BP Energy Outlook: Öl und Gas bleiben noch lange wichtig

BP Energy Outlook: Öl und Gas bleiben noch lange wichtig

, aktualisiert 10. Februar 2016, 16:19 Uhr
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Im Jahr 2035 werden noch vier Fünftel der Primärenergie aus fossilen Brennstoffen stammen, schätzt der aktuelle BP Energy Outlook. Um die Nachfrage zu sättigen, werden dazu wohl auch Quellen in arktischen Wässern angezapft.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Kohle ist unbeliebt, der Ölpreis fällt – auf den ersten Blick geht es fossilen Brennstoffe schlecht. Doch die Nachfrage wird auch künftig deutlich steigen, behauptet eine neue Energieprognose.

DüsseldorfMan könnte meinen, das Ende der fossilen Brennstoffe sei eingeläutet. Der Ölpreis laviert im Dauertief und während Energieunternehmen Gaskraftwerke wegen zu hoher Kosten abschalten, produziert Windkraft an vielen Standorten schon den günstigsten Strom. Doch weit gefehlt, sagen nun die Experten des BP Energy Outlooks.

Der Bericht findet wegen seiner treffsicheren Prognosen regelmäßig internationale Anerkennung. Wie gewohnt schauen die Analysten dabei nicht nur auf das laufende Jahr, sondern auch weit darüber hinaus, bis 2035. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse des Ausblicks:

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1. Die Welt dürstet nach mehr Energie

Der weltweite Bedarf an Primärenergie wird bis 2035 deutlich steigen – es geht dabei um Energie aus den ursprünglichen Ressourcen, also von Öl und Kohle bis hin zu Biomasse und Windkraft. Insgesamt soll sich die Nachfrage in den kommenden 19 Jahren um mehr als ein Drittel erhöhen. Das entspricht umgerechnet einem jährlichen Wachstum von 1,4 Prozent.

2. Änderungen im Energiemix sind nötig

Dem immensen Anstieg müssen Veränderungen bei der Nutzung von Ressourcen folgen. „Der Energiemix wird weniger stark auf Kohlenstoffen basieren. Dennoch könnten politische Eingriffe nötig sein, um CO2-Emissionen zu reduzieren“, sagt Bob Dudley, Geschäftsführer von BP.

Über die nächsten 20 Jahre werde sich der Ausstoß von Kohlenstoff reduzieren. Jährlich, so schätzt BP, nehmen die CO2-Emissionen um 0,9 Prozent zu. In den zurückliegenden 20 Jahren waren es noch 2,1 Prozent pro Jahr. Damit verlangsame sich das Wachstum zwar – von Schrumpfen kann jedoch keine Rede sein.

Wegen des aktuellen Verfalls der Öl- und Gaspreise sei daher notwendig, sich nicht nur an die neuen Gegebenheiten anzupassen, sondern sich auch den kommenden Herausforderungen zu stellen.


Erneuerbaren gehört die Zukunft

3. Die Ära von Öl und Gas ist längst nicht am Ende

Wer jetzt glaubt, dass grüne Energien fossile Brennstoffe ablösen werden, der irrt. Die steigende Nachfrage werde in Zukunft laut BP zu mehr als der Hälfte von fossilen Ressourcen gestillt. 2035 sollen Primärenergie immer noch zu 80 Prozent aus diesen Rohstoffen gewonnen werden.

Auch Gas werde jährlich um 1,8 Prozent wachsen, Öl etwa halb so schnell. Schlechte Aussichten gibt es indes für die Kohle: Ihr Anteil am Energiemix soll bis 2035 auf ein Allzeit-Tief sinken.

4. Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Am schnellsten aber – und darin wiederholt sich eine Feststellung früherer Energy Outlooks – werden Erneuerbare Energien wachsen. Jedes Jahr soll es um 6,6 Prozent nach oben gehen. So erhöhe sich ihr Anteil am Energiemix bis 2035 von derzeit drei auf dann neun Prozent.

Mehr als die Hälfte des weltweit steigenden Energiebedarfs wird für die Stromerzeugung benötigt, insbesondere in jenen Regionen, in denen Menschen heute noch keinen Zugang zu Elektrizität haben. Gerade in diesem Bereich könnten Erneuerbare punkten. Sie werden den BP-Analysten zufolge ein Drittel des Zuwachses bei der Stromerzeugung ausmachen.

5. Die Bevölkerung wächst und wächst und wächst

„Der Energiebedarf wird in den nächsten 20 Jahren steigen, weil die Weltwirtschaft wächst“, sagt Spencer Dale, Leiter der Studie und Chefökonom von BP. Im untersuchten Zeitraum werde sich demnach das globale Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppeln, nicht zuletzt dank der chinesischen und indischen Wirtschaft.

Grund dafür ist nicht zuletzt die weiter steigende Weltbevölkerung. 2035 könnten bereits 8,8 Milliarden Menschen die Erde bewohnen – Ende 2015 waren es noch 7,3 Milliarden.


Keine Entspannung am Öl- und Gasmarkt

6. Öl- und Gasproduktion steigt

Das Angebot an Erdgas soll sich BP zufolge bis 2035 deutlich erhöhen. Das liege nicht zuletzt an einem starken Zuwachs der globalen Schiefergas-Produktion. Der Anteil am gesamten Gas-Angebot werde sich von zehn Prozent im Jahr 2014 auf ein Viertel im Jahr 2035 vervielfältigen.

Ähnlich sieht es beim Angebot auf dem Ölmarkt aus. Dieses werde, im Vergleich zum heutigen Stand von etwa 97 Millionen Barrel (159 Liter) pro Tag um etwa 19 Millionen Barrel steigen. Dafür seien vor allem nicht-Opec-Länder wie die USA verantwortlich. Dennoch werde die Organisation erdölexportierender Länder ihren Marktanteil von 40 Prozent behaupten.

Dazu passt eine Vorhersage der norwegischen Ölberatung Rystad Energy. Sie prognostizieren allein dem Schieferöl in den USA einen Anstieg von derzeit 5,2 Millionen Barrel pro Tag auf 8,0 Millionen Barrel bis 2020.

Bereits am Dienstag verkündete die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Prognosen zum Öl 2016. Sie sieht in den nächsten Monaten keine Entspannung am Markt. Ein wichtiger Grund sind die Interessenskonflikte innerhalb der Opec. „Anhaltende Spekulationen über eine Vereinbarung zwischen Opec-Staaten und führenden Produzenten außerhalb der Opec für eine Förderkürzung scheinen nichts als Spekulationen zu sein“, erklärte die in Paris ansässige Agentur. Die Opec selbst geht davon aus, dass seine Konkurrenten bis Jahresende weniger Öl fördern werden.

Doch die IEA rechnet nicht damit, dass sich Angebot und Nachfrage ausgleichen. Ein Grund dafür ist die derzeit nur langsam sinkende Förderung von Schieferöl in den USA. So herrsche auch in der zweiten Jahreshälfte noch ein Überangebot von 300.000 Barrel pro Tag.

Dabei werde die Nachfrage bis Jahresende von aktuell 94,5 Millionen Barrel auf 96,4 Millionen Barrel pro Tag anziehen, schätzt die IEA. Am Mittwoch konnte sich der Ölpreis etwas erholen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 30,92 Dollar und damit 60 Cent mehr als am Vortag.

Quellle:  Handelsblatt Online
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