CEB-Studie: Lieber Work-Life-Balance statt steile Karriere

CEB-Studie: Lieber Work-Life-Balance statt steile Karriere

, aktualisiert 28. September 2016, 09:28 Uhr
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Langweile und Unzufriedenheit am Arbeitsplatz können krank machen – und ist leider keine Seltenheit.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Kräftemessen am Arbeitsmarkt: Wollen Unternehmer neue Mitarbeiter gewinnen und die eigene Mannschaft bei Laune halten, müssen sie mehr bieten, als ein gutes Gehalt. Sonst drohen Demotivation und Dienst nach Vorschrift.

DüsseldorfDie Lage ist eigentlich paradox. Zwischen April und Juni waren auf dem deutschen Arbeitsmarkt 3,98 Millionen offene Stellen ausgeschrieben – ein Anstieg von fast acht Prozent gegenüber dem vergangenen Quartal. Doch obwohl die Chancen für einen Jobwechsel offenbar ganz gut sind, wollen aktuell nur 34 Prozent der Arbeitnehmer ihre Firma verlassen. Laut der Umfrage „Global Talent Monitor“ von CEB, einem Best-Practices- und Technologieunternehmen, liegt die aktive Suche nach einem neuen Arbeitsplatz damit acht Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt von 42 Prozent.

Für Unternehmen, die ihre offenen Stellen besetzen wollen, verschärft sich damit die Lage am Arbeitsmarkt. „Zwar wurden viele Stellen geschaffen, aber durch die geringe Fluktuation ist es schwerer geworden, geeignete Arbeitskräfte für unbesetzte Stellen zu finden“, so André Fortange, Managing Director bei CEB. Erschwerend kommt hinzu: „Immer mehr Arbeitgeber stehen bei der Einstellung und Bindung von Mitarbeitern in einem direkten Wettbewerb, wodurch sich das Kräfteverhältnis zugunsten der Arbeitnehmer verschiebt.“

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Doch warum sind so wenige Deutsche zu einem Arbeitsplatzwechsel bereit? Weil sie so glücklich und zufrieden sind mit dem, was sie tun? Die Antwort lautet leider: nein. So hat die CEB-Untersuchung ergeben, dass ein Großteil der Befragten am Arbeitsplatz eigentlich nicht so ganz glücklich ist. Häufig schlummert in den Köpfen der Mitarbeiter lange Unzufriedenheit herum und sie leben schlicht für die nächsten Ferien oder das nächste Wochenende. Am zufriedensten sind sie immerhin noch mit der Vergütung, dem kollegialen Umfeld und dem Respekt – also mit den gleichen Faktoren, auf die sie bei einer Arbeitsstelle weiterhin großen Wert legen. Am unzufriedensten sind sie aber vor allem mit ihrer Work-Life-Balance. Auch wenn sie sich aktuelle Stellenausschreibungen anschauen, mangelt es dort an entsprechenden Angeboten zu mehr Flexibilität.

Die Folge: 46 Prozent der eigentlich demotivierten Beschäftigten stellen den Jobwechsel und damit eventuell auch den nächsten Karriereschritt erst einmal bewusst hinten an. Die schlimmere Folge: Sie sind nicht stärker für ihren aktuellen Arbeitgeber engagiert und machen im grauen Firmenalltag oft nur noch Dienst nach Vorschrift. Und träumen in ihrem Büro davon, was es sonst noch im Leben gibt. Ganz zu schweigen vom wirtschaftlichen Schaden. Wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist, untersuchen jährlich auch die Experten des Beratungsunternehmens Gallup. In ihrer jüngsten Befragung kommen sie zu einem ähnlich erschütternden Ergebnis: Nur 16 Prozent der Arbeitnehmer sind mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit. Die große Mehrheit, 68 Prozent der Beschäftigten, machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 16 Prozent der Werktätigen sind emotional ungebunden und haben innerlich bereits gekündigt. Die Kosten für die deutsche Wirtschaft? Sie verliert durch Produktivitätseinbußen jährlich zwischen 76 und 99 Milliarden Euro.

„So kann es nicht weitergehen“, kommentierten die Autoren des Ratgeber-Buches „Das Escapce Manifest“ schon vor zwei Jahren das traurige Phänomen. „Wir stehen zu Beginn des 21. Jahrhunderts vor gewaltigen Herausforderungen und noch größeren Möglichkeiten. Und doch ziehen viele von uns, gelähmt von Furcht und dem vermeintlichen Mangel an realistischen Alternativen, den Kopf ein und bleiben ihrer bewährten Tretmühle treu.“


Achten Sie auf die Wünsche Ihrer Mitarbeiter

Dazu CEB-Experte Fortange: „Arbeitnehmer berichten von Frustration aufgrund mangelnder Karrieremöglichkeiten in ihrer aktuellen Position und nennen dies als Hauptgrund für ihren Wunsch, den Arbeitsplatz zu wechseln. Da nur wenige Arbeitnehmer eine Beförderung erwarten können und oftmals die Belohnung für ihre harte Arbeit ausbleibt, sehen viele Arbeitnehmer mehr Flexibilität als Kompromiss für ihre stagnierenden Karriereoptionen an.“

Daher müssten sich die Unternehmen genau darüber klar werden, was für Bewerber von Bedeutung ist und wie sie deren Wünsche erfüllen können. Um in dieser Situation Mitarbeiter erfolgreich einzustellen und zu binden, gibt CEB den Unternehmen folgende Ratschläge:

Schwerpunkt Work-Life-Balance

Die Förderung einer besseren Work-Life-Balance ist ausschlaggebend für die Zufriedenheit und das Wohlergehen des Arbeitnehmers. Durch flexible Arbeitszeiten ermöglicht man es leistungsstarken Mitarbeitern, sich auf die geschäftlichen Ergebnisse konzentrieren zu können, ohne Kompromisse hinsichtlich der Verpflichtungen in ihrem Privatleben eingehen zu müssen.

Verbesserter Zugang zu Entwicklungschancen

Für die individuelle und unternehmensweite Produktivität ist es unerlässlich, dass die Arbeitnehmer interessiert bleiben und in ihren Rollen dazulernen. Durch unternehmensweite Projekte und Versetzungen können sie neue Fähigkeiten entwickeln und neue Erfahrungen sammeln.

Erhöhung der Gesamtvergütung

Die Förderung des Engagements und der Motivation von Arbeitnehmern müssen höchste Priorität genießen. Die Unternehmen sollten Leistungen des Einzelnen durch Gehaltserhöhungen in Form von Sachleistungen und -belohnungen honorieren. Diese sind oft wertvoller als reine Lohnerhöhungen oder Bonuszahlungen.

Denken Sie nun einen Augenblick lang darüber nach, ob Ihr aktueller Job Ihnen diese Zutaten in ausreichendem Umfang bietet. Und welchen Tag Sie lieber mögen: Sonntag oder Montag? „Es passiert so leicht, dass wir ein Jahrzehnt mit einer Tätigkeit verbringen, die wir uns nicht ausgesucht haben“, heißt es im Escape-Manifest, „und uns dabei vormachen, es handele sich um eine Art Übergangslösung, bis wir wüssten, was wir wirklich mit unserem Leben anfangen wollen.“ Arbeiten Sie noch, oder leben Sie schon?

Zur Studie: Die Daten des Global Talent Monitor stammen aus der größer angelegten Umfrage „Global Labour Market Survey“ von CEB, an der über 20.000 Angestellte aus 40 Ländern teilnehmen. Die Umfrage wird vierteljährlich durchgeführt und spiegelt laut CEB die Marktbedingungen im Quartal vor der Veröffentlichung wider.

Quelle:  Handelsblatt Online
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