Britische Banken: Royal Bank of Scotland versagt im Stresstest

Britische Banken: Royal Bank of Scotland versagt im Stresstest

, aktualisiert 30. November 2016, 09:34 Uhr
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Eine Filiale in London: Die quasi verstaatlichte Bank muss nun zusätzliches Eigenkapital aufbringen.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Die angeschlagene britische Großbank in Staatshand muss als Folge der Untersuchung mindestens zwei Milliarden Pfund an weiterem Kapital aufbringen. Zwei weitere Großbanken zeigten ebenfalls Schwächen beim Stresstest.

LondonEs war eine neue Hürde, die die Bank of England in den diesjährigen Stresstest eingebaut war. Und sie hat britische Großbanken ins Stolpern gebracht: ihre systemische Bedeutung. Die Aufseher berücksichtigen damit die Auswirkungen, die ein Zusammenbruch der Institute für das globale Finanzsystem hätte, und haben so die Prüfung der Belastbarkeit deutlich erschwert.

Am Ende war es vor allem die quasi verstaatlichte Royal Bank of Scotland, die sich damit schwer getan hat, aber auch andere Latten im Stresstestszenario gerissen hat. Das haben die am Mittwoch vorgestellten Ergebnisse deutlich gemacht. Die Bank, die zu 73 Prozent dem Staat gehört, muss jetzt mindestens zwei Milliarden Pfund (umgerechnet 2,35 Milliarden Euro) an zusätzlichem Kapital aufbringen.

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Auch Barclays und Standard Chartered haben Schwächen im Stresstest der Bank of England offenbart, der dieses Mal deutlich anspruchsvoller ausfiel als in den vergangenen zwei Jahren. Bei Barclays war es auch der so genannte systemische Referenzpunkt, der der Bank Schwierigkeiten bereitete. Doch in diesem Fall und auch bei Standard Chartered reichen nach Ansicht der Aufsichtsbehörde die bisherigen Pläne der Geldhäuser aus, um die Kapitalpuffer in ausreichendem Maße zu stärken.

Die Banken müssen im Gegensatz zur RBS nicht nachlegen, um die Ansprüche der Bank of England zu erfüllen. Bei Barclays ist es vor allem das Vorhaben, sich schrittweise aus Afrika zurückzuziehen und das Geschäft dort loszuwerden, das zur Verbesserung der Lage beitragen dürfte.

Die Notenbank hat auch die Belastbarkeit der Lloyds Banking Group, der HSBC, des britischen Arms der spanischen Santander-Bank sowie des Immobilienfinanzierers Nationwide getestet. Diese Institute haben den Test bestanden.

Alle Institute mussten in den getesteten Szenario Kapital in Höhe von 4,5 Prozent ihrer risikogewichteten Assets vorweisen können und ein zusätzliches Kapitalpuffer, dessen Umfang von den spezifischen Risiken abhängig war. Das Krisenszenario sah einen massiven Abschwung in China und Hongkong vor, einen Rückgang des weltweiten Wachstums und einen Einbruch der britischen Immobilienpreise um etwa ein Drittel in fünf Jahren. Die Folgen des britischen EU-Austritts, der voraussichtlich 2019 kommen dürfte, waren nicht Teil des Stresstest, der bereits im Frühjahr dieses Jahres entworfen wurde.


RBS hat weitere Probleme

Die angeschlagene RBS gehört auch im Stresstest der europäischen Bankenaufsicht Eba Mitte dieses Jahres zu den großen Verlierern. Die Bank kämpft auch acht Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise mit teuren Altsünden. So kommen auf das Geldhaus voraussichtlich hohe Strafzahlungen im Streit um dubiose US-Hypothekenpapiere zu. Die RBS muss zudem ihre Privatkundensparte Williams & Glyn verkaufen.

Das ist eine Auflage der EU für die milliardenschweren Staatshilfen, mit denen das Institut in der Krise vor dem Kollaps bewahrt wurde. Die Bank hat in der Nacht zu Mittwoch der britischen Bankenaufsicht ihre überarbeiten Pläne vorgelegt, um weiteres Kapital aufzubringen. Die RBS will unter anderem im stärkeren Maße als bisher notleidende Kredite abbauen und ihre Kosten senken.

Großbritanniens Banken haben in diesem Jahr im Stresstest schlechter abgeschnitten als erwartet. Die Leistungen seien schlimmer ausgefallen als prognostiziert, sagte KMPG-Bankenexperte Steven Hall der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bernstein-Analyst Chirantan Barua sieht vor allem angesichts der massiven Schwächen der RBS derzeit noch kein Licht am Ende des Tunnels für die Bank. Das Institut werde wohl weiterhin eine Baustelle bleiben und es gebe mindestens für die nächsten zwölf Monate keine Aussichten darauf, dass die RBS Dividenden zahlen werde, schreibt Barua in einer Studie, die er nach Veröffentlichung der Stresstestergebnisse veröffentlicht hat.

Quelle:  Handelsblatt Online
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