Brüssel und der Tourismus: Was Urlauber jetzt wissen müssen

Brüssel und der Tourismus: Was Urlauber jetzt wissen müssen

, aktualisiert 22. März 2016, 17:02 Uhr
Bild vergrößern

Reisende müssen sich wie hier in Prag auf allen Airports auf verstärkte Kontrollen einrichten.

von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Terroranschläge von Brüssel treffen die Touristikbranche zu einem empfindlichen Zeitpunkt. Mit den Osterfeiertagen steht eine Reisewelle bevor. Was Urlauber, die nach oder über Belgien reisen, wissen müssen.

Düsseldorf32 eigene deutsche Urlaubskunden zählt Tui derzeit in Brüssel, zwei davon hat Deutschlands größter Reiseveranstalter mitten in der City einquartiert. Noch habe man nicht mit allen Kontakt, berichtet ein Sprecher in Hannover. Es gebe aber keinen Hinweis, dass jemand von ihnen Opfer der Terroranschläge geworden sei. Dennoch treffen die Attentate in Belgiens Hauptstadt Urlaubssuchende wie Reiseveranstalter zur Unzeit – und das nicht nur, weil die Reisewelle vor Ostern kurz bevorsteht.

Noch immer sitzen die Urlaubsverkäufer auf großen, unverkauften Reisekontingenten, weil viele Kunden angesichts der jüngsten Terroranschläge in Paris, Tunesien und Istanbul ihre Buchungen nach hinten verschieben. Im seit Oktober laufenden Reisejahr, berichtete die Marktforschungsfirma GfK vor gut drei Wochen, lagen die Reiseveranstalter um acht Prozent unter dem Vorjahr.

Anzeige

Auch die Hoffnungen auf einen Endspurt im Sommerreisegeschäft, die der Deutsche Reiseverband (DRV) neulich noch unterstrich, scheinen trügerisch. So meldete der Touristikkonzern Thomas Cook („Neckermann“, „Öger“), bei ihm seien die Buchungen für die Sommersaison immer noch fünf Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Brüsseler Bombenanschläge dürften das Geschäft in der Branche nun noch weiter eintrüben.

Bis zum Mittag verloren die Papiere von Thomas Cook knapp sieben Prozent, Tui-Aktien gaben um rund 2,5 Prozent nach. Aber auch bei Europas größtem Hotelanbieter, der französischen Accor-Gruppe, mussten Anleger ein Minus von vier Prozent hinnehmen.

Für Bahn-Reisende

Aktuell behindern die Terroranschläge vor allem Umsteige-Reisende. Züge wie der Thalys, der Brüssel mit Paris und Amsterdam verbindet, wurden ebenso gestrichen wie der Eurostar, der durch den Kanaltunnel nach London verkehrt. Die Deutsche Bahn stoppt den von Frankfurt über Köln anreisenden Brüssel-ICE bereits in Aachen. Wegen der unsicheren Lage rät die Bahn auch für Mittwoch noch von Reisen nach Belgien ab.

Die Eisenbahn-Stationen in Brüssel sollen nach einem Bericht der Zeitung „La Libre„ am Nachmittag um 16 Uhr wieder öffnen. Allerdings werde das unter erheblich erhöhter Präsenz von militärischen Sicherheitskräften geschehen.

Für Flugreisende

Der Airport in Brüssel bleibt bis mindestens Mittwochmorgen geschlossen. Der Lufthansa-Konzern hat alle Flüge von und in die belgische Hauptstadt gestrichen. Am Dienstag seien davon 25 Flüge mit etwa 2000 Passagieren betroffen, teilte Europas größter Luftverkehrskonzern auf seiner Homepage mit. Zwei Maschinen, die in München und Frankfurt gestartet und auf dem Weg nach Brüssel waren, seien nach Köln und Lüttich umgeleitet worden. Flugtickets von und nach Brüssel im Zeitraum bis zum 28. März könnten kostenfrei umgebucht oder storniert werden. Die Regelung gelte für alle Airlines der Lufthansa Group (Austrian Airlines, Lufthansa, Brussels Airlines, Swiss, Eurowings). Reisende müssen sich an europaweit allen Flughäfen auf verstärkte Kontrollen einrichten.


Stornierung nur aus Kulanz möglich

Bei Pauschalreisen sind vergleichsweise wenige Urlauber betroffen. „Wir mussten heute Morgen zwei Gäste umrouten, die von Stuttgart über Brüssel nach Faro wollten“, berichtet ein Tui-Sprecher. Ende April hat der Hannoveraner Reiseveranstalter zudem eine Städtereise in Belgiens Hauptstadt geplant. Wer nicht mit will, kann sie nun stornieren.

Allerdings nur aus Kulanz. Denn Geld zurück können Urlauber nur fordern, wenn das Auswärtige Amt für die betroffene Region eine Reisewarnung ausgibt. Soweit aber ist es noch nicht – obwohl dort die Hinweise mittlerweile eindringlich klingen: „Reisende in Brüssel werden dringend gebeten, sich in der Stadt nur mit erhöhter Aufmerksamkeit und Wachsamkeit zu bewegen, größere Menschenansammlungen zu meiden und Weisungen der belgischen Sicherheitskräfte unbedingt zu befolgen.“

Ebenso wenig Hoffnung dürfen sich Urlauber auf ihre Reiserücktrittsversicherung machen. Sein Geld zurück erhält dort meist nur, wer krank ist oder den Tod eines Familienmitglieds betrauert. „Wegen Angst gibt es das nicht“, sagte ein Reiserechtsexperte.

Wie sehr die Anschläge das laufende Buchungsgeschäft ins Stocken versetzen, wollte ein Sprecher bei Thomas Cook nicht voraussagen. „Brüssel betrifft kaum deutsche Touristen“, sagte er. „Wir hoffen immer noch auf eine gute Last-Minute-Saison“.

Auch beim DRV bleibt man trotz der Anschläge nach eigenen Angaben „verhalten optimistisch“. „Spätestens seit den Anschlägen in Paris und am Mittelmeer haben viele gelernt, mit der Bedrohungslage zu leben“, sagte ein Verbandssprecher. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nirgendwo – nicht einmal in Berlin.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%