Brexit-Hängepartie: Auslands-Banker wollen nach Hause

Brexit-Hängepartie: Auslands-Banker wollen nach Hause

, aktualisiert 06. April 2017, 11:48 Uhr
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PwC-Daten zufolge gibt es rund 45.000 EU-Bürger, die im Finanzdienstleistungssektor in London tätig sind.

Quelle:Handelsblatt Online

Citigroup, Goldman Sachs und HSBC: Ausländische Angestellte großer Banken in London fordern, in ihre Heimatländer zurückversetzt zu werden. Der Grund ist einfach: Die Topbanker sind des Wartens auf den Brexit leid.

LondonWeil sie nach Monaten des Wartens keine Lust mehr auf Spekulationen haben, ob ihr Job gestrichen oder verlegt wird, ergreifen ausländische Mitarbeiter der größten Banken in London selbst die Initiative: Sie bitten darum, wieder in ihre Heimatländer versetzt zu werden. Das meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf Insider.

Angestellte der Großbanken Citigroup, Goldman Sachs und HSBC haben sich demnach freiwillig dazu bereiterklärt, in ihre Heimatländer innerhalb der Europäischen Union zurückzukehren, sollte ihr Arbeitgeber nach dem Brexit Mitarbeiter verlagern müssen.

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Bei der französischen Bank Société Générale sind bereits mindestens zwei Händler nach Frankreich und Italien zurückgekehrt, heißt es. Sie erwarten demnach, dass die Bank damit beginnt, ihre in London arbeitenden Kollegen über den Kontinent hinweg umzuverteilen. Einige global tätige Banken haben bereits damit begonnen, einen Teil der in London angesiedelten Geschäftsbereiche zu bestehenden Finanzzentren innerhalb der EU zu verlagern, etwa nach Dublin, Paris oder Frankfurt. Am vergangenen Mittwoch hatte Großbritannien den formalen Prozess für den Austritt aus der EU ausgelöst.

Offenbar stellen sich viele Finanzfirmen auf einen sogenannten harten Brexit ein. Das würde bedeuten, dass sie das Recht verlieren, von London aus die gesamte EU mit Finanzdienstleistungen zu versorgen. Um dem zuvor zu kommen, bemühen sich die Institute darum, funktionierende Niederlassungen innerhalb der EU aufzubauen, – und das, bevor die zweijährigen Verhandlungen zwischen Großbritannien und Brüssel abgelaufen sind. HSBC zum Beispiel will laut Insiderkreisen bis zu 1000 Händler von London nach Paris verlagern.


London könnte 10.000 Banker verlieren

Der Brexit könnte somit letztlich zur Umkehr eines Trends beitragen: Jahrzehntelang zogen gute Betriebswirte und Finanzspezialisten aus der EU nach London, um dort eine Karriere in der Finanzbranche anzustreben. Schließlich hatten dort die globalen Investmentbanken ihre europäische Zentrale.

Das kehrt sich nun um. Banker setzen darauf, in Zukunft wieder in ihren Heimatländern arbeiten zu können. Angesichts des Fachkräftemangels in den meisten EU-Finanzzentren hoffen Bankmanager laut Bloomberg, dass sie ihre neuen EU-Niederlassungen größtenteils mit den dann ehemaligen Londoner Mitarbeitern besetzen können, die schlichtweg nach Hause zurückkehren müssen. Das könnte den Instituten auch Kosten sparen – etwa für die Gewinnung neuer Mitarbeiter oder die finanzielle Entschädigung für britische Banker, die lieber in ihrer Heimat London bleiben wollen.

Schätzungen der Denkfabrik Bruegel zufolge könnte London rund 10.000 Banker und 20.000 Stellen in der Finanzdienstleistung verlieren, während Kunden 1,8 Billionen Euro an Anlagewerten nach dem Brexit aus Großbritannien abziehen könnten. Andere Prognosen gehen von bis zu 232.000 Stellen aus – oder sehen nur rund 4.000 Jobs betroffen. Die Schätzungen gehen also noch weit auseinander. Laut der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sind rund 45.000 nicht-britische EU-Bürger im Londoner Finanzzentrum tätig.

Quelle:  Handelsblatt Online
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