Brain-Drain-Risiko: Darum vergraulen Chefs ihre besten Talente

Brain-Drain-Risiko: Darum vergraulen Chefs ihre besten Talente

, aktualisiert 10. Oktober 2016, 10:42 Uhr
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Viele Unternehmen sind selbst schuld daran, dass junge Mitarbeiter das Weite suchen.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

In Deutschland sind neun von zehn jungen Mitarbeitern offen für einen neuen Job. Vor allem wenn die Young Professionals unzufrieden mit dem Chef sind, verlieren Unternehmen den Kampf um die begehrten Talente.

DüsseldorfNeun von zehn Young Professionals sind offen für einen neuen Job. Jeder fünfte sucht sogar aktiv nach einem neuen Arbeitgeber. Allzu schwierig dürfte ihre Suche nicht werden, denn zwei Drittel aller Young Professionals haben in den vergangenen zwölf Monaten Jobangebote von anderen Unternehmen erhalten – und das völlig unabhängig davon, ob sie eine neue Perspektive suchen oder nicht.

Im Schnitt erhalten sie 3,6 Jobangebote, vor zwei Jahren waren es nur 2,6 Angebote. Das Risiko, dass Mitarbeiter ihren Arbeitgeber verlassen, ist aktuell in den Branchen Medien und Werbung, Consulting und Wirtschaftsprüfung sowie Banken und Versicherungen am höchsten. Das ist das Ergebnis des Young Professional Barometers 2016, das von dem Marktforschungsunternehmen Trendence erstellt wird. Dabei befragen die Experten für Personalmarketing jedes Jahr rund 10.000 junge berufstätige Akademiker aller Branchen mit bis zu zehn Jahren Berufserfahrung zu ihren Karriereplänen und Wunscharbeitgebern.

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Ein wesentlicher Treiber der Wechselwilligkeit ist die Unzufriedenheit der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitgeber. Young Professionals, die aktuell sehr unzufrieden sind, begeben sich fast siebenmal häufiger aktiv auf die Suche nach einem neuen Job als sehr zufriedene Mitarbeiter. „Unternehmen, die ihre Mitarbeiter langfristig halten wollen, müssen die Unzufriedenheit im Unternehmen bekämpfen und dafür vor allem in die Führungskompetenz ihrer Führungskräfte investieren“, erklärt Trendence-Geschäftsführer Holger Koch.

Denn unzufrieden sind die jungen Berufstätigen in erster Linie mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten, erst mit deutlichem Abstand folgen ein nicht ansprechendes Gehalt und mangelnde Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. Besonders in der Branche Transport, Logistik und Tourismus ist die Unzufriedenheit mit dem Chef groß: Über die Hälfte der Mitarbeiter kritisiert den Führungsstil im Unternehmen.


BMW ist Wunscharbeitgeber Nummer eins

Am zufriedensten sind die Mitarbeiter der Automobilindustrie, die gleichzeitig auch die beliebteste Branche der Young Professionals bei der Suche nach einem neuen Job ist, gefolgt von der Branche Forschung, Pharma und Gesundheit. BMW führt das Ranking der beliebtesten Arbeitgeber vor der Bosch Gruppe, AUDI, Google und Daimler/Mercedes-Benz an. Als bestplatziertes Forschungsunternehmen landet die Fraunhofer-Gesellschaft auf Rang 7. Vor allem Frauen wollen in der Branche arbeiten, während Männer die Automobilindustrie vorziehen.

Die Gender Pay Gap ist Realität. Männer erhalten im Schnitt 59.400 Euro brutto Jahresgehalt. Frauen bekommen mit 47.900 Euro 19,4 Prozent weniger Gehalt. In der Konsumgüterbranche ist die Differenz am größten: Hier beträgt die Lücke 32,4 Prozent. Auch in den Branchen Transport, Logistik und Tourismus, Banken und Versicherungen, Handel sowie Telekommunikation und IT bekommen Frauen mindestens 20 Prozent weniger Geld als Männer.

Am ausgeglichensten ist das Verhältnis in den Branchen Ingenieurdienstleistungen und Bau, Recht sowie im Öffentlichen Sektor. Die Gender Pay Gap liegt bereits beim Berufseinstieg bei über elf Prozent. Nach fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung verdoppelt sie sich auf 24,2 Prozent.

Die kompletten Rankings erhalten Sie auf der Trendence-Website unter „Downloads“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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