Bundesbank-Studie: „Vermögen sind weiterhin relativ ungleich verteilt“

Bundesbank-Studie: „Vermögen sind weiterhin relativ ungleich verteilt“

Quelle:Handelsblatt Online

Die Debatte um die gerechte Verteilung von Vermögen findet neue Nahrung. Die Bundesbank kommt zum Urteil, dass in anderen Euro-Ländern die Vermögen breiter verteilt sind als in Deutschland – vor allem aus einem Grund.

Eine Studie der Bundesbank befeuert die Debatte über die Frage der Gerechtigkeit in Deutschland. Das zeigt der Median der Vermögen deutscher Privathaushalte. Wer mehr Vermögen als der Median hat, zählt zur reicheren Hälfte des Landes, wer weniger zur ärmeren Hälfte.

Laut Bundesbank liegt dieser Median des Nettovermögens – also nach Abzug der Schulden – bei 60.400 Euro. Analysiert wurden Daten des Jahres 2014. Der Vergleich zu reicheren Haushalten zeigt die Relevanz dieses Werts.

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Denn die Schwelle zu den reichsten zehn Prozent liegt in Deutschland bei einem Vermögen in Höhe von 468.000 Euro. Das Verhältnis der Schwelle zu den reichsten zehn Prozent im Vergleich zum Median liegt damit bei fast acht (468.000 Euro/60.400 Euro). „Für den Euro-Raum insgesamt nahm dieses (...) Verhältnis im Jahr 2010 einen Wert von fünf an“, schreiben die Ökonomen der Notenbank. Die internationalen Daten sind noch nicht für einen späteren Zeitpunkt verfügbar.

So hoch ist das Gehaltsniveau in Deutschland

  • Gehaltsatlas 2015

    Das Vergleichsportal Gehalt.de hat die Gehälter von 448.997 Arbeitsverhältnissen analysiert und dabei nach Bundesland, Hauptstadt, Region, Geschlecht, Firmengröße, Wirtschaftssektor, Führungsverantwortung und Berufseinstiegsgehalt differenziert. Quelle: Gehaltsatlas http://www.gehalt.de/downloads/presse/gehaltsatlas-2015-Gehalt-de.pdf

  • Im Süden gibt es die höchsten Gehälter

    In München werden die höchsten Löhne gezahlt: Das Lohnniveau in der bayerischen Landeshauptstadt liegt 20,4 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Auch in Stuttgart (+19 Prozent) und Düsseldorf (+14 Prozent) sind die Gehälter überdurchschnittlich. Und das gehaltsstärkste Bundesland ist Baden-Württemberg. „Im Süden und im Westen werden zwar sehr gute Löhne gezahlt, allerdings sind hier die Lebenshaltungskosten entsprechend hoch. Arbeitnehmer, die ihren Job wechseln möchten, sollten diesen Aspekt stets vor Augen haben und gut kalkulieren“, sagt Artur Jagiello von Gehalt.de.

  • Große Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West

    Noch immer herrschen große Unterschieden zwischen Ost und West. Die Gehaltsspanne zwischen dem vergütungsschwächsten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und Baden Württemberg mit dem höchsten Lohnniveau in Deutschland liegt bei 33 Prozent. Laut Untersuchung von Gehalt.de befinden sich alle neuen Bundesländer auf einem unterdurchschnittlichen Vergütungsniveau.

  • Ostdeutsche Landeshauptstädte

    Im Vergleich der Landeshauptstädte belegen entsprechend Erfurt (-20 Prozent), Magdeburg (-23 Prozent) und Schwerin (-26 Prozent) die letzten Plätze.  Die Gehaltslücke zwischen München und Erfurt liegt demnach bei 46 Prozent.  

  • Beste Regionen

    Bei der Betrachtung der regionalen Unterschiede nach ihren Postleitzahlen befinden sich die Gebiete mit den Anfangsziffern 0 und 1 auf den hinteren Rängen. Diese decken zum größten Teil die neuen Bundesländer ab. Dahinter folgen die Regionen mit der Postleitzahl 9 am Anfang. Hierzu gehören auch Teile des gehaltsstarken Bayerns sowie strukturschwächere Gebiete in Thüringen. Die besten Gehälter werden in Regionen mit den Anfangsziffern 8, 6, 7, 4 und 5 gezahlt.

  • Stadtstaaten

    Stadtstaaten wie Hamburg oder Berlin sind zwar beliebt, die Löhne jedoch geringer. In Berlin zahlen Arbeitgeber rund sieben Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt. „Durch die Beliebtheit von Großstädten müssen die dort ansässigen Unternehmen nicht ganz so stark mit dem Gehalt locken, wie es im ländlichen Bereich der Fall ist“, erklärt Jagiello.

  • Gehälter für akademische Berufseinsteiger

    Die höchsten Gehälter können Akademiker in den südlichen Bundesländern erwarten. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt verdienen Uniabsolventen in Baden-Württemberg mit einem Plus 7,5 Prozent mehr Lohn am besten. Die hinteren Ränge belegen auch bei dieser Vergleichsgruppe die neuen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

  • Gender-Pay-Gap

    Nach wie vor verdienen Frauen weniger als Männer. Je nach Bundesland ergeben sich laut Studie unterschiedliche Entgeltlücken – die größte in Baden-Württemberg. Hier bekommen Arbeitnehmerinnen 37 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Allerdings werden hier die höchsten Löhne gezahlt. Einzig in Hessen (93,3 Prozent) und Hamburg (89,4 Prozent) verdienen Frauen im Schnitt besser als in Baden-Württemberg (87,1 Prozent). Mit rund 17 Prozent ist die Lücke in Mecklenburg-Vorpommern am kleinsten. Hier werden jedoch auch die geringsten Gehälter gezahlt.

Die Bundesbank zieht daraus das Fazit: „Die Vermögen sind weiterhin – gemessen an anderen Ländern im Euro-Raum – relativ ungleich verteilt.“ Allerdings hat es im Vergleich zur ersten Erhebung im Jahr 2010 keine wesentlichen Veränderungen gegeben. Die Vermögensverteilung zwischen blieb von 2010 bis 2014 relativ stabil.  Die vermögendsten zehn Prozent verfügten demnach über 60 Prozent des gesamten Nettovermögens, die untere Hälfte der Haushalte 2,5 Prozent des deutschen Netto-Vermögens.

Das Median-Vermögen eines deutschen Haushalts beträgt weniger als die Hälfte eines italienischen Haushalts. In Italien beträgt der Wert 138.000 Euro, in Deutschland zur Erinnerung: 60.400 Euro. Ein wichtiger Grund für den starken Unterschied ist der Anteil der Haushalte mit Immobilieneigentum. In Ländern, in denen besonders viele Menschen ein Haus besitzen, wie zum Beispiel auch Spanien, ist auch das Vermögen meist größer. Ergebnisse für Italien zeigen, dass sich der Abstand zu Deutschland bis 2014 zwar verringert hat, aber immer noch besteht.

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Im Jahr 2014 besaßen 81 Prozent der deutschen Haushalte laut den Daten der Bundesbank Sachvermögen, doch nur 44 Prozent „Eigentum am Hauptwohnsitz“. Dieses Verhältnis hat sich trotz zwischen 2010 und 2014 einsetzender Niedrigzinsphase mit besonders günstigen Baufinanzierungen nicht geändert. Jeder fünfte Haushalt hat „sonstigen Immobilienbesitz“ wie etwa eine vermietete Wohnung, dieser Wert ist gegenüber 2010 leicht gestiegen (von 18 auf 20 Prozent).


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