Budget-Hotel rüstet auf: Der Siegeszug von Motel One geht weiter

Budget-Hotel rüstet auf: Der Siegeszug von Motel One geht weiter

, aktualisiert 18. März 2016, 18:07 Uhr
von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Kein Restaurant, kein Tagungsraum, kein Schwimmbad: Die Hotelkette Motel One reduziert die Übernachtung auf das Wesentliche. Und die Kunden springen darauf an: Der Siegeszug des Mittelständlers ist kaum zu stoppen.

Bild vergrößern

„Viele Manager haben erkannt, dass die Qualität etwa von Ketten wie Motel One für Geschäftsreisen völlig ausreicht.“

MünchenDieter Müller rüstet auf: In den 13.887 Zimmern von Motel One würden die Fernseher ausgetauscht, erzählt der Chef und Gründer der Hotelkette. Statt der bislang üblichen 32-Zoll-Bildschirme hingen bald 40-Zoll-Geräte der deutschen Edelmarke Loewe an den Wänden.

Gleichzeitig, betont der Münchener Unternehmer, würde er demnächst Safes in jeden Raum stellen. Und, nicht zu vergessen: Es gibt schon von April an mehr Auswahl in den Bars der Hotelkette, vor allem vom Trendgetränk Gin werden mehr Marken in den Regalen stehen. Keine Frage: Müller setzt seinen strammen Expansionskurs der vergangenen Jahre fort. Die bestehenden Hotels rüstet der Unternehmer auf, neue kommen hinzu.

Anzeige

Die im Jahr 2000 gegründete Kette reduziert die Übernachtung auf das Wesentliche. 79 Euro kosten die 16 Quadratmeter großen Einzelzimmer mit Flachbildschirm-Fernseher, das Frühstück geht extra. In jeder Lobby steht der Egg-Chair des Designers Arne Jacobsen, auf Flatscreens knistert ein virtuelles Lagerfeuer.

Restaurants sucht man im Motel One ebenso vergebens wie Tagungsräume oder Schwimmbäder. Das ist vor allem effektiv: Müller kann in seinen Hotels in der Innenstadt doppelt so viele Gäste unterbringen wie die etablierte Konkurrenz.

Das schlägt sich in den Zahlen nieder: Vergangenes Jahr ist der Umsatz um ein Viertel auf 322 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Der Gewinn ist sogar um mehr als die Hälfte auf 77 Millionen Euro gestiegen. „Das ist ein sehr zufriedenstellender Verlauf“, meint Müller. Motel One ist kerngesund, kommt auf eine Eigenkapitalquote von 76 Prozent. Unternehmer Müller ist Großaktionär der Kette, er hat mit Morgan Stanley und der Familie des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp zudem zwei stabile Großaktionäre an Bord.

Vergangenes Jahr hat Müller neun kleinere Hotels mit 739 Zimmern verkauft, Häuser am Stadtrand. „Die haben nicht mehr zur Marke gepasst“, erläutert der Unternehmenslenker. Stattdessen eröffnete der Gastronomieprofi sechs größere Betriebe mit 1764 Zimmern. Die neuen Hotels finden sich in verkehrsgünstiger Lage in den Innenstädten. Insgesamt zählt die Kette nun 51 Häuser. Dabei soll es allerdings nicht bleiben.


Neue Hotels am Alexanderplatz und an der Gedächtniskirche

24 neue Standorte sind geplant, damit soll Motel One auf 21.600 Zimmer wachsen. Einige Metropolen kommen dazu, an denen die Marke bislang nicht vertreten ist, Basel und Zürich etwa.

Bei Touristen ist Motel One beliebt, doch Müller profitiert auch davon, dass die Unternehmen bei Dienstreisen immer mehr knausern. So werden die Ausgaben für berufliche Reisen dieses Jahr vermutlich sinken. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Befragung des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), der jedes Jahr die Stimmung bei seinen Mitgliedsunternehmen erfragt.

„Es wird wieder mehr gespart“, sagte VDR-Präsident Dirk Gerdom, im Hauptberuf oberster Geschäftsreisemanager beim Softwarekonzern SAP, zu Jahresbeginn dem Handelsblatt. Der Frankfurter Verband vertritt nach eigenen Angaben 550 Unternehmen, die zusammen auf ein Geschäftsreisevolumen von jährlich rund zehn Milliarden Euro kommen – und damit ein Viertel des Gesamtmarkts abdecken.

Dabei sei es weniger der Kostendruck in den Unternehmen, der das Reisebudget nach unten bewege, heißt es beim VDR. „In den Konzernen wird einfach effizienter geplant“, sagte Gerdom. „Eintagesreisen werden zunehmend hinterfragt, Termine oft zu einer mehrtägigen Dienstreise zusammengefasst.“

Hinzu kommt, dass bei den Geschäftsreisen die Sterne fallen. Den Glanz von fünf Sternen gönnen nur noch sechs Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitern. „In den Beherbergungsstrategien ergibt sich eine Verschiebung nach unten in die Drei-Sterne-Kategorie“, berichtet der SAP-Manager. Auch Buchungen für Budget-Hotels nähmen weiter zu. „Viele Manager haben erkannt, dass die Qualität etwa von Ketten wie Motel One für Geschäftsreisen völlig ausreicht.“

In dieser Kategorie wuchs der Übernachtungsanteil deutscher Geschäftsreisender 2015 binnen Jahresfrist von fünf auf acht Prozent. Auch die Drei-Sterne-Hotels legten um acht Prozentpunkte auf 53 Prozent zu, während Vier-Sterne-Herbergen fast ein Drittel ihres Anteils verloren und aktuell nur noch auf 32 Prozent kommen.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, kurz Dehoga, beziffert die Branchenerlöse für 2015 mit gut 76 Milliarden Euro. Kneipen und Hotels profitieren von der Rekordbeschäftigung sowie der steigenden Kaufkraft der Verbraucher durch höhere Löhne und geringe Inflation. Auch der immer beliebter werdende Deutschland-Urlaub lässt die Kassen klingeln: Die Zahl der Übernachtungen in- und ausländischer Gäste erreichte 2015 mit 436,4 Millionen den sechsten Rekord in Folge.

Müller expandiert in ganz Europa, ist inzwischen in London, Amsterdam, Prag und Barcelona vertreten. Die größten Hotels entstehen freilich in Deutschland. Am Alexanderplatz in Berlin baut der Unternehmer ein Haus mit 708 Zimmern, ein weiteres folgt nächstes Jahr gegenüber der Gedächtniskirche.

Motel One ist in Bewegung, nur eins bleibt gleich: Wenn es Frühjahr wird in Europa, dann wechselt das Bild auf den Flatscreens in der Lobby: Das Lagerfeuer weicht dem digitalen Aquarium. Bald ist es wieder so weit.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%