das nicht nehmen würden“, sagt Sapper.

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Auch die Deutsche Fertighaus Holding hat mal klein angefangen. Ende der 90er-Jahre war es noch eine eher ungeliebte  Beteiligung der Metro AG, die sich damals über eine Verwertungsgesellschaft namens Divaco von vielen Beteiligungen trennte, die nicht zum Kerngeschäft gehörten oder sich nicht für ein Expansion in ausländische Märkte eigneten. Dazu gehörten auch zwei Produzenten von sogenannten Ausbauhäusern, das sind Häuser, bei denen der Kunde den Innenausbau selbst macht. Sie heißen Massa Haus und Allkauf. Aus diesen Firmen entstand im Jahr 2001 die Deutsche Fertighaus Holding. Später kamen noch die Marke Okal als Premiummarke für schlüsselfertige Eigenheime hinzu sowie die Marke Ein Steinhaus, unter der massiv gebaute Häuser verkauft werden.

Wichtigster Baustoff für Fertighäuser ist Holz, genauer gesagt Fichtenholz. Das wird in Simmern in computergesteuerten Sägeanlagen zu passenden Brettern zurechtgesägt, angeschrägt, gefräst und vorgebohrt, um anschließend zu tragenden Wänden zusammengebaut zu werden. Für ein durchschnittliches Fertighaus mit etwa 140 Quadratmetern Wohnfläche braucht es das Holz von etwa zehn Fichten. Bei 3.000 Häusern sind das 30.000 Bäume. Der große Bedarf sei in Deutschland kein Problem, sagt Unternehmenschef Sapper. „Wir haben hier einen Holzüberschuss.“  Insgesamt 75.000 Kubikmeter Holz verarbeitet die Firma pro Jahr. Die Hauswände werden mit Dämmstoff versehen und verputzt, anschließend in Folie verpackt, penibel ordentlich beschriftet und anschließend mit riesigen Gabelstaplern auf einen der 70 unternehmenseigene Transporter verladen, die das Haus zum Kunden bringen.

Nachhaltigkeit beim Bauen

Wie beurteilen Mitbewerber die Leistungen der Hunsrücker? „Wir sehen uns nicht als Mitbewerber“, sagt Dietmar Spitz, Sprecher des Fertighausanbieters Baufritz in Erkheim im Allgäu. Es sei wie auf dem Automarkt, da gebe es einerseits einen Dacia und andererseits einen BMW. Man muss nicht lange überlegen, um herauszufinden, mit welcher Automarke er sein Unternehmen vergleicht. Grundsätzliche habe jeder Fertighausproduzent seine Daseinsberechtigung, aber es gebe eben Unterschiede: „Unser Produkt ist ein zertifiziertes Biohaus“, erklärt Spitz. Baufritz beschäftige allein 60 Baubiologen und habe sogar eine eigene Biodämmung aus Holzabfällen entwickelt. Das Unternehmen verkaufe im Jahr etwa 200 bis 250 Häuser. Die Nachfrage sei hoch, obwohl die Häuser im Schnitt zehn Prozent mehr kosten als andere. Die Käufer wählten hier bewusst das nachhaltige Produkt.

Doch Nachhaltigkeit hat sich auch die Deutsche Fertighaus Holding auf die Fahnen geschrieben. Unternehmenschef Sapper verweist stolz auf Zertifikate der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Zur Nachhaltigkeit gehört aber nicht nur die Verwendung möglichst vieler wiederverwertbarer Rohstoffe – schließlich ist Holz ein idealer, ökologischer Baustoff, der viel Kohlendioxid bindet und bei der Weiterverarbeitung nur noch wenig Energie benötigt. Es geht auch „Verantwortung für die Entwicklung in der Region“, also jungen Menschen in der Region eine langfristige  Perspektive zu bieten und sich vor Ort sozial zu engagieren.

Bis zum Jahr 2007 musste sich das Unternehmen kaum um Auszubildende bemühen, die Bewerbungen kamen automatisch und das gleich stapelweise. Doch plötzlich blieben die Bewerbungen aus. Heute hat das Unternehmen langfristige Schulpatenschaften übernommen und betreibt Projekte mit Schülern in der Schule, um sie für eine Ausbildung zu begeistern. Und es tut noch mehr: „Wir unterstützen die Sanierung der Geburtenstation im Krankenhaus in Simmern finanziell. Sonst kriegen wir keine jungen Familien mehr hierher“, erklärt Sapper. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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