Buch von Alex Ferguson: So führt der erfolgreichste Trainer aller Zeiten

Buch von Alex Ferguson: So führt der erfolgreichste Trainer aller Zeiten

, aktualisiert 27. April 2016, 15:33 Uhr
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Sir Alex Ferguson gewann als Trainer von Manchester United (1986 bis 2013) 38 Titel, unter anderem 13-mal die englische Meisterschaft, fünfmal den FA Cup, zweimal die Champions League und einmal den Europapokal der Pokalsieger.

von Thorsten GierschQuelle:Handelsblatt Online

38 Titel hat Alex Ferguson gewonnen – die meisten mit Manchester United. Ohne enorme Führungsqualitäten wäre ihm das nie gelungen. Gemeinsam mit Silicon-Valley-Ikone Michael Moritz hat er seine Tipps zu Papier gebracht.

DüsseldorfVielleicht wäre es übertrieben zu sagen, dass man durch Fußball alles lernen kann, was man fürs Leben braucht. Aber in dieser brutalen Branche braucht ein Trainer mindestens dasselbe Maß an Führungsqualitäten wie ein Manager. Und wer wie Sir Alex Ferguson derart viele Titel sammelt, der muss wissen, wie man mit Menschen umgeht.

Allein für Manchester United (ManU), wo er von 1986 bis 2013 Teammanager war, holte der erfolgreichste Trainer der Fußball-Geschichte 38 Pokale, darunter 13 mal die Meisterschaft in der Premier League und zweimal die Champions League. Erfahrungen, seine Prinzipien weiterzugeben, sammelte der Schotte zum Beispiel bei Vorträgen an den prominentesten Business-Universitäten der Welt.
Ferguson hat das Buch nicht alleine geschrieben, sondern sich mit Sir Michael Moritz einen fachkundigen Helfer dazu geholt. Der Vorsitzende von Sequoia Capital war früher Journalist und Buchautor und ist inzwischen eine große Nummer im Silicon Valley. So sitzt er zum Beispiel im Aufsichtsrat von Google und gehört er zu den ersten Investoren unter anderem bei Apple, Cisco, Youtube oder Whatsapp.

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Michael Moritz hat nicht zuletzt ein Schlusswort angefügt, das dem Buch einen zusätzlichen Pfiff gibt. Für ihn besteht der Trick nicht darin, eine Liste mit den Rudimenten der Führungsarbeit auswendig zu lernen. „Das kann jeder halbwegs intelligente 14-Jährige.“ Stattdessen brauche es Prinzipien. Und den Willen, das Talent sowie das Wissen, diese dauerhaft umsetzen. In dieser Hinsicht sei Alex Ferguson ein Vorbild, weil der Schotte vor allem drei Dinge vorlebe: „Vorbereitung, Beharrlichkeit und Geduld.“

Zum Thema Vorbereitung gehört Fergusons Neigung – für die Bayern Münchens Trainer Pep Guardiola ebenfalls exemplarisch steht – immer einen Plan B in der Tasche zu haben: „Zum Streben nach Herausragendem gehört es, Überraschungen, die nun einmal Teil des Lebens sind, nach Möglichkeit auszumerzen.“

Dieser Punkt kommt immer wieder und durchzieht die Arbeit einer Führungsfigur, denn diese Fähigkeit erfordert großes Wissen und harte Arbeit. Nicht zuletzt müssen Spieler entsprechend ausgebildet und angeleitet werden. http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/was-fussball-lehrt-gegen-den-zufall-kann-man-nicht-gewinnen/13479092.html


Exzellenz erfordert Hingabe

Das geht am besten schon früh los: Ferguson hat die Jugendarbeit von ManU erheblich umgebaut und viele Spieler in die erste Mannschaft integriert: „Junge Menschen können einen fantastischen Spirit in eine Organisation einbringen und sie werden niemals vergessen, welche Person oder Organisation ihnen ihre erste Chance geboten hat.“

Da klingt mit, wie wichtig Loyalität dem Trainer-Guru ist. Und dass Eigengewächse sich deutlich mehr zeigen als „Söldner“, also zugekaufte Spieler. Dass es ohne die nicht geht, liegt auf der Hand. Aber wenn man schon Spieler holt – oder Mitarbeiter einstellt – dann ist für Ferguson unausweichlich, dass sie zur Kultur des Vereins passen.

Heikel ist das Thema Aufwand – also wie viel muss eine Führungskraft investieren, um maximal erfolgreich zu sein. Bei Ferguson war es fraglos sehr, sehr viel. Außer Manchester United gab es da nicht viel – und das an sieben Tagen in der Woche: „Mir ist nicht klar, wie man ein ausgewogenes Leben führen und gleichzeitig danach streben will, in einer Sache besser als alle anderen zu sein.“

Exzellenz erfordere also Hingabe. Das erinnert an Theodor Adornos Satz, dass man kein richtiges Leben im falschen führen könne – also wenn man seinen Job richtig ernst nimmt, muss er auch so viel Erfüllung bringen, dass man auf vieles im Privatleben verzichten kann.

Das bedeute umgekehrt aber nicht, dass man alles unter Kontrolle haben kann – dafür ist das Aufgabenfeld eines Teammanagers – genau wie das der meisten Manager – viel zu komplex. Für Ferguson sind „Kontrollieren und Delegieren zwei Seiten derselben Münze“. Der Chef muss also loslassen können, aber zu delegieren heißt auch immer zu vertrauen. Entscheidend sei, dass die anderen begreifen, was man will und dass sie willens seien zu folgen: „Schrittweise erkannte ich, dass dies der Unterschied zwischen Managen und Führen ist“, schreibt Ferguson.

Dass Vorgesetzte mit ihren Leuten fraternisieren und beliebt sein wollen, hält Ferguson für keine gute Idee: „Als Anführer muss man nicht geliebt werden, allerdings kann es nicht schaden, gefürchtet zu werden.“ So macht der Teammanager keinen Hehl daraus, dass harte Sanktionen enorme Wirkung entfalten können. Wem es an Disziplin mangelt, wird aus dem Kader gestrichen und auf die Tribüne gesetzt. Nichts würden Fußballer mehr fürchten, so Ferguson.


Haltung zeigen - auch in der Niederlage

Regeln aufstellen und sie konsequent befolgen – das heißt aber nicht, mit der „Eisenstange auf Menschen einzuprügeln“. So kitzle man nie das Beste heraus, schreibt der Schotte. Man „gewöhnt sie an Erfolge und überzeugt sie davon, dass sie ihre Leistung noch steigern können“. Legendär sind unter den Spielern bis Worte die zwei Worte „Gut gemacht“, die einem großen Lob entsprechen und mit denen Ferguson weitaus weniger geizig war als man annehmen könnte.

Der inflationäre Gebrauch des Begriffs „Weltklasse“ in den Medien stößt Ferguson auf. Solche Momente hätten viele Spieler immer mal wieder, aber es gäbe mit Lionel Messi und Christiano Ronaldo nur zwei aktive Spieler, die dieses Prädikat verdient hätten. Er zieht einen Vergleich zur Benotung von Schülern, wo heute auch viel mehr Lernende gute Noten erhalten würden als früher. Das mache es schwerer, die notwendige Demut zu zeigen und den Ehrgeiz zu entwickeln, immer mehr aus sich heraus zu kitzeln. Als Vorbild schlechthin nennt er Bobby Charlton, ein „bescheidener, einfacher Mensch“.

Natürlich geht es vordergründig um Fußball und nicht alles ist für den Alltag in einem Unternehmen eins zu eins übertragbar. Das behauptet Ferguson auch nicht. Im Gegenteil übt gerade die subtile Art Reiz aus, mit der er seine Ratschläge verpackt: nämlich nicht als Ratschläge, sondern als Hinweise, welche Haltung bei ihm nachhaltig für Erfolg gesorgt hat. Und diese Haltung kann man lernen. Wohlgleich der Star-Trainer nicht zuletzt in seinen Geschichten und Beispielen klar macht, wie hart es manchmal sein kann, Haltung zu zeigen.

Das gilt zum Beispiel auch in der Niederlage. Vor allem lobt er den FC Bayern München inklusive der damaligen Spieler und Trainer Ottmar Hitzfeld: Nach den bittersten Minuten der Vereinsgeschichte, als der FCB 1999 ein 1:0 im Finale der Champions League gegen Fergusons Manchester United verspielte und 2:1 verlor, hätten sich die Deutschen als extrem gute Verlierer gezeigt. Kein Verein wird in dem Buch so gelobt wie die Münchener. Und nicht nur hier wurde Haltung belohnt: Zwei Jahre später gewann der FC Bayern mit Ottmar Hitzfeld die Champions League doch noch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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