Bundesbank: „Größe kein Garant für das Überleben einer Bank“

Bundesbank: „Größe kein Garant für das Überleben einer Bank“

, aktualisiert 27. September 2016, 18:04 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Die Bundesbank meldet sich nach dem jüngsten Kurseinbruch bei der Deutschen Bank zu Wort. Vorstand Dombret spricht davon, dass Banken scheitern können. Und Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem gibt Ratschläge.

Düsseldorf/FrankfurtBundeskanzlerin Angela Merkel versuchte heute die Wogen rund um die Deutsche Bank zu glätten. „Zur Deutschen Bank möchte ich nur soviel sagen, dass die Deutsche Bank ein Teil des deutschen Banken- und Finanzsystems ist“, sagte die CDU-Politikerin am Dienstag in Berlin auf die Frage, ob sie besorgt sei, dass der Staat möglicherweise bei der Bank eingreifen müsse. „Und dass wir uns natürlich wünschen, dass alle Unternehmen, auch wenn es temporäre Schwierigkeiten gibt, eine gute Entwicklung nehmen.“

Seit dem Wochenende hatte ein Medienbericht Investoren nervös gemacht, wonach Merkel potenzielle Staatshilfe für die Deutsche Bank ausgeschlossen habe. Das richtete die Aufmerksamkeit darauf, dass wohl eine Kapitalerhöhung notwendig werden könne. Zwar gibt es ein EU-Regelwerk, dass bei der Sanierung angeschlagener Banken die Beteiligung der Gläubiger vorsieht. Doch als letzter Rettungsanker gilt nach wie vor der Staat. Die Aktie gab am Montag 7,5 Prozent nach, rutschte am Dienstag fast unter die Schwelle von zehn Euro, bevor sie dann unverändert bei 10,55 Euro schloss.

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Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret schlug sich am Dienstagabend auf die Seite der Gegner von Staatshilfe – ganz wie Politiker im Bundestag aus SPD und CDU im Tagesverlauf. „Weder ist die Größe einer einzelnen Bank ein Garant für ihr Überleben, noch kann die Größe des Sektors insgesamt vor Krisen schützen“, sagte er am Dienstag laut Redetext in Wien. Die Bundesbank ist mit der Finanzaufsicht Bafin und der Europäischen Zentralbank für die Überwachung der Branche zuständig.

Auch Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem äußerte sich am Dienstag zur angeschlagenen Deutschen Bank (hier die Gründe für die Lage der Bank). Er wies in einem TV-Interview daraufhin, dass das Institut alle Kapitalanforderungen erfülle, aber strukturelle Anpassungen nötig habe. Das Institut müsse die Kosten weiter senken, weniger kompliziert werden und ihre Kapitalpuffer stärken.

Angesichts der anhaltenden Nullzinspolitik der EZB müssen aus Sicht von Bundesbank-Vorstand Dombret auch große Geldhäuser mehr für ihre Zukunft tun. In Deutschland ist die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hoch umstritten. Banken kritisieren, dass es ihnen wegen der niedrigen Zinsen zusehends schwer fällt, im angestammten Kreditgeschäft auskömmliche Margen zu erzielen. Deutsche Bank-Chef John Cryan hat EZB-Präsident Mario Draghi, der am Mittwoch im Bundestag erwartet wird, zum Umsteuern aufgefordert.

Der Bankensektor müsse sich gesundschrumpfen, sagte Dombret: „Diese Diskussion sollten wir aber nicht auf ein simples 'weniger Institute und weniger Filialen' verengen.“ Eine weitere Zunahme der Marktmacht von Großbanken sei kein Königsweg.

Dombret hält die Lage der Geldhäuser jedoch noch nicht für akut besorgniserregend – „weder in Österreich noch in Deutschland. Zurücklehnen dürfen sich die Institute aber trotzdem nicht“, betonte der Bundesbank-Vorstand in der österreichischen Hauptstadt. Im Moment seien die Institute noch in einem soliden konjunkturellen Umfeld unterwegs. Doch die Zukunft halte enorme Herausforderungen bereit, sagte Dombret, der für die Aufsicht über Geldhäuser zuständig ist.

Quelle:  Handelsblatt Online
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