Brexit – Boris Johnson vs J.K. Rowling: Monsterbacke

Brexit – Boris Johnson vs J.K. Rowling: Monsterbacke

, aktualisiert 20. Juni 2016, 18:37 Uhr
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Der ehemalige Londoner Bürgermeister kämpft für einen Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Das Finale der Kampagne der britischen Befürworter eines EU-Austritts läuft. Vorkämpfer Boris Johnson wirbt auch in sozialen Netzwerken für sein Vorhaben. Kontra gibt unter anderem die Erfinderin von Harry Potter.

LondonBuh, wer hat Angst vor den bösen EU-Feinden? J.K. Rowlin, die Erschafferin des Zauberlehrlings Harry Potter, auf jeden Fall nicht. „Ich bin nicht auf vielen Gebieten ein Experte, aber ich weiß wie man Monster erschafft“, schrieb Rowling am Montag auf ihrer Homepage. Und in der Brexit-Debatte hätten die erbitterten Kombattanten viele fürchterliche Monster erschaffen. Erzschurken wie Hannibal Lecter, Big Brother oder Voldemort, unbesiegbare, unsterbliche Monster, die unsere Urängste heraufbeschwören.

Ob sich Boris Johnson in dieser Beschreibung wiederfindet? Der durchaus exzentrische Londoner Ex-Bürgermeister und Anführer des Brexit-Camps gilt eigentlich eher als charmanter Seelenfänger, der die Menschen mit Witz und Chuzpe auf seine Seite zieht.

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Am Montag lieferten sich Rowling und Johnson ein publizistisches Fernduell. Einen Kampf der Giganten. King Kong gegen Godzilla, um in Rowlings Monster-Bild zu bleiben. Großbritanniens beliebteste Schriftstellerin gegen den derzeit populärsten Politiker der Insel.

„Was hat das 'Remain Camp' im Angebot? Nichts, keinen Wechsel, keine Verbesserung, keine Reform, nicht als die stetige und elende Erosion der parlamentarischen Demokratie in diesem Land”, schimpfte Johnson über Facebook. Und: „Wenn wir für den Verbleib in der EU stimmen, bleiben wir eingesperrt auf dem Rücksitz eines Taxis, gesteuert von jemanden, der kein richtiges Englisch versteht und fahren in eine Richtung, in die wir nicht wollen“.

Für Rowling ist das Monster das Johnson heraufbeschwört nichts als ein aufgeblasener Popanz: “Die Leave Kampagne verkauft sich selbst als die mutige Option“, schreibt die Autorin. „Man muss nur daran glauben, von der Klippe springen, dann wird einen die Nationalflagge schon auffangen“. Für Rowling sind das die Parolen von „Mini-Trumps, die schwören, dass alles gut geht, wenn man ihnen vertraut“.


Wer gewinnt das Duell?

Zumindest von der Haarpracht her erinnert Johnson tatsächlich ein kleines bisschen an Donald Trump und ähnlich wie der umstrittene Republikaner hat auch Johnson keine großen Probleme, dahin zu gehen, wo es rhetorisch weh tut. Schließlich war er als Londoner Bürgermeister für seine kunstvollen Beleidigungen bekannt. Die Küstenstadt Portsmouth war für ihn schlicht, „überfüllt mit Drogen, Fettleibigkeit, Versagen und Labour-Abgeordneten“.

Den Euro mag der Konservative auch nicht besonders. Der habe „eine ganze Generation junger Leute auf den Schrotthaufen der Geschichte geworfen“, während die Brüssler Politik mit ihrer „bankrotten Ideologie“ teilnahmslos zuschaue.

Könnte JK Rowling tatsächlich zaubern, müsste sich Johnson wohl ernsthafte Sorgen machen. Denn die Harry-Potter-Autorin hält es für eine Schande, dass die EU-Gegner das Europäische Einigungsprojekt, das einst „aus dem kollektiven Wunsch hervorging, nie mehr einen Krieg auf dem Kontinent zu erleben“, so darstellt als wäre es ein „Orwellscher Monolith mit einem Wunsch nach Kontrolle wie Big Brother.“ Natürlich sind nicht alle Brexit-Freunde “Rassisten und Scheinheilige”, das räumt auch Rowling ein. Aber nur um im gleichen Satz hinzuzufügen: “Es wäre auch Unsinn zu behaupten, dass Rassisten und Scheinheilige sich nicht im Brexit-Lager sammeln würden”.

Und wer gewinnt am Ende das Duell Rowling oder Johnson? Zumindest von der Reichweite her wirkt der Politiker wie ein Zwerg im Vergleich zur Harry-Potter-Riesin. Auf 5 Millionen Fans bringt es Rowling auf Facebook, Johnson kommt gerade einmal auf ein Zehntel. Aber Rowling weiß, dass auch Zauberlehrlinge dem Meister Ärger machen können, so wie in Goethes Gedicht: „Nein, nicht länger Kann ichs lassen; Will ihn fassen. Das ist Tücke! Ach! nun wird mir immer bänger! Welche Miene! welche Blicke!“

Quelle:  Handelsblatt Online
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