Brexit drückt Währung: Fußball-EM wird für England teurer – das Pfund fällt

Brexit drückt Währung: Fußball-EM wird für England teurer – das Pfund fällt

, aktualisiert 24. Februar 2016, 12:48 Uhr
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Luxushotel in Chantilly: Das Quartier der englischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich.

Quelle:Handelsblatt Online

Am 23. Juni stimmen die Briten über einen möglichen Ausstieg aus der Europäischen Union ab. Die Sorge vor einem „Brexit“ drückt bereits deutlich auf die Währung. Das macht Geschäfte in Euro teurer für Engländer.

London/DüsseldorfMitten während der Fußball-Europameisterschaft der Herren wird England über einen Ausstieg aus der Europäischen Union abstimmen. Das politische Großereignis wirft vor allem an den Währungsmärkten seinen Schatten voraus. Das Pfund rutscht seit Bekanntgabe des Abstimmungsdatums deutlich, im Umkehrschluss zieht der Euro an – auf 0,789 Pfund, so viel wie seit Ende 2014 nicht. Allein seit Jahresbeginn hat der Euro 6,6 Prozent gegenüber der britischen Währung gewonnen.

Für die englische Nationalmannschaft bedeutet das zunächst: Der Ausflug in das Europameisterschafts-Quartier in Chantilly in der Nähe von Paris wird teurer als gedacht. Mehrere hundert Euro kostet Medienberichten zufolge eine Übernachtung im „Auberge du Jeu de Paume“, das fallende Pfund macht die Reise teurer. Gelingt mindestens der Einzug ins Achtelfinale (ab 25. Juni), könnte die Nationalmannschaft später in ein Land zurückkehren, dass der EU den Rücken gekehrt hat – und dem Pfund womöglich einen Stoß in den Rücken.

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Denn sollte sich Großbritannien für einen Austritt entscheiden, hätte dies verheerende Folgen für die Währung, erwarten Volkswirte in einer Bloomberg-Umfrage. Innerhalb einer Woche nach der Abstimmung werde die britische Währung auf oder unter 1,35 Dollar absacken, sagen 29 der befragten 34 Experten. Das wäre das niedrigste Niveau seit 1985. Derzeit liegt die Währung etwa bei 1,39 Dollar.

Dreiundzwanzig der befragten Ökonomen rechnen nicht damit, dass sich das Pfund innerhalb von drei Monaten nach der Abstimmung am 23. Juni von diesem Niveau wieder erholen werde. Sieben erwarten sogar einen Einbruch der britischen Währung unter die Marke von 1,20 Dollar gleich nach der Abstimmung. Lediglich einer sieht das Pfund über 1,40 Dollar – also auf einem leicht höheren Niveau als aktuell.

Das Pfund hat in diesem Jahr bereits mehr als zwei Prozent gegenüber jeder anderen Währung der größten zehn Währungsräume nachgegeben. Neben der Angst vor einem EU-Austritt drücken auch die holprige Erholung und die Aussicht auf Zinserhöhungen auf die Stimmung. Die Talfahrt hat sich noch beschleunigt, nachdem Premierminister David Cameron am Samstag den Abstimmungstermin ankündigte. Von Politikern bis hin zu Unternehmen geben jetzt alle ihre Ansichten zu dem Thema zum Besten.


Harte Monate für das Pfund

„Eine Entscheidung für einen Brexit würde das Pfund hart treffen“, erwartet Nick Kounis, Leiter Makro-Analyse bei der niederländischen Bank ABN Amro. Er rechnet damit, dass das Pfund innerhalb einer Woche nach einem Votum für einen Austritt unter 1,20 Dollar fallen würde. Die britische Währung würde „durch die negativen Implikationen für das Wachstum und damit die Zinsen“ belastet, „aber auch wegen der Kapitalabflüsse und Bedenken hinsichtlich der Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits“.

Die britische Notenbank würde auf ein Austritts-Votum mit einer Zinssenkung reagieren, erwartet Enrique Diaz-Alvarez, Risikochef beim Währungshändler Ebury. Er hat den Euro-Pfund-Wechselkurs im zweiten Quartal 2015 einem Bloomberg-Ranking zufolge am korrektesten vorhergesagt. Zu einem solchen Schritt könne es bereits am Tag nach der Abstimmung kommen, erwartet er.

„Im Verlauf der letzten Jahre lautete das bestimmende Thema, wie Währungen von der Haltung der Zentralbanken dominiert wurden“, sagt Diaz-Alvarez. „Sollte es zu einem Brexit kommen, würden wir eine sofortige Antwort der Bank of England sehen.“ Dabei würden die Zinsen auf Null gesenkt und alle Chancen auf Zinserhöhungen in nächster Zukunft eliminiert werden, erwartet er.

Das Pfund pendelt bereits um den niedrigsten Stand seit knapp sieben Jahren. Am Mittwoch büßte es den dritten Tag in Folge ein und fiel 0,7 Prozent auf 1,314 Dollar zurück, das niedrigste Niveau seit 2009.

„Ich kann mir sehr gut einen anfänglichen Einbruch des Pfund um bis zu zehn Prozent vorstellen, aber ich rechne nicht damit, dass das anhält, sondern dass eine Erholung folgt“, sagt Peter Dixon, Volkswirt bei der Commerzbank in London. „Wenn alles darauf hindeutet, dass Großbritannien für einen Brexit stimmt, ist es wahrscheinlich, dass ein Großteil der Pfund-Talfahrt vor dem Abstimmungstag erfolgt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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