Cash-Management-Systeme: Unter Kontrolle

Cash-Management-Systeme: Unter Kontrolle

, aktualisiert 31. Mai 2016, 21:55 Uhr
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Auch Unternehmen brauchen ein System für ihre liquiden Mittel.

von Dirk WohlebQuelle:Handelsblatt Online

Die Liquidität gezielt zu steuern wird für den Unternehmenserfolg immer wichtiger. Häufig lassen Firmen ihre Konten unabgestimmt nebeneinander laufen. Der Nachholbedarf an entsprechendem Service ist enorm.

DüsseldorfDie Firma Drahtzug Stein Service aus Altleiningen in Rheinland-Pfalz ist nur wenigen bekannt, doch ihre Produkte benutzen viele von uns fast täglich: Das Unternehmen zählt zu den weltweit führenden Drahtartikelherstellern und produziert beispielsweise die Körbe für viele gängige Spülmaschinen.

Bei seiner täglichen Arbeit achtet Geschäftsführer Peter Staab nicht nur auf Vertrieb, Absatz und Innovation, er hat auch sämtliche Konten im Blick: „Liquidität zu steuern ist eines der wichtigsten Kriterien, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen.“ Denn nur so könne die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens permanent gewährleistet werden. Und das sei einfach die Basis für geschäftlichen Erfolg.

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Dazu arbeitet Drahtzug Stein Service mit einem Cash-Management-System. Das Unternehmen mit 1450 Mitarbeitern und 138 Millionen Euro Umsatz managt damit die Bankverbindungen: „Wir kontrollieren die Kontostände zentral. Auch die Konten der Tochterunternehmen koordinieren wir über ein Cash-Pooling. Damit können wir positive Salden auf Konten gezielt nutzen“, erklärt Staab.

Excel-Liste für den Überblick

Das Vorgehen klingt simpel, ist aber keinesfalls die Regel. Denn häufig lassen mittelständische Unternehmen ihre Konten unabgestimmt nebeneinander laufen. „Da kommt es schon häufiger vor, dass auf dem einen Konto kurzfristig der Kontokorrentkredit in Anspruch genommen wird, obwohl auf einem anderen ein Guthaben ist“, erklärt Professor Volker Wittberg von der Fachhochschule des Mittelstandes in Bielefeld. Cash Management bietet die Möglichkeit, all diese Konten zentral zu lenken. Allerdings nutzen nur 36 Prozent der Mittelständler in Deutschland dieses Instrument, wie eine Studie der Fachhochschule des Mittelstandes zusammen mit der Commerzbank zeigt.

In der Praxis führen Unternehmen häufig eine Excel-Liste, um einen Überblick über die Konten zu bekommen. Doch die Gefahr ist groß, dass Daten dann nicht permanent gepflegt werden. „Der Nachholbedarf für professionelles und automatisiertes Cash Management ist enorm“, sagt Wittberg.

Zwei Drittel der Unternehmen mit Cash Management benutzen dabei ein System ihrer Hausbank. 14 Prozent vertrauen auf die Lösung eines externen Softwareanbieters. Mehr als 27 Prozent steuern damit fünf und mehr Unternehmen, meist Tochtergesellschaften. Und mehr als die Hälfte verwaltet damit fünf oder mehr Konten.


Enormer Beratungsbedarf

Viele Firmenchefs kennen diese Möglichkeiten nicht: „Ich erlebe es oft, dass Unternehmen unter Cash Management das Electronic Banking verstehen“, sagt Frank Walter Wolf, Leiter Vertrieb Deutschland Zahlungsverkehr bei der Commerzbank. Und nicht wenige besitzen bereits ein Tool, nutzen es aber nicht. „Damit vergeben sie eine große Chance. Denn mit einem Cash- Management-System lassen sich nicht nur Finanzströme lenken, es senkt Transaktionskosten und sorgt dafür, dass liquide Mittel zum Beispiel für Investitionen eingesetzt werden können“, betont Wolf.

„Damit kann Cash Management einen wichtigen Beitrag für die Unternehmensrentabilität leisten“, betont Wolf. Das macht auch vor dem Hintergrund der Niedrigzinsphase Sinn. Denn Guthaben auf Tages- oder Festgeldkonten werfen derzeit kaum etwas ab. Oft werden sogar Negativzinsen verrechnet.

Rund um das Thema Liquiditätssteuerung ist der Beratungsbedarf enorm. „Viele kleine Familienunternehmen nutzen nicht die Chance, die eine moderne Liquiditätssteuerung bietet. Dabei wird dieser Aspekt zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor, um langfristig zu wachsen“, sagt Patrik Pohl, bei der Deutschen Bank verantwortlich für Produkte für den Mittelstand. Dazu zählt auch eine gezielte Steuerung des im Umlaufvermögen gebundenen Kapitals, auch Working Capital genannt. Im internationalen Vergleich binden deutsche Firmen zu viel Kapital.

Unnötig gebundenes Kapital aufspüren

Unternehmer Staab lässt sich dagegen regelmäßig die Bestände in den Lagern melden. Sein Ziel: Unnötig gebundenes Kapital aufzuspüren und freizusetzen, das er dann für Investitionen und langfristiges Wachstum verwenden kann.

Eine solche interne Finanzierung ist einfacher und günstiger als externe Quellen anzuzapfen. „Dazu sollten Unternehmen das gesamte Instrumentarium vom Zahlungsverkehr bis zum langfristigen Working Capital nutzen“, betont Pohl. Die Möglichkeiten eines modernen Treasury bieten gerade international operierenden Unternehmen sehr viel Potenzial. So können sie Währungsrisiken gezielt steuern und mit automatischen Systemen absichern. Je größer dabei ein Betrieb ist, desto stärker wird die Liquidität zu einem strategischen Erfolgsfaktor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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