Brexit-Schock: Keine Gnade für europäische Banken

Brexit-Schock: Keine Gnade für europäische Banken

, aktualisiert 27. Juni 2016, 13:16 Uhr
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Europaweit stehen Finanztitel unter Druck. Analysten senken ihre Gewinnerwartungen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der von britischen Wählern befürwortete „Brexit“ ist ein Debakel vor allem für europäische Banken. Ihre Aktien kollabieren, Analysten senken die Gewinnerwartungen. Der Handel wird teilweise ausgesetzt.

An der britischen Börse ist am Montag der Handel mit mehreren Aktien ausgesetzt worden. Kursstürze vor allem bei Bankaktien lösten Sicherheitsmechanismen der Handelssysteme aus, nach Wiederaufnahme rutschte das Papier der Großbank Barclays mehr als zehn Prozent ab, die Royal Bank of Scotland gab mehr als 13 Prozent nach.

Die Unsicherheit nach dem EU-Referendum in Großbritannien erfasst den breiten Aktienmarkt und das Pfund, doch vor allem Finanztitel leiden. Analysten senken die Gewinnerwartungen für große Investmenthäuser. Sie sorgen sich, dass wichtige große Firmenübernahmen abgeblasen werden könnten und auch das Wertpapiergeschäft leiden dürfte – auch wenn die Handelsbelebung im Zuge der Brexit-Krise in manchen Bereichen des Handels zu Umsatzzuwächsen führen dürfte.

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Einnahmen aus einzelnen Geschäftsbereichen dürften „einbrechen“ und bei europäischen Banken um mehr als 30 Prozent zurückgehen, so Chirantan Barua, Analyst bei Sanford C. Bernstein. Analysten von Citigroup und JP Morgan senkten ebenfalls ihre Erwartungen an Einnahmen aus Wertpapieremissionen in Großbritannien und Europa.

„Keiner weiß etwas mit dem Ergebnis des Brexit-Referendums anzufangen“, sagte ein Börsianer. „Schließlich ist es schwer, zu beurteilen, was das für die Wirtschaft bedeutet. Es wird turbulent bleiben und eher abwärts gehen.“

Aus Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexit flüchten Anleger aus europäischen Finanzwerten. Ihre Verkäufe drückten die Aktien einiger Institute wie Deutsche Bank oder der HVB-Mutter Unicredit auf Rekordtiefs. Der europäische Banken-Index, der am Freitag mit einem Minus von knapp 15 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte eingefahren hatte, fiel am Montag um weitere sieben Prozent auf ein Vier-Jahres-Tief von 119,66 Punkten.


Deutsche Bank mehr als neun Prozent im Minus

Die Deutsche Bank verlor zeitweise mehr als neun Prozent auf knapp über 12 Euro. Einem Börsianer zufolge strich Analyst Kian Abouhossein von JPMorgan seine Übergewichtungs-Empfehlung für die Papiere des Finanzkonzerns. Damit habe einer der letzten Optimisten seine positive Einschätzung geändert, kommentierte der Börsianer die Abstufung.

Die Commerzbank gab mehr als fünf Prozent auf 5,86 Euro nach und damit nur minimal über ihrem Drei-Jahres-Tief vom Freitag. An der Mailänder Börse brachen Unicredit um bis zu 8,9 Prozent auf 1,89 Euro ein. In Zürich waren Credit Suisse mit 10,21 Franken ebenfalls so billig wie nie zuvor. Letztere litten zusätzlich unter negativen Analystenkommentaren.

Die laufende Woche werde für die Banken zwar „in Bezug auf Handelsvolumen okay sein“, sagte Joseph Dickerson, Analyst bei Jefferies. Doch wichtige Emissionen im Aktien- und Anleihengeschäft dürften zumindest aufgeschoben werden.

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon hatte davon berichtet, dass die Bank am Freitag Rekordumsätze im Devisenhandel verzeichnet habe. An einem Punkt seien mehr als 1000 Transaktionen in der Sekunde verarbeitet worden.

Die Unsicherheit rührt auch daher, dass befürchtet wird, dass einige Banken noch „Bomben in ihren Handelsbüchern“ haben könntetn, so Gary Greenwood, Analyst von Shore Capital. Allerdings hoffe er, dass große Positionen ausreichend abgesichert worden seien.

Quelle:  Handelsblatt Online
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