Brexit: Britische Notenbank fürchtet um 75.000 Finanzjobs

Brexit: Britische Notenbank fürchtet um 75.000 Finanzjobs

, aktualisiert 01. November 2017, 13:03 Uhr
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Blick auf den Londoner Finanzdistrikt.

Quelle:Handelsblatt Online

Die britische Notenbank schließt sich einer Schätzung an, wonach in Großbritannien durch den EU-Austritt etwa 75.000 Stellen bei Banken und Versicherungen wegfallen dürften. Manche Banken verlagern bereits Posten.

LondonDie britische Notenbank rechnet mit einem deutlichen Aderlass in der Finanzbranche durch den geplanten Ausstieg aus der EU. Zentralbank-Vize Sam Woods nannte einen Verlust von bis zu 75.000 Arbeitsplätzen bei Banken und Versicherern „plausibel“. Vor einem Ausschuss des Oberhauses sagte er am Mittwoch, zum angestrebten Brexit-Zeitpunkt im März 2019 könnte der wichtige Wirtschaftszweig bereits rund 10.000 Jobs eingebüßt haben.

Die Austrittspläne bereiten nicht nur britischen, sondern auch amerikanischen und asiatischen Finanzinstituten Sorgen. Denn nach dem Brexit können Geldhäuser von London aus voraussichtlich keine Produkte mehr in den verbleibenden 27 EU-Staaten verkaufen. Dafür erforderlich ist dann eine Lizenz in einem dieser Länder. Allein bei britischen Finanzdienstleistern und Versicherungen sind insgesamt rund 1,1 Millionen Menschen beschäftigt, die meisten davon im Inlandsgeschäft. Einige Unternehmen haben bereits Mitarbeiter aus Großbritannien abgezogen, mehrere Tausend Jobs dürften etwa nach Frankfurter verlagert werden. Andere Unternehmen warten ab, ob sich die EU und die Regierung in London auf eine Übergangsphase für einen reibungslosen Brexit einigen können.

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Zu den drohenden Stellenverlusten der Finanzindustrie in Großbritannien gibt es bislang sehr unterschiedliche Schätzungen. Die Brüsseler Forschungsgruppe Bruegel sagte einen Abbau von 30.000 Jobs voraus. Der Chef der Londoner Börse, Xavier Rolet, brachte dagegen sogar die Zahl von 232.000 ins Spiel. Die von Notenbank-Vize Woods angeführte Spanne von 65.000 bis 75.000 Arbeitsplätzen stammt seinen Worten zufolge zwar nicht von der Bank von England selbst, sondern von der Beratungsfirma Oliver Wyman. Deren Schätzung liege aber in einem glaubhaften Rahmen möglicher Szenarien.

Die Investmentbank Goldman Sachs etwa hat sich im Zuge des Brexit entschieden, ihren Standort in Frankfurt auszubauen. In der Mainmetropole bezieht Goldman Sachs 2019 neue Büroräume, die Platz für rund 700 Banker bieten würden. Bislang beschäftigt das Institut rund 200 Mitarbeiter in Frankfurt. Auch die Wall-Street-Rivalen JPMorgan, Citi und Morgan Stanley haben entschieden, wichtige Teile ihres Geschäfts an den Main zu verlagern.

Allerdings hofft Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein dennoch, ein neues Europa-Hauptquartier in London auch nach dem britischen EU-Austritt füllen zu können. „Bin in London. Hier investiert Goldman Sachs weiterhin in sein neues, großes Euro-Hauptquartier. Erwarte/hoffe es zu füllen, aber vieles liegt außerhalb unserer Kontrolle. #Brexit“, hatte Blankfein Anfang der Woche getwittert. Das Bürogebäude in der britischen Hauptstadt soll ebenfalls ab 2019 auf gut 100.000 Quadratmetern Platz für 6.000 Mitarbeiter in Großbritannien bieten. Einem Insider zufolge ist Goldman Sachs aber nicht verpflichtet, das gesamte Bürogebäude zu mieten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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