Britische Großbank: Barclays bevorzugt Dublin

Britische Großbank: Barclays bevorzugt Dublin

, aktualisiert 26. Januar 2017, 17:25 Uhr
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Die Bank will wegen der Brexit-Entscheidung der Briten London zumindest zum Teil verlassen.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Die Großbank Barclays erwägt die Verlagerung von Jobs auf die irische Nachbarinsel, um nach einem Brexit mit Kunden im Rest Europas weiterhin Geschäfte machen zu können. Es wäre eine unkomplizierte Lösung.

LondonEinen spöttischen Kommentar konnte sich Jes Staley nicht verkneifen: „Es ist schon interessant, dass mal keiner einen Banker in seinem Hinterhof haben will und dann laden sie dich zu einer Grillparty ein“, sagte der Chef der britischen Großbank Barclays in einem BBC-Interview vor einer Woche beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Er sprach über die Versuche europäischer Finanzmetropolen, Londoner Banker nach dem britischen EU-Austritt zum Umzug zu bewegen.

Staley selbst scheint da vor allem für das Werben der irischen Hauptstadt Dublin offen zu sein. Nach Informationen aus Finanzkreisen gehört Dublin zu den präferierten Optionen, wenn Barclays im Zuge des Brexit Mitarbeiter verlagern muss, um weiterhin so wie bisher Geschäfte mit Kunden im Rest Europas machen zu können. „Wir haben in Dublin bereits eine Tochtergesellschaft, es wäre daher eine unkomplizierte Lösung“, verlautete aus Kreisen, die damit einen Bericht der Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg bestätigten. Offiziell sagte eine Barclays-Sprecherin: Es gebe eine Reihe von Optionen, um auf den Brexit zu reagieren, und dazu gehöre auch, die bisherigen Geschäfte in Dublin auszubauen.

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Großbritanniens Premierministerin Theresa May will einen harten Bruch mit der EU. Die Scheidung von der Staatengemeinschaft soll mit einem Austritt aus der Zollunion und dem Europäischen Binnenmarkt einhergehen. Dadurch verlieren Banken die Grundlage, die es ihnen erlaubt, bisher vergleichsweise unkompliziert von London aus Kunden auf dem Kontinent zu bedienen: das so genannte Passporting. Noch hofft die Branche, dass London und Brüssel sich in ihren Scheidungsgesprächen auf eine Ersatzlösung einigen, so dass Umzüge und Jobverlagerungen im großen Stil nicht notwendig werden. Doch da der Ausgang der Verhandlungen sehr unklar ist, brauchen die Institute Notfallpläne.
Nach Schätzungen der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman könnte der Brexit die britische Finanzbranche bis zu 75.000 Jobs kosten. Finanzkreisen zufolge erwägt etwa Goldman Sachs seine Mitarbeiterzahl in London auf etwa 3000 zu halbieren. Ein Teil der Jobs, der in der britischen Hauptstadt gestrichen wird, soll aber nach New York umziehen. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sagte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, dass angesichts der Brexit-Pläne von May die US-Bank wohl mehr Stellen verlagern würde als gedacht. Bis dahin hatte Dimon von 4000 Arbeitsplätzen gesprochen. HSBC-Chef Stuart Gulliver bestätigte in Davos, dass etwa 1000 Jobs von London nach Paris gehen würden. Barclays erwägt nach Bloomberg-Informationen 150 weitere Stellen in Dublin zu schaffen. Derzeit beschäftigt die Bank 100 Leute in der irischen Hauptstadt.

Neben Paris, Dublin und Frankfurt dürfte auch Luxemburg vom Brexit profitieren. Finanzkreisen zufolge erwägen vor allem Vermögensverwalter den Umzug ihrer Mitarbeiter nach Luxemburg. Zunächst kümmern sich die Finanzunternehmen aber um die notwendigen Lizenzen und Formalitäten, bevor ihre Mitarbeiter die Koffer packen. Beobachter erwarten, dass die eigentlichen Umzüge erst am Ende der auf zwei Jahre angelegten Verhandlungen zwischen London und Brüssel über die Bühne gehen werden. „Erst wenn die Signale eindeutig sind, dass sich Umzüge nicht vermeiden lassen, werden wir diese auch angehen“, sagt ein Londoner Banker.

Quelle:  Handelsblatt Online
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