Bundesbank-Präsident: Weidmann warnt vor Eurobonds durch die Hintertür

Bundesbank-Präsident: Weidmann warnt vor Eurobonds durch die Hintertür

, aktualisiert 14. Juni 2017, 11:51 Uhr
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Der Bundesbank-Präsident sieht die von der EU-Kommission vorgeschlagenen „European Safe Bonds“ kritisch.

Quelle:Handelsblatt Online

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, gemeinsame europäische Schuldtitel auszugeben. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist skeptisch: So könnte Deutschland doch für die Schulden anderer Länder mithaften.

FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht die Vorschläge der EU-Kommission für eine neue Form von Staatsanleihen-Verbriefungen kritisch. Würden diese von einer europäischen Institution geschaffen, könnte das als ein Schritt hin zu Euro-Bonds, zu gemeinschaftlicher Haftung, gewertet werden, sagte Weidmann am Mittwoch auf einer Finanzkonferenz in Frankfurt. „Um diesen Eindruck zu vermeiden, müssten solche European Safe Bonds von Marktteilnehmern konstruiert werden.“ Ziel dieser neuen Form von Staatsanleihen-Verbriefungen soll es unter anderem sein, die Ansteckungsgefahren bei Banken- und Staatspleiten zu mindern.

Die EU-Kommission hatte Ende Mai ein Reformpaket vorgeschlagen, um die Staatengemeinschaft gegen neue Krisen zu wappnen. Dazu zählen eine weitere Stärkung der Banken über eine gemeinsame Einlagesicherung sowie die Möglichkeit der gemeinsamen Ausgabe von Schuldtiteln. Mit Eurobonds und einer gemeinsamen Haftung für Schulden soll dieses „Finanzinstrument für die gemeinsame Emission von Schuldtiteln“ aber nichts zu tun haben.

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Die Bundesregierung sieht solche „European Safe Bonds“ (ESB) der EU-Mitgliedsländer sehr skeptisch. Sie befürchtet, dass diese am Ende dazu führen könnten, dass Deutschland für die Schulden anderer Länder mithaftet. Das Bundesfinanzministerium bezweifelt zudem, ob es in Krisensituationen genügend Nachfrage nach solchen Papieren gibt. Zudem werde zu wenig beachtet, welche Konsequenzen sich aus den riskanteren Tranchen in solchen Verbriefungen ergeben könnten.

Auf der Veranstaltung erneuerte Weidmann zudem seine Kritik an den Staatsanleihen-Käufen der Europäischen Zentralbank (EZB) und warnte vor einer Überforderung der Geldpolitik. Seit Jahren hilft die Europäische Zentralbank (EZB) klammen Banken und kriselnden Staaten mit extrem niedrigen Zinsen und milliardenschweren Anleihenkäufen. Die Notenbank könnte unter Druck gesetzt werden, ihre ultralockere Geldpolitik länger aufrechtzuerhalten als es ihr eigentliches Ziel eines stabilen Preisniveaus rechtfertige, sagte Weidmann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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